Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 11.02.2019


Innsbruck-Land

Verzweifelte Suche nach einer Kurzzeitbetreuung für Zirler Mädchen

Beruflich bedingt braucht eine Alleinerziehende für einige Nächte im Jahr eine Betreuung für ihre beeinträchtigte Tochter – eine Herausforderung.

Die kleine Marie ist ein fröhliches, aufgewecktes Kind. Ihre Mutter ist auf der Suche nach einer nächtlichen Kurzzeitbetreuung.

© NorzDie kleine Marie ist ein fröhliches, aufgewecktes Kind. Ihre Mutter ist auf der Suche nach einer nächtlichen Kurzzeitbetreuung.



Von Denise Daum

Zirl – Die siebenjährige Marie ist ein Sonnenschein. Und eine Kämpferin. Die Ärzte prognostizierten kurz nach der Geburt, dass das Mädchen wohl niemals sprechen und laufen können wird. Aber Marie entwickelte sich besser als erwartet, hat gelernt, sich zu verständigen, und saust wild herum. Die kleine Zirlerin besucht das Sonderpädagogische Zentrum und bekommt auch abseits davon vielfältige Therapien.

Mama Angelika Norz ist alleinerziehend und berufstätig. Sie hat sich das Leben mit ihrer beeinträchtigten Tochter gut eingerichtet. Nur ein Problem spitzt sich immer mehr zu, je älter Marie wird: Norz ist im Außendienst tätig, was zwar den Vorteil der flexiblen Zeiteinteilung hat. Die Anstellung erfordert jedoch, dass sie rund zehn Nächte im Jahr auswärts verbringen muss. Eine enorme Herausforderung, wie Norz erklärt. „Als Marie kleiner war, habe ich mich mit Freundinnen über diese Nächte gerettet. Aber das wird immer schwieriger. Leider gibt es keine Möglichkeit einer Kurzzeitbetreuung für beeinträchtigte Minderjährige.“ Ihr wurde zwar angeboten, Marie im Elisabethinum in Axams über Nacht unterzubringen. „Das möchte ich aber nicht. Sie kennt dort die Umgebung nicht, hat keine Bezugsperson. Das wäre eine Belastung für sie und für mich“, sagt Norz. Ein gewöhnlicher Babysitter sei für Marie auch nicht geeignet. Das gehe für ein paar Stunden, nicht jedoch für die ganze Nacht inklusive Rituale wie das Zubettbringen.

Angelika Norz weiß nicht, wer ihr helfen könnte. Die Situation ist sehr belastend für die Alleinerzieherin. „Es wäre fatal und existenzbedrohend für Marie und mich, wenn ich meinen Beruf verlieren würde, wenn sich keine Lösung für die paar Nächte findet.“

Norz hat sich vor einigen Wochen per Mail an Soziallandesrätin Gabriele Fischer gewandt, um auf das Problem aufmerksam zu machen. „Ich denke nicht, dass ich die Einzige bin, die so ein Problem hat“, betont Norz. Ihr geht es nicht primär um finanzielle Unterstützung, sondern um Hilfestellung bei der Organisation. Von der Landesrätin selbst kam keine Antwort, jedoch von der Sozialabteilung. „Die waren schon bemüht, aber es war keine befriedigende Lösung für mich dabei“, bedauert Norz.

Gegenüber der TT erklärt Fischer, dass es sich in ihren Augen um einen „erweiterten Babysitterdienst“ handelt. Die Sozialabteilung habe Norz mehrere Institutionen genannt, an die sie sich wenden könne. „Sollte es um medizinische Unterstützung gehen, fällt das nicht in meine Zuständigkeit, sondern in jene von Landesrat Bernhard Tilg“, schließt Fischer.

Tilg erklärt, dass die Sozial­abteilung in sehr engem Kontakt mit Norz stehe und sie über mögliche Unterstützungsleistungen informiert worden sei. „Über die Kinder- und Jugendhilfe sollte es gelingen, ein bedarfsgerechtes Angebot in Form einer Bereitschaftsfamilie zur Verfügung zu stellen. Sollte Frau Norz Unterstützung aus dem medizinischen Bereich für ihre Tochter benötigen, werden wir aus dem Gesundheitsressort heraus selbstverständlich jede mögliche Hilfestellung anbieten und stehen auch für ein direktes Gespräch sehr gerne zur Verfügung“, erklärt Tilg. Die bisherigen Leistungsangebote fallen allerdings in den Zuständigkeitsbereich des Sozialressorts, betont der Landesrat.

Tilgs Angebot sei freundlich, werde ihr Problem aber nicht lösen, sagt Angelika Norz. Sein Gesprächsangebot nimmt sie trotzdem an.