Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 09.02.2019


Bezirk Landeck

Umstrittene Räume im Alten Kino Landeck werden vermietet

Die Nutzung des Dachgeschoßes im Alten Kino ist ein Politikum. Nun wurde ein Mieter gefunden: Die Arbas Tirol zieht dort ein.

Die Räume über dem Alten Kino sorgen seit rund zehn Jahren immer wieder für Diskussionen.

© ReichleDie Räume über dem Alten Kino sorgen seit rund zehn Jahren immer wieder für Diskussionen.



Von Matthias Reichle

Landeck – Eine Bürger­initiative, Unterschriftenlisten, Bausteinaktionen und Protest­e – das Obergeschoß des Kulturzentrums Altes Kino sorgte vor neun Jahren für gehörigen Wirbel in der Bezirksstadt. Seither steht die Fläche leer.

Das dürfte sich allerdings bald ändern, die Immobilie wird demnächst an die Arbas, die Arbeitsassistenz Tirol, vermietet, wie Bürgermeister Wolfgang Jörg (ÖVP) erklärt. Streitpunkt war bisher die Nutzung. Die SPÖ unter dem verstorbenen Bürgermeister Bertl Stenico wollte dort die öffentliche Bücherei unterbringen. ÖVP und FPÖ, die seit 2010 die Mehrheit stellen, beabsichtigten die Fläche gewerblich zu vermieten, wogegen sich Widerstand regte. Ein Interessent zog sich damals zurück. Nun gibt es einen neuen.

„Der Mietvertrag ist so gut wie unterschriftsreif“, bestätigt nun Jörg. Der Stadtrat hat der Vermietung in seiner letzten Sitzung grünes Licht gegeben. Das bestätigt auch Arbas-Geschäftsführer Marco Nicolussi: „Wir sind uns einig.“ Man startet jetzt in die Planungs- und Umbauphase. Die Arbas ist ein sozialer Verein, der Menschen mit Beeinträchtigungen bei der Suche nach einer Arbeit und zum Teil auch am Arbeitsplatz selbst unterstützt. „Uns gibt es seit 1996“, so Nicolussi. Seit 17 Jahren wird der Bezirk Land­eck von Imst aus mitbetreut. Nachdem man expandiert, richtet man hier eine Außenstelle mit acht Mitarbeitern ein. Man rechnet mit einem Start im April oder Mai.

Der Verein will sich langfristig einmieten. Derzeit sei der Mietvertrag auf zehn Jahre befristet. Nicolussi kennt die alten Konflikte um den Raum: „Wir sind ein gemeinnütziges Projekt, sind nicht gewinnorientiert und erfüllen einen öffentlichen Auftrag. Ich habe keinen Kummer, dass wir in die politische Diskussion geraten.“

Die SPÖ bleibt allerdings bei ihrer Haltung: „Das war eine taktische Meisterleistung. Das Thema wurde aus der Öffentlichkeit herausgehalten“, kritisiert StR Mathias Niederbacher (SPÖ), der im Stadtrat dagegen gestimmt hatte. „Wir waren immer für eine öffentliche Nutzung, egal welche“, betont er. Eine Arbeitsgruppe, die sich mit dem Thema beschäftigte, sei „abgewürgt“ worden. „Schad­e, dass man verabsäumt hat, etwas für die Jugend zu schaffen.“ Eine „kulturelle Begegnungszone“ wünscht sich nach wie vor auch GR Simone Plangger (SPÖ). Es gehe nicht darum, dass es sich um einen Sozialverein handle, der sich einmieten will, betonte GR Manfred Jenewein (SPÖ). „Es geht um Grundsätzliches.“ Man wolle einen öffentlichen Raum. Durchaus positiv reagierten die FPÖ und die Grünen auf die Vermietung. „Das ist vernünftig verwendet und die Gemeinde bekommt Geld dafür“, kommentiert FP-Stadtrat Roland König die Entscheidung. „Das Projekt ist im Bezirk willkommen. Das wäre im Sinn von Bertl“, glaubt GR Ahmet Demir (Grüne).

Im Gemeinderat wird die Vermietung übrigens nicht mehr behandelt. Nach dem Beschluss im Stadtrat sei das nicht vorgesehen, erklärte Bürgermeister Jörg.




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