Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 12.02.2019


Bezirk Schwaz

Schwazer Bergretter sind dem Tourismusverband 200 Euro wert

Die Bergrettung Schwaz kritisiert geringe Subvention durch den Tourismusverband Silberregion Karwendel. Zum Vergleich: Der Achensee Tourismus fördert die Bergrettungen jährlich mit 13.000 Euro.

Rodelbahndienst für die Bergrettung Schwaz: Severin Parger, Gerald Graber und Fred Wallenta (v. l.) mit ihrem Quad beim Hecherhaus.

© zoom.tirolRodelbahndienst für die Bergrettung Schwaz: Severin Parger, Gerald Graber und Fred Wallenta (v. l.) mit ihrem Quad beim Hecherhaus.



Von Angela Dähling

Schwaz – 53 geborgene Personen (24 davon Urlauber), 13 Pistenrettungseinsätze, zwei Lawinen-, drei Sucheinsätze sowie sieben Einsätze auf den Rodelbahnen in Schwaz und am Weerberg. Das sind nur einige von vielen Zahlen, mit denen Fred Wallenta als Obmann der Bergrettung in Schwaz mit seinen 26 aktiven Mitgliedern am Freitagabend bei der Jahreshauptversammlung der Bergrettung Schwaz und Umgebung im Knappensaal des SZentrum aufhorchen ließ. Dem gegenüber steht nämlich eine weitere Zahl: 200 Euro. So viel Subvention zahlt der Tourismusverband Silberregion Karwendel den Bergrettern jährlich. Weit weniger also als die meisten anderen TVB.

Wallenta sparte daher nicht mit Kritik am TVB und verwies darauf, dass seit der Eröffnung der Rodelbahn am Kellerjoch 2017 zahlreiche Bereitschaftsdienste mit dem Quad geleistet wurden und im abgelaufenen Vereinsjahr sieben Einsätze hier stattfanden. Im Sommer seien es Mountainbiker am Kellerjoch, die die Bergretter auf Trab hielten. Eine kleine Subvention gibt es von der Kellerjochbahn, wo die Bergretter in den Ferien und am Wochenende Bereitschaftsdienst als Pistenretter haben.

Rund 9000 Euro erhalten sie zudem von den sieben Gemeinden des Einsatzgebietes jährlich – gemäß einem Einwohnerzahl-abhängigen Schlüssel. Das funktioniere bestens, im Gegensatz zur Zusammenarbeit mit dem TVB. „Da haben wir letztes Jahr um 4000 Euro angesucht, aber uns wurden wieder nur 200 Euro überwiesen“, sagt Wallenta.

TVB-Obmann Andreas Jene­wein beruft sich auf die beschlossenen Richtlinien für Grundsubventionen, die bei Rettungsorganisationen bei 200 Euro lägen. „Ich habe volles Verständnis für die Kritik, denn das, was die Bergretter leisten, ist emotional betrachtet unbezahlbar“, sagt Jenewein. „In dem an uns gerichtete­n Schreiben stand nur die Bitte um Überweisung der 4000 Euro. Es hätte sehr bei der Bewertung geholfen, wenn wir Einsatzzahlen gewusst hätten und was die Bergretter auf der Rodelbahn leisten“, meint Jenewein. Für größere Projekte sei man in jede­m Fall bereit, mehr zu zahlen.

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Die TT hörte sich in den anderen Bergrettungsortsstellen (es gibt davon zehn im Bezirk Schwaz) und anderen TVB um. Der Bergrettung Maurach am Achensee zahlt die Gemeinde einen fixen, großzügigen Betrag, der TVB zahlt nach einem Nächtigungsschlüssel. „Wir sind sehr zufrieden“, sagt Ortsstellenleiter Martin Roner.„Ein Cent pro kurtaxenpflichtiger Nächtigung geht an die drei Bergrettungen in unserer Region“, erklärt GF Martin Tschoner vom Achensee Tourismus und lobt die gute Zusammenarbeit. Denn die Bergretter seien bei den zahlreichen Sportveranstaltungen des TVB gratis im Einsatz. In Summe zahle der Verband etwa 13.000 Euro jährlich, wovon die Mauracher Bergretter den größten Anteil aufgrund der vielen Nächtigungen in Maurach und Pertisau bekämen. Der Rest geht an die Bergrettung Achenkirch. Und nach Jenbach, da dort die touristisch zum Achensee gehörende Gemeinde Wiesing zum Einsatzort zählt. Als „sehr fair“ bezeichnet der Jenbacher Ortsstellenleiter Andreas Seidl das Zahlungsmodell der Achenseer Touristiker, das er sich in ähnlicher Form auch bei den Gemeinden wünschen würde. Das Besondere bei den Jenbacher Bergrettern: Ihr Einsatzgebiet erstreckt sich über drei Tourismusregionen. Vom TVB Silberregion Karwendel erhalten sie ebenfalls 200 Euro, vom TVB Erste Ferienregion im Zillertal allerdings nichts, obwohl Strass, Bruck und Teile von Schlitters von ihnen betreut werden.

„Wir zahlen dort, wo auch unsere Bergbahnen stehen“, erklärt GF Manfred Pfister vom TVB Erste Ferienregion, warum eine andere Bergrettungsortsstelle im Tal, die laut deren Ortsstellenleiter nicht namentlich genannt werden soll, subventioniert wird. Laut Pfister zahlt der TVB fix 2000 Euro jährlich an die Bergretter dort, bei größeren Anschaffungen fließe zusätzlich Geld. „Auch die Bergbahnen und Gemeinden unterstützen die Bergretter. Es funktioniert bestens“, sagt Pfister. Geld nach Ansuchen gibt es vom TVB Zillertal Arena für die Bergretter in Zell und Gerlos. Beide Ortsstellenleiter sprechen ebenfalls von einem guten Einvernehmen mit TVB und Gemeinden.

Alfred Wallenta (r.) erhielt bei der Jahreshauptversammlung vom Landesleiter der Tiroler Bergrettung Hermann Spiegl das Goldene Ehrenzeichen.
Alfred Wallenta (r.) erhielt bei der Jahreshauptversammlung vom Landesleiter der Tiroler Bergrettung Hermann Spiegl das Goldene Ehrenzeichen.
- zoom.tirol