Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 14.02.2019


Bezirk Kitzbühel

Fehlende Einigung: Ringen um den Hochwasserschutz in St. Ulrich

Die Behörde stimmte bereits zu, aber mit einer Grundbesitzerin in St. Ulrich konnte noch keine Einigung erzielt werden. Das könnte weitreichende Folgen für den Hochwasserschutz haben.

Der Pillersee in St. Ulrich soll im Falle eines Hochwassers als Retentionsbecken dienen.

© Kitzbüheler Alpen PillerseetalDer Pillersee in St. Ulrich soll im Falle eines Hochwassers als Retentionsbecken dienen.



Von Michael Mader

St. Ulrich a. P., Waidring – Beim Hochwasser im Juni 2013 stand das Dorfzentrum von St. Ulrich bis zu einem halben Meter unter Wasser. Die Schäden, vor allem an öffentlichen Gebäuden, waren enorm.

„Dabei war dieses Hochwasser ein 30-jährliches Ereignis, also relativ klein“, erklärte Leonhard Fischer, Obmann des Wasserverbandes Haselbach/Grieselbach, bei der öffentlichen Gemeindeversammlung in St. Ulrich im November 2017.

Schon seit längerer Zeit wird deshalb an einem Hochwasserschutzprojekt für die Gemeinden St. Ulrich und Waidring gearbeitet. Sollte ein 100-jährliches Hochwasser eintreten, würden 60 Gebäude sowie 70 Hektar Fläche wie auch Straßen und der Ortskern überflutet; in Waidring wäre es geringfügig mehr, hieß es damals.

Seit dieser Zeit ist viel passiert: „Wir haben mit 60 bis 70 Grundbesitzern in St. Ulrich und Waidring verhandelt. Das sind in Summe 135 Personen, welche von den Hochwasserschutzmaßnahmen grundbücherlich berührt sind“, führt Fischer im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung weiter aus.

Eigentlich hätte heuer in der so genannten Niederwasserperiode mit den umfangreichen und mehr als acht Millionen Euro teuren Bauarbeiten begonnen werden sollen. Trotz aller behördlichen Genehmigungen für den Hochwasserschutz gibt es jetzt aber Probleme. „Mit einer Grundeigentümerin in St. Ulrich konnten wir noch kein Einvernehmen bei der Dienstbarkeit erzielen“, weiß Fischer, der von dem Entschädigungsmodell, das auch für alle anderen Grundstücksbesitzer gilt, nicht abweichen will. Das Baubezirksamt verlange das Einvernehmen mit allen Betroffenen und würde laut Fischer mit der besagten Dame weiterverhandeln.

Kommt es wirklich zu keiner Einigung, gibt es für den Obmann des Wasserverbands, der auch Gemeindevorstand in St. Ulrich ist, zwei mögliche Szenarien: „Entweder wird dieser eine Teil nicht gemacht, dann sind drei Häuser nicht zu schützen, oder man muss über ein Enteignungsverfahren sprechen.“

Wie bereits berichtet, sieht das Hochwasserschutzprojekt unter anderem folgende Maßnahmen vor:

Hellersperre und Haslingsperre: Die beiden Hauptrücklagebecken für den Grieselbach in St. Ulrich sind „übervoll“ mit Schotter, erklärt Fischer. Dieses Gesteinsmaterial gelangt über den Grieselbach in den Pillersee, der in der Folge „verlandet“. Dadurch verliert der See an Retentionskubatur.

Ortsteil Flecken: Ebenso verlandet ist der „Fleckensee“ im gleichnamigen Ortsteil. Insgesamt sollen in diesem Bereich 40.000 m³ ausgehoben werden – wieder um zu verhindern, dass das Geschiebe in den Pillersee gelangt. Zudem sollen 1,3 ha Gemeindewald gerodet und abgesenkt werden, um eine Retentionsfläche entstehen zu lassen.

Dämme: „Ab der Pension Schartental Richtung Ortsteil Wieben müssen Dämme errichtet werden, um das Siedlungsgebiet zu schützen“, sagt Fischer. Ein kleiner Teil des Brunnbaches werde deshalb verlegt, um Platz für die Schutzbauten zu schaffen.

Ebenfalls soll ein Schutzdamm vom Sandfang des Kalktalbaches bis zur abgebrannten Hackschnitzelanlage entstehen, um den Ortskern zu sichern. Die Anlage soll in diesem Zug wiedererrichtet werden.

Wehranlage: Der Pillersee soll im Falle eines Hochwassers zu einer Retentionsfläche werden. Um den See zu steuern, ist ein automatisches Wehr geplant. „Das heißt, dass es bei der ersten Hochwasserwelle abgesenkt werden kann“, weiß Fischer.