Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 14.02.2019


Bezirk Schwaz

Ein Team, das Menschen im Bezirk Schwaz auf letztem Weg begleitet

Geduld, viel Empathie und Ausgeglichenheit – das macht das Mobile Palliativteam in Schwaz aus. Es betreut Sterbende im Bezirk.

Karin Wechselberger, Karin Scheiterer, Markus Ringler, Julia Weissbacher, Dominike Schrottenbaum und Monika Mair sind im ganzen Bezirk unterwegs und unterstützen Menschen in ihrem letzten Lebensabschnitt.

© FankhauserKarin Wechselberger, Karin Scheiterer, Markus Ringler, Julia Weissbacher, Dominike Schrottenbaum und Monika Mair sind im ganzen Bezirk unterwegs und unterstützen Menschen in ihrem letzten Lebensabschnitt.



Von Eva-Maria Fankhauser

Schwaz – Ein bisschen Nervosität ist da, als sich Monika Mair auf den Weg macht. Sie checkt noch mal, ob sie alles dabei hat. Die Tasche ist schwer und gefüllt mit Medikamenten, Verbandszeug und anderen medizinischen Gegenständen. Als sie beim Schwazer Krankenhaus losfährt, geht sie in sich und versucht ruhig zu werden. Ausgeglichenheit ist in ihrem Job sehr wichtig. Sie muss mit einer gestressten Situation vor Ort rechnen. Aber will zuerst einmal alles auf sich wirken lassen und dann dort helfen, wo sie kann. Diesmal braucht der Patient einfach nur jemanden zum Reden. Über etwas, worüber man sonst mit kaum jemandem sprechen kann – über das Sterben.

Monika Mair gehört zum Mobilen Palliativteam in Schwaz. Vier Ärzte und vier Pflegefachkräfte kümmern sich seit Anfang Jänner um die Versorgung von Menschen mit unheilbaren, fortschreitenden Erkrankungen in deren eigenem Zuhause. Schwaz ist der siebte Bezirk in Tirol, der diese Versorgung in der Hospiz- und Palliativbetreuung erhält. Im BKH Schwaz gibt es bereits sechs entsprechende Betten. „Wir haben aber häufig eine Überbelegung und viele Anfragen“, sagt Primar Hannes Gänzer. Einige Patienten wollen zu Hause betreut werden. Das macht nun das mobile Team möglich. Sie ergänzen die Arbeit von Haus­ärzten, Sozial- und Gesundheitssprengel, Pflegeheimen und Angehörigen. „Wir wollen nicht über bestehende Strukturen drüberfahren, sondern zusammenarbeiten“, sagt Markus Ringler, Ärztlicher Leiter des Mobilen Palliativteams. Man komme bei komplexen Situationen in medizinischer, pflegerischer oder psychosozialer Hinsicht unterstützend dazu.

„Wir setzen mit dem Mobilen Palliativteam in Schwaz einen weiteren. Zudem sind viele engagierte ehrenamtliche Schwazer im Einsatz.“
Bernhard Tilg (Gesundheits-Landesrat)

Finanziert wird das Projekt vom Land und den Tiroler Sozialversicherungsträgern. „Das ist für uns sehr gut investiertes Geld, womit Menschen auf ihrem letzten Weg begleitet werden“, sagt Werner Salzburger, Obmann TGKK. Jährlich fließen dafür knapp 444.000 Euro nach Schwaz. Salzburger lobt zudem die ehrenamtlichen Helfer in der Palliativbetreuung.

Für Franz Hauser vom Gemeindeverband des BKH Schwaz ist es wichtig, dass der Bezirk flächendeckend betreut wird. „Für jemanden aus Hintertux ist es ein weiter Weg ins Krankenhaus“, sagt er. Auch für Margit Holzhammer (GF Bezirkskrankenhaus) ist das Mobile Team eine wichtige Brücke nach draußen: „Das Angebot wird bereits gut angenommen.“ Laut Ringler werden derzeit sieben Personen aktiv betreut. Mit 15 Leuten gab es Gespräche oder Hilfestellungen. Zwei betreute Personen sind bereits verstorben.

Viel Einfühlungsvermögen, Geduld oder auch Ausgeglichenheit zählen zu den Eigenschaften der Palliativ-Mitarbeiter. „Für uns ist auch wichtig, dass sie sich vorstellen können, ausschließlich mit schwerkranken Patienten zu arbeiten und sich trauen, sehr intime Dinge anzusprechen“, sagt Pflegedirektorin Gabriele Polanezky. Man brauche aber auch eine gewisse Anpassungsfähigkeit. „Es ist jedes Mal anders“, sagt Ringler.

Derzeit werden viele ältere Menschen betreut, „aber es sind auch Junge dabei“, weiß Mair. Es mache einen großen Unterschied in der Betreuung, ob der Sterbende sein Leben bereits gelebt hat oder, ob es jemand ist, der sehr leidet. Ein großer Punkt sei auch die Betreuung der Angehörigen. „Die Angst, über den Tod zu sprechen, kommt eher von ihnen. Der Patient hat sich oft schon viel damit auseinandergesetzt.“

So traurig dieser Job auch klingen mag – es gibt auch schöne Momente. „Wenn sich der Patient freut, mich zu sehen, oder man etwas gefunden hat, damit die Schmerzen weniger werden. Davon lebt man, deshalb tun wir das ja auch“, sagt Mair.