Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 23.02.2019


Bezirk Reutte

Zehn Biberfamilien haben ihre Reviere im Außerfern

Experten vermuten neue Reviere im Bezirk. Verrohrungen von Dämmen mindern das Konfliktpotenzial zwischen Mensch und Tier.

An Land wirkt der Biber langsam und ungelenkig, im Wasser ist er aber in seinem Element.

© thomas boehmAn Land wirkt der Biber langsam und ungelenkig, im Wasser ist er aber in seinem Element.



Von Simone Tschol

Außerfern – Vor rund 200 Jahren galt er in Tirol noch als ausgerottet. Jetzt ist der dämmerungs- und nachtaktive Nager wieder heimisch. Die Rede ist vom Biber.

„Der Biber ist derzeit im Bezirk sehr aktiv. Er hält ja nicht, wie viele meinen, Winterschlaf“, lässt Schutzgebietsbetreuerin Caroline Winklmaier wissen. Das Tier selbst kriegt man nur sehr selten zu Gesicht. Seine Anwesenheit an einem Gewässer lässt sich aber über zahlreiche verschiedene Spuren nachweisen. Eindeutige Hinweise auf Biberaktivitäten sind die sanduhrförmig angenagten oder bereits gefällten Baumstämme. Span für Span nagen die Biber mit ihren mächtigen Zähnen aus dem Stamm, bis der Baum fällt. Dabei ist der Biber gar nicht am Stamm interessiert. Die Rinden der jungen Äste in den Baumkronen sind sehr nahrhaft. Deshalb kommt das meist nur in den Wintermonaten vor. Im Sommer ernähren sich Biber fast ausschließlich von Wasserpflanzen. „An genügend hohen Ufern bauen die Tiere einen Erdbau, dessen Eingang sich unter Wasser befindet und nur schwer zu erkennen ist. Aber jetzt im März, wenn der Schnee schmilzt, werden Löcher im Schnee sichtbar. Diese dienen als Lüftung, durch welche die feuchte Luft entweichen kann“, beschreibt die Expertin. Caroline Winkl­maier und Egon Bader sind ausgewiesene Experten, wenn es um die Biberpopulationen im Außerfern geht. Auch sie werden die nächsten Wochen auf Spurensuche gehen, um den Biberbestand zu erfassen. „Letzten Winter wurden zehn Reviere fix kartiert – unter anderem am Lech, an der Loisach im Ehrwalder Moos und in Biberwier. Aber es werden heuer sicher noch Reviere hinzukommen, wie etwa in Bichlbach oder am Hüttenmühlsee“, glaubt Winklmaier. Uneingeschränktes Populationswachstum finde jedoch keines statt. Dafür seien die Reviere der Biberfamilien zu groß.

So possierlich die Tiere auch sind, es kommt immer wieder zu Konflikten mit dem Menschen. Winklmaier: „Einen solchen Hotspot gab es in Vils. Wir haben bereits zwei Biberdämme verrohrt, um einen konstanten Wasserdurchfluss zu gewährleisten. Und ich glaube, wir haben ein gutes Mittelmaß gefunden – zwischen einem erträglichen Wasserstand für Anrainer und genug Wasser für den Biber.“