Letztes Update am Fr, 22.02.2019 13:08

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bildung

Bildungsstandards: Volksschüler sind wieder besser in Mathe

Die Schüler in den vierten Klassen der österreichischen Volksschulen haben bei den Bildungsstandard-Tests 2018 in Mathe deutlich bessere Ergebnisse erzielt als bei der letzten Erhebung 2013. Tirol und Kärnten schneiden ähnlich ab wie Österreich insgesamt, deutlich unter dem Österreichmittel befindet sich Wien. Am meisten Punkte hat Salzburg erreicht.

66 Prozent der Kinder erreichten die Bildungsstandards komplett und „verfügen somit über grundlegende Kenntnisse und Fertigkeiten in allen Teilbereichen des Lehrplans Mathematik".

© APA/Pfarrhofer66 Prozent der Kinder erreichten die Bildungsstandards komplett und „verfügen somit über grundlegende Kenntnisse und Fertigkeiten in allen Teilbereichen des Lehrplans Mathematik".



Wien – Die Schüler in den vierten Klassen Volksschule haben bei den im Vorjahr durchgeführten Bildungsstandard-Tests in Mathematik deutlich bessere Ergebnisse erzielt als bei der letzten Erhebung 2013. Acht Prozent haben aber nach wie vor Mühe auch mit den einfachsten Aufgaben und erreichen daher die Standards nicht. Weitere zehn Prozent schaffen sie nur teilweise.

Für die Erhebung wurden im Frühjahr 2018 rund 73.800 Schüler der vierten Schulstufe durch das Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) getestet und in vier Kategorien eingeteilt: Demnach erreichen 66 Prozent der Kinder die Bildungsstandards komplett und „verfügen somit über grundlegende Kenntnisse und Fertigkeiten in allen Teilbereichen des Lehrplans Mathematik und können diese flexibel nutzen“. 16 Prozent übertrafen diese Anforderungen sogar und „verfügen insbesondere über stärker ausgeprägtes analytisches Denken und höhere Kombinationsfähigkeit“. Zehn Prozent erreichten die Standards teilweise. Das bedeutet, dass sie zwar ebenfalls grundlegende Kenntnisse in allen Lehrplan-Teilen haben, aber nur „reproduktive Anforderungen bewältigen und Routineverfahren durchführen“ können.

Im Vergleich zur Erhebung 2013 verringerte sich der Anteil jener, die die Standards nicht erreichen, um drei Prozentpunkte (2013: elf Prozent). Ein noch deutlicherer Anstieg (vier Prozentpunkte) ist umgekehrt bei den Spitzenschülern zu verzeichnen. In Punkten ausgedrückt verbesserte sich das Gesamt-Ergebnis von 533 auf 551 Punkte. Seit der Ausgangsmessung im Jahr 2010 bei der Einführung von Bildungsstandards ist der Mittelwert sogar um 51 Punkte angestiegen.

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Burschen erzielten bessere Ergebnisse als Mädchen

Wie bei Mathe-Überprüfungen oft, erzielten die Burschen (562 Punkte) bessere Ergebnisse als die Mädchen (540) – der Unterschied ist mit 22 Punkten gegenüber 2013 allerdings deutlich (14) angewachsen. „Minimal“ gesunken sind die Unterschiede zwischen den Schülern ohne bzw. mit Migrationshintergrund. Jugendliche ohne Migrationshintergrund (565 Punkte) schneiden im Schnitt um 61 Punkte besser ab als Jugendliche mit Migrationshintergrund (504) - 2013 betrug der Unterschied noch 64 Punkte.

Noch viel deutlicher sind die Ergebnisdifferenzen nach dem Bildungshintergrund der Eltern: Kinder, deren Eltern höchstens einen Pflichtschulabschluss aufweisen (477 Punkte), trennen in Mathematik im Schnitt 119 Punkte von Kindern aus Akademikerhaushalten (596). Diese Schere ist seit 2013 praktisch gleichgeblieben.

Insgesamt zeigt sich bei den Ergebnissen ein ähnliches Bild wie bei den im Vorjahr präsentierten Mathe-Ergebnissen der achten Schulstufe (4. Klasse AHS/NMS). Die Verbesserung ist gegenüber dem jeweiligen Vortest im Volksschulbereich aber sogar noch etwas deutlicher.

In allen Bundesländern Verbesserung

Diese Verbesserungen der Mathe-Ergebnissen ziehen sich durch alle Bundesländer. Insgesamt fallen die Unterschiede zwischen den Ländern laut Ergebnisbericht „moderat“ aus. Beziehe man noch die unterschiedliche Zusammensetzung der Schülerschaft mit ein, seien sie sogar „überraschend gering“, so Michael Bruneforth vom Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) bei einer Pressekonferenz.

Mit einem Schnitt von 565 Punkten erzielte Salzburg das beste Länderergebnis, gefolgt vom Burgenland (562 Punkte) und von Oberösterreich (560 Punkte). Ebenfalls über dem Österreichschnitt liegen die Steiermark (557 Punkte), Vorarlberg (556) und Niederösterreich (555). Tirol (550) und Kärnten (549 Punkte) schneiden ähnlich ab wie Österreich insgesamt, deutlich unter dem Österreichmittel befindet sich Wien mit 531 Punkten.

Gegenüber dem letzten Test 2013 erzielten Vorarlberg (42), das Burgenland (36 Punkte) und Kärnten (29) die größten Zuwächse. In den übrigen Ländern entspricht die Entwicklung in etwa dem österreichweiten Trend.

Für den Generalsekretär im Bildungsministerium, Martin Netzer, sind die Ergebnisse grundsätzlich „sensationell“. „Es gibt aber auch einige problematische Bereiche“, schränkte er ein. So sei etwa der Zuwachs bei den Leistungsunterschieden zwischen Burschen und Mädchen „für uns nicht zufriedenstellend“. So kommen etwa auf zwei Buben, die die Standards nicht erreichen, drei Mädchen.

Ebenfalls als Problemzone ortete Netzer den „hartnäckigen Unterschied zwischen Kindern mit und ohne Erstsprache Deutsch“. Gleichzeitig müsse man aber auch mit einberechnen, dass bei den Tests erstmals Kinder aus der Flüchtlingswelle mit einbezogen waren - insofern sei die Verbesserung wieder durchaus beachtlich. Auch Bruneforth gab zu bedenken: Das durchschnittliche Kind mit Migrationshintergrund erreiche die Bildungsstandards durchaus. Insgesamt würden zwei Drittel der Migrantenkinder die Standards erfüllen bzw. übertreffen. Die Hälfte der Leistungsunterschiede zwischen einheimischen und Migrantenkindern lasse sich durch den unterschiedlichen sozioökonomischen Hintergrund erklären.

Die Gründe für die Kompetenzzuwächse sieht Netzer in der Arbeit am jeweiligen Schulstandort. Als Ministerium müsse man „auch die Grenzen der eigenen Wirkungsmächtigkeit kennen.“ Auf die Frage, ob die Vorgängerinnen von Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) dafür verantwortlich sind, meinte er: „Sie haben zumindest nix falsch gemacht.“ Es sei vor allem gelungen, die Pädagogen zu sensibilisieren.

Ab dem kommenden Jahr werden die Standards nicht mehr in der bisherigen Form erhoben. An ihre Stelle treten jährliche flächendeckende Kompetenzmessungen in der dritten und vierten Klasse Volksschule bzw. AHS/Neue Mittelschule (NMS). Das habe einerseits den Vorteil, dass man nicht nur alle fünf Jahre eine Rückmeldung bekomme, so Netzer. Andererseits kämen derzeit die Ergebnisse der Überprüfungen erst dann zu den Eltern und Lehrern, wenn die jeweiligen Kinder bereits in eine andere Schulform gewechselt sind. Künftig könnten durch die teilweise Vorverlegung noch an der Volksschule bzw. in der AHS-Unterstufe/NMS Fördermaßnahmen gesetzt werden. (APA)