Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 05.03.2019


Innsbruck-Land

Plakataktion löst in Lans Kontroversen aus

Kritiker werfen BM Erhard vor, „ungebremstes“ Wachstum des Dorfes anzustreben, dieser kontert scharf. Plakataktion war „nicht bewilligt“.

Rainer Patek (l.) und Christian Schubert warnen vor einer Ullbichl-Verbauung und rapidem Wachstum.

© PatekRainer Patek (l.) und Christian Schubert warnen vor einer Ullbichl-Verbauung und rapidem Wachstum.



Lans – Im Vorfeld der öffentlichen Gemeindeversammlung in Lans – am Donnerstag ab 19.30 Uhr im Gasthof Walzl – gehen im Dorf die Wogen hoch: In einer Plakataktion stellen Anrainer Christian Schubert aus Lans und Rainer Patek, Gründungsmitglied der Innsbrucker Grünen, die rhetorische Frage: „Soll sich Lans verdoppeln?“ – und üben scharfe Kritik an der Gemeindeführung: Obwohl sich die Lanser Bevölkerung etwa bei der Gemeindeversammlung 2017 klar für langsames Wachstum ausgesprochen habe, passiere nun das Gegenteil.

Als „Beginn des ungebremsten Wachstums“ vom Ortsrand aus sehen sie Pläne für ein Projekt am Ullbichl: Wie berichtet, ist ein Unternehmer aus der Kommunikationsbranche mit einem Kaufangebot an die Gemeinde herangetreten, er möchte am Ullbichl eine Art Campus errichten, auf dem Wohnen und Arbeit verbunden werden.

Dieses Projekt sehen Schubert und Patek äußerst kritisch: Eine „massive Verbauung“ des Ullbichls würde den landschaftlichen Wert erheblich schmälern, argumentieren sie, ebenso das Natur­erlebnis für Freizeitsportler und Touristen stören. Zudem trenne der Ullbichl derzeit Gewerbe- und Wohngebiet und biete natürlichen Schutz vor Immissionen. Ein „Wegfall der Bewaldung“ reduziere diese Schutzwirkung.

Im schon ausgewiesenen Gewerbegebiet gebe es nach Ansicht der Kritiker „noch genügend Platz für ein solches Projekt“. Grund für den angedachten Verkauf am Ullbichl sei daher „ausschließlich der Finanzbedarf der Gemeind­e“. Konkret gehe es darum, die Mittel für das geplante Bildungszentrum aufzubringen, das „für doppelt so viele Kinder“ gebaut werde, wie Lans derzeit habe. Auch im Bereich Oberes Feld solle „sehr rasch gebaut werden“, ergänzt Schubert, Lans verabschiede sich generell vom Weg eines langsamen Wachstums.

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BM Benedikt Erhard kann über diese Kritik – die in ähnlicher Form auch Alt-BM Peter Riedmann übt – nur den Kopf schütteln. Die Behauptung, eine Verdoppelung von Lans sei geplant, sei „absoluter Schwachsinn“ und „Polemik“, die mit den Tatsachen nichts zu tun habe. Am Ullbichl bestehe die Möglichkeit, Arbeitsplätze und Wohnbau zu verbinden. „Als Gemeinde müssen wir geradezu versuchen, so etwas zu realisieren. Es ist unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass wir über Betriebe Kommunalsteuer erzielen, um die kommunalen Aufgaben finanzieren zu können. Irgendjemand muss am Ende den Bauhof oder die Kinderbetreuung bezahlen.“ Die „hochkomplexe“ Entwicklung des Ullbichls werde mit aller Sensibilität angegangen, „wir werden in Abstimmung mit Naturschutz, Forst, Wildbach- und Lawinenverbauung und Bundesdenkmalamt eine Bebauungsstudie für das Areal erarbeiten“, erklärt Erhard.

Am Oberen Feld habe die Gemeinde vor Jahren rund 1,3 Hektar Grund erworben, die Fläche sei als Bauland gewidmet. „Wir haben diesen Grund nicht, um ihn zu horten oder damit zu spekulieren, sondern um leistbaren Wohnraum für junge Lanser zu ermöglichen, wie es unsere Aufgabe ist.“ Aktuell gebe es rund 20 Anfragen von jungen Familien, „die in Lans wohnen oder arbeiten und dringend Wohnraum suchen“. Auch hier werde man eine Bebauungsstudie für das Gesamtareal ausarbeiten.

Zum Bildungszentrum – geplanter Baubeginn Mitte März, Kostenschätzung: ca. 11 Mio. Euro – meint Erhard, es sei ein­e „Mordschance“, dieses mitten im Dorf zu realisieren. Die Vergrößerung erfolge dabei „durchaus maßvoll“: Derzeit habe man in Lans zwei Volksschulklassen, nächstes Jahr drei, das neue Gebäude biete Platz für vier – und die Möglichkeit, eine Ganztagsschule umzusetzen. Zudem sei künftig Raum für drei statt derzeit zwei Kindergartengruppen und zwei statt derzeit einer Krippengruppe, ebenso für den Hort. „Wenn wir das zusammenzählen, kommen wir eben auf dieses geplante Gebäude.“

Für Aufregung sorgt die Plakataktion aber nicht nur inhaltlich: Das Aufstellen der Plakate wäre nach Tiroler Bauordnung und Naturschutzgesetz anzeigepflichtig gewesen, erklärt Erhard. „Eine Anzeige bei der Gemeinde ist nicht erfolgt, ein­e Bewilligung wurde nicht erteilt.“ Dabei hätte dies­e von der Behörde (BH, Bürgermeister) „ohne Weiteres erteilt werden können“, betont Erhard. Mehrere Plakate seien auch aufgestellt worden, ohne die Zustimmung der Grundeigentümer einzuholen. Plakatständer auf Gemeindegrund sowie bei einer Haltestelle habe er wiederum wegen Umsturzgefahr bei Föhn entfernen lassen, so Erhard. (md)