Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 12.03.2019


Bezirk Kufstein

FH Kufstein: Studentenheim ist für Anrainer ein rotes Tuch

Die Fachhochschule Kufstein braucht Unterkünfte für Studierende. In Kufstein-Zell ist ein Neubau geplant, der die Anrainer wenig freut.

Die Fachhochschule hat rund 2000 Studierende und will in den nächsten Jahren weiterwachsen.

© OtterDie Fachhochschule hat rund 2000 Studierende und will in den nächsten Jahren weiterwachsen.



Kufstein – Die Kufsteiner Fachhochschule wächst weiter und mit ihr der Bedarf an Wohnungen und Zimmern für die Studierenden. Zusätzlich möchte auch die Internationale Schule Kufstein Tirol (ISK) ihr Internatsangebot ausbauen. Daher wird mehr Platz benötigt. Das wiederum treibt die Preise am Kufsteiner Wohnungsmarkt nach oben.

Die Verantwortlichen der Fachhochschule planen nun, ein zusätzliches Studentenheim zu errichten. Ein Platz dafür ist bereits in Kufstein-Zell gefunden, nur die Anrainer haben damit wenig Freude, wie sich zeigt.

Das Heim soll in einer ersten Phase rund 100 Studierenden Platz bieten. Dafür soll ein 4000 Quadratmeter großes städtisches Grundstück zu einem Quadratmeterpreis von rund 400 Euro an die Stadtwerke weiterverkauft werden. Das städtische Unternehmen wiederum würde der FH ein Baurecht verpachten. So die ersten Pläne. „Die Fachhochschule wird den Bau ausschreiben“, erklärt FH-Stiftungsvorstand Franz Mayer auf Anfrage der TT. Geschätzte Gesamtkosten: an die sieben Millionen Euro für die erste Baustufe. In einem weiteren Schritt, so Mayer, könnte dann der nächste Abschnitt mit Platz für weitere 100 Studierende folgen.

Die von den Anrainern ins Spiel gebrachte Verkehrs- bzw. Lärmbelastung sieht Mayer nicht. „Studenten sind jetzt nicht unbedingt jene Bevölkerungsgruppe, die Autos haben. Und es gibt keinen Freibereich zum Feiern.“

BM Krumschnabel hat Verständnis für die Sorgen der Anrainer, jedoch sei das Grundstück seit Jahren für sozialen Wohnbau vorgesehen gewesen. „Die Stadt wächst, ebenso wie die FH, in deren Ausbau wir gerade investiert haben. Die Studenten müssen auch wo wohnen. Derzeit konkurrieren sie am Wohnungsmarkt mit den Familien.“ Für Eigentumswohnungen sei das Areal laut BM nicht geeignet, „weil es zu schattig ist. Aber für ein, zwei Jahre zum Studieren passt das.“ Im Sommer sei es außerdem umso ruhiger, meint Krumschnabel, da die Heimbewohner in der studienfreien Zeit an ihre Hauptwohnsitze zurückkehren.

Eine Machbarkeitsstudie der FH liege bereits vor, nun sollen Gespräche mit den einzelnen Fraktionen im Gemeinderat folgen.

„Für den Ortsteil ist das eine Katastrophe, die Bewohner sind auf den Barrikaden“, sagt dazu der FPÖ-Stadtrat und Anrainer Walter Thaler. „Es muss nicht jeder letzte grüne Fleck verbaut werden. Besonders nicht in diesem Naherholungsgebiet am Zeller Berg“, fügt er an. „Der Bedarf ist nicht so dringend, in zwei Jahren steht am Kasernen­areal ein anderes Grundstück zur Verfügung.“ Die Bewohner befürchten mehr Verkehr, „denn dass alle Studenten mit dem Rad kommen, das können sie jemand anders erzählen. Und die Einfahrtssituation ist absurd.“ Die Anrainer würden wesentlich lieber einen Park für das unweit gelegene Alten- und Pflegeheim sehen, wie der freiheitliche Mandatar meint. (wo, jazz)