Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 15.03.2019


Osttirol

Auf Pilgerreise ins Heilige Land

Der Lienzer Dekan Franz Troyer leitet seit vielen Jahren Pilgerreisen. Genau dorthin, wo bis heute ein Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern schwelt, sollen Besuche von außen Begegnung, Dialog und Hoffnung bringen.

Ein Gottesdienst unter freiem Himmel an der Taufstelle am Jordan.

© Franz TroyerEin Gottesdienst unter freiem Himmel an der Taufstelle am Jordan.



Von Christoph Blassnig

Lienz – Eine Begebenheit war mit ein Grund dafür, dass der Lienzer Dekan Franz Troyer seit vielen Jahren Pilgerreisen ins Heilige Land leitet. Im Jahr 2000 besuchte Papst Johannes Paul II. ein Flüchtlingslager in Bethlehem und wurde dort von Kindern begrüßt. Sie seien so dankbar für diese Geste, erklärten die Kinder damals, denn die Menschen im Lager hätten die Hoffnung verloren. Leute von außen würden allein durch ihren Besuch zeigen, dass man die Menschen vor Ort nicht vergessen habe, und ihnen wieder Hoffnung bringen.

„Ich versuche deshalb die Aufenthalte in Bethlehem länger als für Reisegruppen üblich zu gestalten“, verrät Franz Troyer. „Ich reserviere etwas mehr Freizeit und sage zu meinen Leuten: Bitte springt’s in alle Straßen, dass man euch sieht.“

Eine Handskizze von Bischof Reinhold Stecher zeigt Jerusalem zur Zeit Jesu.
Eine Handskizze von Bischof Reinhold Stecher zeigt Jerusalem zur Zeit Jesu.
- Franz Troyer

Seit vielen Jahren begleitet der Geistliche Pilgerreisen ins Heilige Land. Inzwischen kann er sich selbst dort als offizieller Reiseleiter ausweisen, kennt die Leute und das Land. In Israel begleitet die Gruppe immer ein jüdischer Reiseleiter. „Unser Busfahrer wiederum ist Araber. Ein schönes Bild: Der Jude, der Araber und ich, der Christ, reisen mit Gläubigen gemeinsam durch das Land.“ Ein Land, das von der Fläche her mit Tirol vergleichbar sei. Nur so lässt sich auch erklären, wie überhaupt ein einzelner Tag so ereignisreich sein kann: Frühstück und Morgengebet am See Genezareth, nach einer Busfahrt dreistündiger Aufenthalt in Nazareth, eineinhalb Stunden Busfahrt nach Jericho, später ein Bad im Toten Meer, ein Abstecher in die Wüste, und nach der Rückkehr ins österreichische Hospiz in Jerusalem noch ein abendlicher Besuch bei der Klagemauer. „Obwohl ich diese achttägige Reise jedes Jahr leite, bewegt sie mich immer wieder aufs Neue“, erzählt Troyer, der vor zwei Wochen von seiner letzten Fahrt zurückgekehrt ist. 14 Teilnehmer aus Osttirol waren diesmal unter den insgesamt 44 Mitreisenden aus Tirol. Der Termin für nächstes Jahr steht bereits fest: Vom 22. bis 29. Februar 2020 wird der Lienzer Dekan erneut eine Gruppe ins Heilige Land führen. „Es sind die kleinen Begegnungen vor Ort, die Dialog und Hoffnung bringen“, ist Troyer überzeugt. Jede Pilgerfahrt sei eine spirituelle Fortbildung, der Erlebniswert entspreche einem Vielfachen der tatsächlich verbrachten Zeit. Das würden die Reisenden auch lange Zeit nachher so verspüren und mitteilen.

Am Freitag, 22. März, zeigt Franz Troyer im Kolpingsaal ergreifende Bilder von Pilgerreisen. Beginn ist um 19.30 Uhr. Die freiwilligen Spenden erhält das Caritas Baby Hospital in Bethlehem.

Die 14 Osttiroler Teilnehmer mit Franz Troyer in der Mitte.
Die 14 Osttiroler Teilnehmer mit Franz Troyer in der Mitte.
- Franz Troyer