Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 17.03.2019


Tirol

77 Tiroler Heimkinder sind außerhalb untergebracht

Steiermark, aber auch Griechenland: Heimkinder werden in Ausnahmefällen weit entfernt von Eltern oder Freunden untergebracht. Oft fehlt es an Betreuungsplätzen.

1048 Tiroler Kinder und Jugendliche waren 2017 in Heimen, Spezialeinrichtungen, Wohngemeinschaften oder bei Pflegefamilien fremduntergebracht.

© Getty Images/iStockphoto1048 Tiroler Kinder und Jugendliche waren 2017 in Heimen, Spezialeinrichtungen, Wohngemeinschaften oder bei Pflegefamilien fremduntergebracht.



Von Brigitte Warenski

Innsbruck – Der 14-jährige Tiroler Jugendliche, der diese Woche aus einer deutschen Betreuungseinrichtung verschwunden war (die TT berichtete), hat die Diskussion erneut ins Rollen gebracht. Der Bub wollte zurück nach Tirol, inzwischen ist er laut Polizei wieder aufgetaucht.

So wie der 14-Jährige waren von 1048 Tiroler Heimkindern 57 in einem anderen Bundesland und 20 außerhalb Österreichs im Jahr 2017 (Zahlen von 2018 gibt es noch nicht) fremduntergebracht. Dass sie in „voller Erziehung“ (Heim, Spezialeinrichtung, Pflegefamilie, Wohngemeinschaft) fern von Eltern oder Freunden leben müssen, sorgt seit Jahren auch für Kritik.

Oft fehlt es für eine Unterbringung in Tirol einfach an geeigneten Plätzen. „Es gibt wirklich Engpässe, aber es ist ein Bemühen bemerkbar, den Bedarf abzudecken und neue Plätze zu schaffen, was im Moment auch der Fall ist“, sagt Tirols Kinder- und Jugendanwältin Elisabeth Harasser. Für Harasser ist klar, dass der wohnortnahen Unterbringung der Vorzug zu geben ist, „denn das Kind verliert sonst sein ganzes soziales System. Unterbringungen weit weg vom Wohnort sollen Ausnahmen bleiben.“ Auch für die Tiroler Kinder- und Jugendhilfe ist die Wohnortnähe erste Wahl, „denn das Kind soll seiner Familie erhalten bleiben, allenfalls mit unserer Unterstützung“, heißt es aus dem Landhaus. Dass es dennoch Ausnahmen geben wird, ist laut Harasser nicht immer zu vermeiden. „Manchmal gibt es nur an einem bestimmten Ort eine spezielle Einrichtung, wie z. B. für psychisch kranke Kinder. Und es gibt auch nur einige Einrichtungen, die eine sehr engmaschige Betreuung haben, wo also ein Betreuer die ganze Zeit nur einem Kind zugeteilt ist“, erklärt Harasser.

Zudem gebe es Fälle, wo es für Kinder und Jugendliche in Not „sinnvoll sein kann, eine begrenzte Zeit einen räumlichen Abstand zum Umfeld zu gewinnen, um zu sich zu finden“. Wenn Tiroler Kinder in Frankreich oder Spanien fremduntergebracht werden, geschieht das laut Harasser „nur mit Zustimmung der Jugendlichen, die über 14 Jahre alt sind“. Und – auch wenn es organisatorisch aufwändiger ist – auch dort müssen Tirols Sozial­helfer vor Ort nach dem Rechten sehen.