Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 16.03.2019


Gesellschaft

Schmetterlingsdorf Fließ braucht jährliche Pflege

60 Freiwillige und Professionisten haben sich heuer am Frühjahrsputz in den Fließer Trockenrasen beteiligt. Er soll jährlich stattfinden.

Mit Motorsensen wurden große Flächen gemäht sowie Büsche und Sträucher entfernt.

© CernyMit Motorsensen wurden große Flächen gemäht sowie Büsche und Sträucher entfernt.



Von Matthias Reichle

Fließ – Auf der Fläche von 21 Fußballfeldern, rund 15 Hektar, wurden in Fließ und Kaunerberg heuer wildwuchernde Büsche ausgerissen, Sträucher und Bäume zurückgeschnitten und langes Altgras abgemäht – als vollen Erfolg wertet der Geschäftsführer des Naturparks Kaunergrat, Ernst Partl, die Freiwilligenaktion in den Trockenrasen. Acht Tage lang waren die Motorsensen im Dauereinsatz. Dabei ging es darum, wertvollen Lebensraum für die Schmetterlinge in den kargen Fließer Sonnenhängen zu erhalten. Die Region war für ihre Artenvielfalt bekannt. Inzwischen gibt es aber auch hier nur noch wenige offene Wiesen – die Beweidung mit Ziegen und Schafen geht zurück. „Wir werden versuchen, das im Sinne eines Frühjahrsputzes künftig jährlich zu machen. Dazu müssen wir aber Leute motivieren“, betont der Naturparkchef.

Bei der diesjährigen Aktion, die vom Naturpark gemeinsam mit dem mit Umweltbüro Cerny durchgeführt wurde, griffen rund 50 freiwillige Mitarbeiter der Artenvielfalt unter die Arme: Neben Freiwilligen aus Tirol, Südtirol und Deutschland, dem Ferdinandeum sowie dem Verein Blüten.Reich half auch der tschechische Verein JARO Jaromer mit. Zwölf Personen – die meisten Biologen oder Ökologen – waren extra auf Einladung von Koordinator Karel Cerny angereist, um die freiwilligen Helfer zu unterstützen.

„In den 70er-Jahren, als es noch großflächige Lebensräume gab, war die Art der Pflege nicht so wichtig“, so Partl – heut­e gibt es weniger Ausweichflächen für Schmetterlinge. Umso wichtiger seie­n Experten, die wissen, welche Pflanzen erhalten werden müssen und welche ausgerissen gehören. Hier sei der Wissenstransfer des Vereins JARO Jaromer extrem wichtig gewesen. Partl wünscht sich eine Gruppe aus der Region, die sich dem Schutz von Trockenrasen verschreibt. „Es braucht einen Pool von Fachleuten, auf den man zurückgreifen kann. Der Maschinenring kann Flächen entbuschen, aber es fehlen Biologen, die das begleiten.“

Während für die Erhaltung der geschützten Flächen der Fließer Sonnenhänge Gelder der Umweltabteilung fließen, gibt es außerhalb noch Aufholbedarf. „Zwischen Land­eck und Nauders sind die meisten Trockenrasen inzwischen zugewachsen – bis auf die Schutzgebiete, die der Naturpark betreut“, so Partl. Allein könne man diese Arbeit nicht bewältigen, betont er: „Wir sind drei Vollzeitbeschäftigte, wir können nicht auch noch entbuschen gehen.“

Der Biologe Karel Cerny hat die Arbeiten in Fließ koordiniert. Er versucht derzeit tirolweit eine Organisation auf die Füße zu stellen, um wertvolle Flächen zu erhalten. „Die Situation ist kritisch“, betont er. „Fast täglich verschwindet ein Lebensraum. Die Zeit ist reif.“ Er hofft derzeit noch auf Helfer (Tel. 0664/9113004), die sich der Gruppe anschließen.

Auch für Cerny ist eine regelmäßige Pflege in Fließ wichtig: „Die behandelten Flächen können in dem erreichten Zustand nur erhalten werden, wenn die austreibenden Büsche langfristig kurzgehalten werden.“