Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 19.03.2019


Fridays for future

Auf Klimastreik folgte Einladung in die Wiener Hofburg

Am Freitag gingen Schüler für den Klimaschutz auf die Straße. Am Montag traf sich die Politik mit den Aktivisten – weitere Gespräche folgen.

Vor der Annasäule demonstrierten am vergangenen Freitag zahlreiche Jugendliche mit Plakaten gegen den Klimawandel.

© Vanessa RachléVor der Annasäule demonstrierten am vergangenen Freitag zahlreiche Jugendliche mit Plakaten gegen den Klimawandel.



Von Manuel Lutz

Innsbruck, Wien – Die Klimastreiks der Schüler bewegen immer mehr Menschen in Österreich, am vergangenen Freitag waren im Rahmen des weltweiten Klimaprotests mehr als 20.000 Personen hierzulande auf der Straße. „Die Polizei schätzte uns auf 5700 Personen, erfahrene Demonstranten glauben sogar, dass 8000 Teilnehmer gekommen sind“, war Anna Perktold von der Initiative „Fridays for future Innsbruck“ stolz angesichts der regen Teilnahme in Innsbruck. Auch Tirols Bildungsdirektor Paul Gappmaier freute dies: „Beeindruckend. Wir hatten ja in Tirol von vornherein eine moderate Haltung dazu. Die Schüler setzen sich für ein wichtiges Thema ein. Es geht um ihre Zukunft.“

Die Mühen tragen nun bereits die ersten Früchte. Die heimische Politik wurde aufmerksam und lud gestern die Organisatoren des Freitagsstreiks ein. Perktold freut sich über diese Entwicklung: „Ich bin froh, dass es in der Politik angekommen ist und wir auf offene Ohren stoßen.“

So empfing Bundespräsident Alexander Van der Bellen die Teilnehmer der Bewegung gestern in der Hofburg. Jedoch ohne Tiroler Beteiligung. „Da es recht spontan war, sind nur die Wiener unserer Organisation dabei“, wie die Fritzenerin erklärt.

Das Staatsoberhaupt äußerte Verständnis für die Proteste: „Es geht um nichts weniger als ihre Zukunft. Deswegen habe ich Verständnis für die Klimaschutz-Proteste.“ Zudem schrieb Van der Bellen auf seiner Facebook-Seite: „Es hat mich sehr gefreut, dass ich einige von ihnen kennenlernen und mit ihnen über Klimaschutz und ihre weiteren Pläne sprechen konnte.“

Da sich der Bundespräsident laut eigenen Angaben schon seit Jahrzehnten mit dem Klimawandel und dessen Auswirkungen beschäftigt, begrüße er, dass das Thema wieder befördert wird. „Der Klimawandel ist die größte Bedrohung für die Menschheit“, sagte Van der Bellen.

Auch Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) hat sich mit den Organisatoren getroffen. „Hier erhebt eine Generation ihre Stimme, für die der Kampf gegen den Klimawandel und seine Folgen essenziell ist. Unsere Türen sind jederzeit offen für die Anliegen von unseren Schülerinnen und Schülern“, sagte die Ministerin laut APA.

„Die Umweltministerin ist die gefragteste Person bei diesem Thema. Es ist ein Zeichen, dass sie das Anliegen ernst nimmt und sich damit auseinandersetzt. Damit wurde genau das erreicht, was die Schüler wollten“, meint Gappmaier.

Katharina Rogenhofer, die die Initiative in Österreich ins Leben gerufen hat, berichtet nach dem Treffen mit den beiden Politikern: „Beide Gespräche waren sehr konstruktiv und wir werden weitere Treffen forcieren. Es war ein erstes Abtasten. Wir haben klargemacht, dass es Handlungen und konkrete Maßnahmen braucht.“ Das Gespräch mit Van der Bellen bezeichnete Rogenhofer „als offen und angenehm“.

Zudem erhielt der Bundespräsident als Geschenk einen Button mit der Aufschrift „Presidents For Future“ und wurde damit eingeladen, das erste Mitglied dieser Organisation zu werden. „Zumindest hat er den Button entgegengenommen“, freute sich Rogenhofer. So sei laut der Wienerin ein Zwischenziel erreicht, der Klimastreik werde fortgesetzt.

Wie es in Zukunft aus Sicht der Bildungsdirektoren mit dem Freitagsstreik weitergeht, ist unklar, wie Gappmaier erklärt: „Jeden Freitag geht das natürlich nicht, dass Schüler vom Unterricht fernbleiben. Am Donnerstag sind alle Bildungsdirektoren im Bundesministerium geladen. Dabei wird dieses Thema auch erörtert werden.“