Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 29.03.2019


Innsbruck-Land

Drehscheibe für das Gemeinwesen: „Haller Börsl“ hat viel vor

Bereits rund 25 Jugendliche setzen sich über die im März 2018 gestartete Drehscheibe ehrenamtlich für das Gemeinwesen ein. Heuer soll u. a. eine neue Lernplattform starten.

Bei der offiziellen Eröffnung der neuen Räumlichkeiten in der Haller Krippgasse waren am Mittwoch viele engagierte Jugendliche mit dabei. Heuer leisteten sie bereits 111 ehrenamtliche Stunden.

© JAMBei der offiziellen Eröffnung der neuen Räumlichkeiten in der Haller Krippgasse waren am Mittwoch viele engagierte Jugendliche mit dabei. Heuer leisteten sie bereits 111 ehrenamtliche Stunden.



Von Michael Domanig

Hall – Kegelnachmittage mit Senioren, Basteln mit Kindern, Mithilfe beim Bühnenaufbau für Veranstaltungen, Unterstützung von Events mittels Flyern und Plakaten oder als „menschliche Wegweiser“: Das sind nur einige der vielfältigen ehrenamtlichen Tätigkeiten, die junge Menschen seit einem Jahr im Rahmen des innovativen Mitmachprojekts „Haller Börsl“ leisten.

Die generationenübergreifende Plattform – inspiriert von der Wörgler Initiative „I-Motion“ – führt Jugendliche, die eine erfüllende Freizeitaktivität suchen, mit öffentlichen Einrichtungen oder Privatpersonen zusammen, die Unterstützung bei kleineren Tätigkeiten und Hilfsdiensten brauchen.

Das „Börsl“ (getragen vom Verein Mobile Jugend- und Gemeinwesenarbeit Innsbruck-Land Ost, finanziert von der Stadt Hall) richtet sich an Jugendliche ab 13 Jahren. Die ehrenamtliche Tätigkeit (maximal zwei Stunden pro Tag) wird ihnen mit „Zeitwertkarten“ im Wert von je 2,50 Euro versüßt. Diese können gegen „Haller Guldiner“ eingetauscht werden, mit denen man in vielen Geschäften der Stadt einkaufen kann. Die Jugendlichen benötigen eine Zustimmungserklärung der Eltern, danach sind sie über das Haller Börsl unfall- und haftpflichtversichert. Die Benachrichtigung über mögliche Tätigkeiten erfolgt dann per WhatsApp – nach dem Prinzip „First come, first served“.

Anlässlich der Eröffnung der neuen Räume des „Haller Börsls“ – in der Seniorenstube, Krippgasse 9 – zog Projektleiter Thomas Sölder nun zufrieden Jahresbilanz: Inzwischen sind rund 25 Jugendliche beim „Börsl“ mit dabei, für heuer liegen bereits 28 – teils regelmäßig wiederkehrende – Aufträge vor. Bislang widmeten die Jugendlichen heuer schon 111 Stunden ihrer Freizeit der Allgemeinheit. Sölder ist sicher, die Zahlen von 2018 (52 Aufträge, 236 Stunden) überbieten zu können. Bereits 15 Kooperationspartner beteiligen sich am Projekt, von der Stadtbücherei bis zu den Wohn- und Pflegeheimen, vom Kulturlabor Stromboli über das Stadtmarketing bis hin zu Theatervereinen.

Was für Sölder ganz wichtig ist: „Die Tätigkeiten werden mit den Jugendlichen vorbesprochen, begleitet und danach auch reflektiert.“ Zugleich solle das „Haller Börsl“ Selbstständigkeit und Persönlichkeitsentwicklung fördern. „Eine Jugendliche, die einmal pro Woche beim Verein W.I.R. mit Menschen mit Behinderung spielt, macht sich die Termine inzwischen eigenständig mit der Einrichtung aus“, nennt Sölder ein Beispiel. Genau diese Autonomie sei eine der Visionen des Projekts.

An weiteren Zielen mangelt es nicht: Geplant ist etwa der Aufbau einer Plattform, bei der junge Menschen anderen Jugendlichen beim Lernen und Hausaufgabenmachen helfen (Arbeitstitel: „Lernfreud­e“). Sölder strebt auch regelmäßige Vernetzungstreffen mit vergleichbaren Initiativen an. Zudem würde man sich freue­n, wenn das Projekt noch stärker zu Privatpersonen durchdringt: „Wer Hilfe beim Garteln, Einkaufen oder beim Gassigehen mit dem Hund braucht, soll sich bitte einfach bei uns melden.“