Letztes Update am So, 31.03.2019 09:59

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


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Ansturm auf die heiß begehrten Plätze in der Kinderkrippe

In ganz Tirol werden die Kinderkrippen massiv ausgebaut. Doch in Innsbruck ist die Nachfrage nach Krippenplätzen immer noch um ein Vielfaches größer als das Angebot.

Kreative Krippenkinder.

© iStockKreative Krippenkinder.



Von Beate Troger

Innsbruck – In der Ecke wird ein Baby gestillt, daneben unterhält sich eine Schwangere mit einer Krippenpädagogin. Obwohl der Nachwuchs noch nicht einmal geboren ist, möchten sich die Eltern einen der heiß begehrten Kinderkrippenplätze in Innsbruck sichern – ein Nervenkrieg. Für Herbst 2019 sind etwa in der privaten Kinderkrippe des Eltern-Kind-Zentrums (Ekiz) nur wenige der insgesamt 26 Plätze frei. Krippenleiterin Michaela Piegger hat an diesem Infoabend aber schon 60 Interessenten gezählt.

Andere Krippen sind für die nächsten zwei Jahre bereits voll, deren Wartelisten sind es ebenfalls.

Der Trend ist nicht zu leugnen. Die Österreicherinnen pausieren nach der Geburt kürzer. Laut dem AK-Wiedereinstiegsmonitor 2017 kehren die Frauen nach durchschnittlich 607 Karenztagen an den Arbeitsplatz zurück. 2006 waren es noch 734 Tage. Das bedeutet, dass immer mehr Kleinkinder vor dem Kindergartenalter einen Betreuungsplatz benötigen.

Erst seit 2016 betreibt die Stadt Innsbruck über ihre 100-Prozent-Tochter ISD (Innsbrucker Soziale Dienste) Kinderkrippen. Doch der Ausbau der städtischen Einrichtungen hat den Druck vom Markt noch nicht herausnehmen können. Den sieben ISD-Betreuungseinrichtungen für rund 100 Kinder stehen 52 private Krippen gegenüber, die von knapp 900 Kindern besucht werden. Nur finanziell ist der Druck auf die Eltern zurückgegangen – vorausgesetzt, man bekommt dort einen Platz. Abhängig von Besuchstagen und Mahlzeiten liegen die Betreuungspreise 30 bis 60 Prozent unter dem Preisniveau der privaten Einrichtungen.

Angenommen werden die ISD-Krippen sehr gut. „Wir sind im Herbst voll“, sagt Thomas Wolf, Kinderkrippen-Bereichsleiter bei den ISD. Er ortet auch bei den Arbeitgebern wachsendes Bewusstsein dafür, Frauen einen früheren Wiedereinstieg zu ermöglichen. „Immer mehr Unternehmen bekunden Interesse daran, in Kooperation mit den ISD eine Kinderkrippe zu betreiben“, berichtet Wolf.

Nicht nur die frühere Jobrückkehr sei der Grund dafür, dass der Bedarf weiter steigen werde. Vor allem in den Städten fehle den Eltern oft ein Netzwerk für die Kinder, sagt Silke Turek, Leiterin der privaten Krippe Casa dei Bambini in Innsbruck im TT-Gespräch. „Viele Jungfamilien in Innsbruck haben in der Nähe keine Großeltern, die die Kleinkinder betreuen könnten, oder Oma und Opa stehen selber noch im Berufsleben“, erklärt sie.

Doch in der Öffentlichkeit sei das Image der Kinderkrippen oft schlecht. „Die Krippe ist die erste Bildungseinrichtung und eine Erweiterung zur Familie“, betont Ekiz-Krippenleiterin Michaela Piegger, die mit 25 weiteren Krippen die neue „Qualitätsinitiative für Tiroler Kinderkrippen“ gegründet hat. Nach wie vor werde man oft als „Aufbewahrungsanstalt“ betrachtet. Dabei liege in vielen Krippen der Betreuungsschlüssel mit 1:4 über der gesetzlich vorgeschriebenen Quote von 1:6.

Während das Land Tirol und die Gemeinden für den Ausbau weiter Geld in die Hand nehmen, bangen die privaten Einrichtungen nun um Subventionen – und damit ums Überleben. Auch sie sind abhängig von Förderungen. „Die Elternbeiträge decken nur rund 30 Prozent der Kosten“, sagt Piegger.

Kinderkrippen in Tirol – Zahlen, Daten, Fakten

5968 Kinder zwischen ein und drei Jahren wurden laut der Kinderbetreuungsstatistik Tirol 2017/18 in 279 Kinderkrippen (davon 179 private) betreut, das sind 26,4 % der Kinder dieser Altersgruppe und um 7,5 % mehr als im Jahr zuvor. Im Schnitt haben 51,3 % der Tiroler Gemeinden eine Krippe. Die größte Dichte außerhalb Innsbrucks weisen die Bezirke Kufstein (80 %) und Imst (70,8 %) auf, die geringste Lienz (12,8 %) und Reutte (18,9 %).

Kosten: ISD-Krippen: zwischen 180 Euro (2 Tage ganztags) bis 299 Euro (5 Tage ganztags). Privat: zwischen ca. 160 Euro (zwei Vormittage) bis ca. 565 Euro (5 Tage ganztags).

79 % der Mütter von Krippenkindern sind berufstätig, der Großteil davon (86 %) arbeitet in Teilzeit.

Drei Viertel der Kinder (73,8 %) werden vormittags betreut. 93 % der Kinderkrippen bieten einen Mittagstisch, 54 % der Kinder essen dort.