Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 01.04.2019


Bezirk Imst

„Wie im Sport hat Doping hier keinen Sinn“

"Golden Girl" Laura vom Biohof Otto Stecher aus Oetz stellte sich in der Königsklasse der Jury.

© Ploder"Golden Girl" Laura vom Biohof Otto Stecher aus Oetz stellte sich in der Königsklasse der Jury.



„Imst ist unbestritten das Mekka des Braunviehs", begründete der Direktor des Tiroler Bauernbundes, BR Peter Raggl, die Entscheidung zur Vergabe der Bundesschau und des Europakongresses ins Oberland.

Neben dem tradierten Wissen der Landwirte und der Arbeit regionaler Forschungsstätten erfordert eine effiziente Rinderzucht auf höchstem Niveau eine überregionale Zusammenarbeit. Dies beweist der Europakongress der Braunviehzüchter, der im zeitlichen Verbund mit der Bundesschau in Imst stattfand. Die direkte Auseinandersetzung mit den Landwirten liefert auch wichtige Informationen für den Zuchtbetrieb. „Der Genpool entscheidet", bestätigte auch BR Peter Raggl, „dabei reicht es aber nicht, höchstprämierte Stiere und Kühe zu paaren, erst die Beobachtung der Entwicklung über mehrere Generationen zeigt die Trends in der Rassenentwicklung."

Gelegenheit, das beste Braunvieh persönlich zu begutachten, fanden Experten, Landwirte und Publikum bei der Bundesschau. Aus mehr als 1000 auf Bezirks- und Landesebene preisgekrönten Tieren kürte eine Jury jene 300, die sich auch in Imst der Bewertung stellen durften. Darunter auch die am 11.9.2003 geborene Kuh Laura aus dem Stall des Biobauern Otto Stecher aus Oetz. Mit einer bisherigen Lebensleistung von mehr als 105.000 kg Milch — der Rassendurchschnitt liegt bei rund 50.000 kg — gehört sie zur Königsklasse, den „Golden Girls" der „100.000er".

„Laura ist vor allem eine Bestätigung, dass wir viele Jahre lang gut gearbeitet haben", betont Otto Stecher, „der Erfolg liegt in der Gesundheit der Tiere, gutem Futter und vor allem Bewegung." Die Tagesmilchleistung einer „100.000-kg"-Kuh unterscheidet sich nicht sehr von anderen. Das Ergebnis wird durch eine durchgehende Milchleistung über einen langen Zeitraum erzielt. „Gesundheit ist das Wichtigste", so Stecher weiter, „wie im Sport hat auch hier Doping keinen Sinn. Rund 180 Tage im Freien sind der Schlüssel zum Erfolg einer Kuh, die allerdings auch besondere Voraussetzungen mitbrachte." Dem Einsatz unlauterer Mittel erteilt er eine Absage. „Spezielles Zusatzfutter ist sehr teuer und rechnet sich nicht", sagt Stecher, „die gesunde, langlebige Kuh ist nicht nur jene mit der besten Milch- und Fleischqualität, sondern auch die wirtschaftlich interessanteste". (tp)