Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 05.04.2019


Bezirk Kufstein

Mit einzelnen Schicksalen der Geschichte Kufsteins auf der Spur

Mithilfe von Zeitzeugen entsteht ein Buch über Kufstein im 20. Jahrhundert. Die Anekdoten liefern wertvolle Hinweise auf die Entwicklung der Stadt.

Autor Arnold Klotz (r.) und Projektleiter Richard Schwarz (2. v. r.) haben Teile der Erinnerungen von Georg Hetzen­auer, Marju Jurschick-Bäumel, Raimund Feher und Brigitte Perterer (v. l.) im Buch verarbeitet.

© HrdinaAutor Arnold Klotz (r.) und Projektleiter Richard Schwarz (2. v. r.) haben Teile der Erinnerungen von Georg Hetzen­auer, Marju Jurschick-Bäumel, Raimund Feher und Brigitte Perterer (v. l.) im Buch verarbeitet.



Von Jasmine Hrdina

Kufstein – Geschichtsbücher liefern faszinierende Einblicke in das Gewesene, warten dabei mit romantisch-nostalgischen Ansichten auf, bis hin zu Fehlern, die im Hier und Jetzt als Lehrmaterial dienen können. Wie lebendig und greifbar all diese Dokumente und Fotos sein können, zeigt das aktuelle Buchprojekt der Stadt Kufstein. Bis Ende 2020 soll ein Werk entstehen, das die Historie der Festungsstadt im 20. Jahrhundert wiedergibt. Dazu lud das Projektteam rund um Autor Arnold Klotz alle Bürger der Stadt ein, ihre Erinnerungen mit den Historikern zu teilen – und feiert damit bereits zur Halbzeit ungeahnte Erfolge.

„Kufstein schreibt Stadtgeschichte“ sei inzwischen weit mehr als nur ein Buchprojekt, mehr ein „Prozess der Identitätsstiftung“. Menschen vernetzen sich, besprechen, „woher wir kommen und wohin wir gehen“, erklärt der Initiator und ehemalige Gemeinderat Andreas Falschlunger. Und all das sei nur an die eine Bedingung gekoppelt: „Es braucht zuerst Menschen, die zuhören wollen. Dann sind die Leute mit Enthusiasmus dabei und erzählen ihre spannenden Geschichten.“

Im Zuge von sechs Erzählcafés teilten Einwohner bereits ihre Erlebnisse und brachten wertvolle Bilder und Hinweise für das Forscherteam mit. „Durch die persönlichen Erzählungen werden Ereignisse wie der Fliegerbombenangriff 1944 auch emotional greifbar“, schildert Projektleiter Richard Schwarz. So gebe es neben dem trockenen Ereignisprotokoll wertvolle Eindrücke von Zeitzeugen, wie sie diesen Tag erlebt haben.

Raimund Feher war einer von 13.000 Bewohnern des ehemaligen Hilfslagers der UNRRA (United Nations Relief and Rehabilitation Administration) südlich der Weißachstraße. Vor Jahren organisierte er ein Treffen ehemaliger Lagerkinder – wie auch er eines war – und lieferte den Buch-Autoren damit ordentlich Stoff.

Wer war der mysteriöse Fotograf, den fast alle Kufsteiner als „Lachi-Lachi“ kannten? „Er war sogar am Berg unterwegs. Dank ihm gibt es von mir Fotos als kleines Kind“, meint Brigitte Perterer. Gemeinsam stieß das Team auf den Grabstein des Gesuchten, „Hauptmann der ukrainischen Armee“ ist darauf zu lesen. Ein Schmäh oder ein faszinierender Aspekt der Geschichte Kufsteins? Das wollen die Historiker noch herausfinden – stammen doch unzählige Bilder in den Fotoalben der Kufsteiner von dem Unbekannten.

Das nächste Erzählcafé trägt den Titel „Was uns einfällt: Vom Kommen, Bleiben und Gehen“ (27. April, 10 Uhr, Kirchenwirt). Ab September soll es außerdem regelmäßig ein „Büro für Stadtgeschichte“ geben, in dem Interessierte wöchentlich ihre Geschichten anbringen können. Weitere Infos unter www.kufstein.at/stadtgeschichte.