Letztes Update am Sa, 13.04.2019 13:58

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Missbrauchskrise

Deutscher Kardinal Müller: „Benedikt hat die Eiterbeule aufgestochen“

Der deutsche Kardinal bezeichnete den Missbrauchs-Aufsatz des früheren Papstes, in dem Benedikt die 68er den „Ursprung“ sexuellen Missbrauchs in der Kirche genannt hatte, als „intelligenter als alle Beiträge der neunmalklugen Moral-Experten zusammen“.

Der emeritierte Papst Benedikt XVI.

© AFPDer emeritierte Papst Benedikt XVI.



Rom – Der frühere Papst Benedikt XVI. hat mit seinem Schreiben zur Missbrauchskrise nach Ansicht des deutschen Kardinals Gerhard Ludwig Müller als Einziger etwas Sinnvolles zu dieser Debatte in der katholischen Kirche beigetragen. „Benedikt hat in seinem Schreiben die Eiterbeule aufgestochen“, sagte der frühere Präfekt der Glaubenskongregation am Samstag der Deutschen Presse-Agentur in Rom.

Der deutsche Kardinal Ludwig Müller.
Der deutsche Kardinal Ludwig Müller.
- AFP

„Mit seinen 92 Jahren hat Benedikt XVI. einen Text verfasst, der intelligenter ist als alle Beiträge auf dem römischen ‚Missbrauchsgipfel‘ und der neunmalklugen Moral-Experten bei der Deutschen Bischofskonferenz zusammen.“

68er als „Ursprung“ sexuellen Missbrauchs

Am Donnerstag hatten mehrere Medien einen Aufsatz des emeritierten Papstes veröffentlicht, in dem dieser die „68er Revolution“ als eine Ursache für den sexuellen Missbrauch von Kindern in der katholischen Kirche anführt. Mit seinem Schreiben meldete sich der gebürtige Bayer, der am Dienstag seinen 92. Geburtstag feiert, in einer äußerst heiklen Phase für seinen Nachfolger Franziskus zu Wort. Die Kirche steckt wegen des Skandals um sexuellen Missbrauch durch Geistliche in einer tiefen Krise. Papst Franziskus hatte im Februar die Bischöfe der Welt zu einem Gipfeltreffen nach Rom eingeladen, um über das Problem zu beraten.

„Man sucht überall nach Schuldigen, umschleicht aber wie die Katze den heißen Brei“, sagte Müller. „Und das ist das falsche materialistische Menschenbild mit der Reduktion der Sexualität auf eine Ware und egoistisches Genussmittel.“ (APA/dpa)