Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 17.04.2019


Osttirol

Institut für Traumapädagogik: Helfen, wenn die Kinderseele verletzt wird

Vier Angestellte des SOS-Kinderdorfes gründeten ein Institut, das Erwachsene im Umgang mit traumatisierten Kindern unterstützt.

Nermin Cenanovic, Silvia Hebein, Johannes Schaubensteiner und Simon Plautz (v. l.) führen das Institut für Traumapädagogik.

© Institut für TraumapädagogikNermin Cenanovic, Silvia Hebein, Johannes Schaubensteiner und Simon Plautz (v. l.) führen das Institut für Traumapädagogik.



Von Catharina Oblasser

Nußdorf-Debant – Was tun, wenn Kinder und Jugendliche ständig aggressiv sind, Streit suchen, sich auf nichts konzentrieren können oder sich überhaupt weigern, in die Schule zu gehen? Ein neues Institut in Nußdorf-Debant bietet Hilfe für Erwachsene an, die sich im Umgang mit den jungen Menschen nicht mehr zu helfen wissen.

Oft ist es ein Trauma, eine seelische Verletzung, die bei Kindern und Jugendlichen dieses Verhalten auslöst, erklärt Johannes Schaubensteiner. Er ist seit neun Jahren Mitarbeiter im SOS-Kinderdorf Nußdorf-Debant und Obmann des neuen Vereins „Institut für Traumapädagogik“. Ihm zur Seite stehen seine Stellvertreterin Silvia Hebein, Schriftführer Nermin Cenanovic und Kassier Simon Plautz. Alle drei arbeiten ebenfalls im SOS-Kinderdorf und haben dort zwischen vier und sieben Jahren Berufserfahrung gesammelt.

Diese Erfahrungen befähigen die vier diplomierten Traumapädagogen zu erkennen, ob ein „schlimmes“ Kind sich aufgrund eines früheren Traumas so benimmt. „Durch unsere Arbeit im Kinderdorf können wir recht treffsichere Aussagen machen“, so Johannes Schaubensteiner.

Ein Kind kann dann ein Trauma erleiden, wenn es sich in einer ausweglosen Situation wiederfindet. „Es kann weder fliehen noch kämpfen“, beschreibt es der Traumapädagoge mit einem anschaulichen Bild. Auslöser gibt es einige: Das kann ein Unfall sein, Vernachlässigung oder Unterversorgung im Zuhause oder – am schlimmsten – gewalttätige Eltern. Die Person, die das Kind eigentlich versorgen und beschützen soll, tut ihm Schlimmes an.

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Das erschüttert das Vertrauen des Kindes in den Grundfesten. „Ein solches Trauma wirkt sich auf das Bindungsverhalten aus. Das Kind schwankt zwischen dem Bedürfnis nach extremer Nähe und dem Zurückstoßen der anderen Person“, schildert Schaubensteiner. „Es drückt zugleich aus: ‚Ich liebe dich – ich hasse dich.‘“

Wie Erwachsene diesen Kindern helfen können, ist Thema im neuen Institut. „Wir wenden uns an Schulen, Sozialarbeiter und Menschen, die in sozialen Einrichtungen arbeiten“, sagt der Traumapädagoge.

Es gibt Methoden, mit denen betroffene Kinder und Jugendliche ihre inneren Spannungen regulieren können, zum Beispiel Atemübungen, kurz den Raum verlassen oder einen weichen Ball mehrmals mit der Hand drücken. Die Erwachsenen lernen, den Kindern diese Methoden zu vermitteln. Sie sind freilich nur Teil eines umfassenden Behandlungskonzepts, das der neue Verein mit den Betroffenen erarbeitet. Das wirkt dem Gefühl der Ohnmacht bei den erwachsenen Bezugspersonen entgegen. Unter www.institut-tp.at sind Detailinfos zu finden.