Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 17.04.2019


Tirol

Frühling in den Bergen: Schneefeld als tödliche Rutschbahn

Traumhaftes Frühlingswetter lädt zum Wandern ins Gebirge. Dabei sind laut Experten besonders um diese Jahreszeit einige Gefahren zu beachten.

Beim Überqueren von Schneefeldern lauert große Gefahr.

© ZOOM.TIROLBeim Überqueren von Schneefeldern lauert große Gefahr.



Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck – Während unten im Tal mittlerweile der Frühling Einzug gehalten hat und Wanderer ins Freie lockt, herrschen oben auf dem Berg teilweise noch winterliche Verhältnisse. Gestern beispielsweise galt in Teilen Tirols Lawinenwarnstufe 3 auf der fünfteiligen Skala. Doch auch in mittleren Lagen, dort wo der Schnee zum größten Teil bereits geschmolzen ist, finden sich noch Überreste des Winters: Schneefelder.

Und die bergen eine besondere Gefahr für Wanderer, bestätigt Karl Gabl, Präsident des Kuratoriums für Alpine Sicherheit. Wer nämlich schlecht ausgerüstet versucht, diese zu queren, setzt sich dem Risiko einer lebensgefährlichen Rutschpartie aus. „Wenn der Schnee weich ist, dann sollte man jedenfalls festes Schuhwerk tragen, um damit Kerben in den Schnee schlagen zu können“, rät Gabl. Er empfiehlt für den Frühling außerdem, so genannte Grödel, also Schuhspikes, mitzuführen und diese vor dem Queren eines Schneefeldes anzulegen. Für das Gleichgewicht und einen besseren Halt sollte man weiters mit Skistöcken unterwegs sein. Auch ein Eispickel könne beim Queren eines Schneefeldes hilfreich sein.

„Wer einmal ausgleitet und ins Rutschen kommt, hat fast keine Chance zu bremsen“, sagt Gabl. Man sollte dann versuchen, sich in Bauchlage zu drehen und die Hände abzuspreizen, um das weitere Abrutschen vielleicht doch noch verhindern zu können. „Der Kletterer, Bergsteiger und Alpinexperte Pitt Schubert hat einmal nachgewiesen, dass beim Rutschen über ein Schneefeld ab einer Steigung von 45 Grad fast 80 Prozent der Fallgeschwindigkeit erreicht werden“, sagt Gabl. Weil am unteren Ende das Schneefeld für gewöhnlich in felsendurchsetztes Gelände und Geröll übergeht, enden derartige Alpinunfälle meist dramatisch.

Neben den Schneefeldern stellen zu dieser Jahreszeit laut Gabl außerdem auch Nassschneelawinen, die bis hinunter auf die grüne Wiese reichen können, eine Gefahr für Wanderer dar. Man sollte sich daher nicht länger als notwendig in Scharten oder auf Flächen aufhalten, auf die solche Lawinen abgehen könnten.