Letztes Update am Di, 16.04.2019 19:26

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Schweiz

Schweizer Gemeinde in Gefahr: Munitionslager droht zu explodieren

Vor mehr als 70 Jahren spielt sich in Mitholz eine Tragödie ab. Damals explodiert ein Munitionslager in der schweizerischen Gemeinde, neun Menschen sterben. Die Gefahr ist längst nicht gebannt. Laut einem Gutachten besteht in der Anlage akutes Explosionsrisiko.

In einem Munitionslager in der Alpengemeinde Mitholz besteht laut Experten akute Explosionsgefahr.

© dpaIn einem Munitionslager in der Alpengemeinde Mitholz besteht laut Experten akute Explosionsgefahr.



Mitholz – In den Schweizer Alpen droht ein Munitionslager aus den Jahren des Zweiten Weltkriegs in die Luft zu fliegen. Eine kleinere Explosion könne zwar im Durchschnitt nur alle 300 Jahre passieren, das Risiko für die Bevölkerung der umliegenden Dörfer sei aber nicht akzeptabel, berichtete das Bundesamt für Umwelt. Es informierte Anwohner über die Ergebnisse einer Studie, an der Experten des deutschen Fraunhofer-Instituts für Kurzzeitdynamik beteiligt waren.

Das Lager liegt in Mitholz, nahe der Skiregion Kandersteg und gut 60 Kilometer südlich der Hauptstadt Bern. Das Verteidigungsministerium war im vergangenen Sommer in einer Analyse zu dem gleichen Schluss gekommen. Es prüft nun, wie das Lager gesichert werden kann. Die Untersuchungen waren bei der Planung für ein neues Rechenzentrum in Auftrag gegeben worden.

Das Verteidigungsministerium überwacht die Anlage inzwischen mit Video- und Wärmebildkameras sowie Sensoren, die austretende Gase messen. Es prüft den Einsatz eines Roboters oder ferngesteuerten Baggers zur Bergung der verschütteten Munition. Der Prototyp eines solchen Geräts könnte in ein bis zwei Jahren vorliegen, hieß es.

Schwere Explosionen bereits 1947

Die Bewohner verlangen die vollständige Räumung des Lagers. Anfang Dezember vergangenen Jahres hatten Schweizer Behörden wegen Explosionsgefahr die Gemeindeeinwohner aufgefordert, Schutzkeller einzurichten. Sie sollten so konzipiert sein, dass sämtliche Bewohner einen Tag lang sicher darin ausharren könnten.

In dem Munitionslager aus den 1940er Jahren war es 1947 bereits zu einer Reihe schwerer Explosionen gekommen. Damals kamen in Mitholz neun Menschen ums Leben, und zahlreiche Häuser wurden durch umherfliegende Gesteinsbrocken teils zerstört. In den eingestürzten Anlageteilen und im Schuttkegel liegen noch rund 3500 Tonnen Munition mit mehreren hundert Tonnen Sprengstoff. (dpa)