Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 20.04.2019


Bezirk Reutte

Paul Mascher: “Ich wusste, ich muss Laie bleiben“

Der Biberwierer Paul Mascher war als Theologe maßgeblich in den Umbau der Pfarrgemeinden eingebunden und einer der allerersten Pastoralassistenten. Nun ging er in Pension und ist – Bürgermeister.

Paul Mascher mit der französischen Mütze von seinem Studienaufenthalt in Lyon: Seit 1. April ist er „nur“ noch Bürgermeister.

© PaschingerPaul Mascher mit der französischen Mütze von seinem Studienaufenthalt in Lyon: Seit 1. April ist er „nur“ noch Bürgermeister.



Von Alexander Paschinger

Biberwier, Lechtal – Er ist wohl eine der ganz außergewöhnlichen Persönlichkeiten im Bezirk: der Biberwierer Paul Mascher. Seit den 1980er-Jahren prägte er als Theologe das Außerfern und war in der Diözese maßgeblich für den Aufbau von Seelsorgeräumen verantwortlich. Mit 1. April ging er als Pastoralassistent für mehrere Pfarrgemeinden im Lechtal in Pension. Dass ihm die Arbeit nicht ausgeht, dafür sorgt übrigens sein jetziges Amt als Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Biberwier.

Apropos, Herr Mascher, wie halten Sie es eigentlich mit der Trennung von Kirche und Staat? „Da bin ich sehr dafür“, sagt der Neo-Pensionist, „ich könnte mir ja auch nicht vorstellen, in Biberwier eine Predigt zu halten – das wäre absurd“, beginnt er bei der Vorstellung zu lachen. Vielmehr sei er überzeugt, dass er die Bereiche in seiner Heimatgemeinde gut zu trennen wisse – „und das schätzen die Leute auch“.

Wenn Mascher von Berufung spricht, dann von seiner Arbeit als Theologe. „Aber Berufung, das haben nicht nur Geistliche – jeder Mensch, der einen Lebensweg einschlägt, weil er darin eine Verheißung sieht, hat seine Berufung gefunden.“ Er selbst habe nach der Matura 1973 in Landeck auf der Innsbrucker Theologie inskribiert. „Ich bin fast so etwas wie ein Spät-68er“, spricht er eine Zeit des Aufbruchs an. Da waren nicht nur die Studentenbewegungen, sondern auch das Zweite Vatikanische Konzil, ein neuer Zugang. „Ich war so etwas wie der Betriebsratsobmann der Theologiestudenten“, erinnert er sich auch an so sichtbare Zeichen wie die Installierung einer Damen-Toilette auf der „Theologischen“. Sein Studium führte ihn kurz ins Priesterseminar, dann auch ein Jahr nach Lyon, wo er mit zwei Tirolern, die heute Priester sind, ein „Lebenserfahrungsjahr“ verbrachte. Aus diesem Jahr in Lyon stammt übrigens auch sein Markenzeichen – seine schräg aufgesetzte französische Mütze. „Am Ende des Studiums wusste ich, ich muss Laie bleiben.“

1981 kehrte er dann ins Außerfern zurück – und zwar ins Lechtal. Dort zeigte der Priestermangel bereits erste Auswirkungen – vier Gemeinden hatte Pfarrer Martin Schautzgy zu betreuen: „Ich war der zweite Pastoralassistent in Tirol – auf dem Land sogar der erste.“ Das Problem: „Es war noch kein richtiges Berufsbild entwickelt“, erzählt Mascher. Weshalb er gleich im Anschluss drei Jahre lang in Elbigenalp das Heim der Schnitzschule leitete.

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1984 kehrte er wieder in den Schoß von Mutter Kirche zurück und wurde unter Ernst Pohler, den er besonders schätzte, zu etwas ganz Neuem: Dekanatsassistent. „Da war der Priestermangel schon deutlich spürbar, ich beschäftigte mich mit Klausuren für Pfarrgemeinderäte und entwickelte ein Grundmuster für rein laiengesteuerte Wortgottesdienste.“ Dazu kamen viele neue Bibelrunden im Raum Reutte und die Ausbildung für die ersten Kommunionhelferinnen in Tannheim. 1989 wurde in Elbigenalp auch eine erste Flüchtlingsfamilie – damals aus Bulgarien – untergebracht.

Es folgte der Ruf nach Innsbruck, wo Mascher fünf Jahre für die Abteilung Gemeinden in der Diözese verantwortlich zeichnete. Da wurden auch die Pfarreienverbände – die Seelsorgeräume – entwickelt. Mit 40 Jahren heiratete er schließlich; seine Frau habe zwei Schwiegermütter bekommen: „Meine leibliche Mutter und Mutter Kirche.“ Nach Innsbruck ging es wieder ins Dekanat Breitenwang, danach ins Lechtal und wieder ins Zwischentoren.

Einen Rückschlag gab es beim 1992 gegründeten Seelsorgeraum Zwischentoren-West von Heiterwang bis Namlos: Als ein polnischer Priester nachrückte, wurde dieser Seelsorgeraum aufgehoben: „Sobald irgendwann ein – auch unqualifizierter– Priester auftaucht, hat er den Vorrang. Das ist Klerikalismus“, schüttelt er den Kopf. Der Klerus sei „wie früher der Adel – nur statt blauem Blut hat er geweihte Hände“, spricht er von eigener Gerichtsbarkeit: „Die Würde des Laien schmilzt angesichts eines Priesters.“ 2006 übernahm er wieder Zwischentoren, ab 2009 war Mascher bis zum 1. April im Lechtal aktiv.

„Ich war immer dafür, dass man die Gemeinden als Pfarren erhält“, blickt er in die Zukunft. Die Amtskirche sei für ihn „ein altes Schloss – und die Zeit der Schlösser ist vorbei“, plädiert er für die Entwicklung von neuen Gottesdiensten „im kleinsten Rahmen“. Und diesen „Umbau von Schlössern in Baracken können nur die Laien“.