Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 25.04.2019


Bezirk Landeck

Ab Herbst nur noch eine Volksschule in Kappl

Mit dem Schuljahr endet auch der Betrieb der Volksschule Holdernach in Kappl. Bis 2004 gab es noch sechs Volksschulen in der Gemeinde.

Die Volksschule Holdernach soll mit den Sommerferien schließen.

© ReichleDie Volksschule Holdernach soll mit den Sommerferien schließen.



Von Matthias Reichle

Kappl – Es gab verärgerte Eltern, Einsprüche und eine Unterschriftenliste – die geplante Schließung der Volksschule Holdernach im gleichnamigen Kappler Weiler sorgte 2017 für Spannungen. Derzeit besuchen dort noch sechs Kinder die vierte Schulstufe. Die ersten drei Klassen wechselten bereits im vergangenen Jahr in die neu gebaute Volksschule Kappl im Ortsteil Lochau. Mit Ende des Semesters, in rund zweieinhalb Monaten, soll die Holdernacher Bildungseinrichtung nun endgültig aufgelassen werden, das bestätigt Bürgermeister Helmut Ladner. Bis zu den Sommerferien wird der Gemeinde­rat die Auflösung der Schule beschließen. „Ab Herbst 2019 gibt es dann eine Volksschule für alle“, betont er.

Bis 2004 gab es in Kappl noch sechs Volksschulen. 2004 sperrte jene in Glitterberg zu, 2005 wurde die VS Sinsen vom Hochwasser zerstört, die VS Langesthei wurde aufgrund zu geringer Schülerzahl 2010 behördlich geschlossen. 2017 wurde schließlich die neu gebaute Volksschule in Lochau eröffnet – und gleichzeitig das Ende der VS Perpat und Holdernach beschlossen. „In Perpat gab es sieben, acht Kinder“, betont Ladner. In Holdernach waren es im Schuljahr 2017/18 noch über 20. Aufgrund sinkender Schülerzahlen seien Kleinschulen wirtschaftlich nicht zu verantworten, erklärt der Bürgermeister. Die Außen­standorte zu erhalten, sei ein Luxus. Während die Eltern in Perpat mehrheitlich zustimmten, ihre Kinder bereits 2017 auf die neue Schule zu schicken, gab es in Holdernach Widerstand – die TT berichtete. Betroffen­e sammelten Unterschriften, um den Standort zu erhalten. Die Volksschule wäre gut beieinander und ein wertvoller Treffpunkt, argumentierten sie.

Die Eltern der Vierteler seien nicht zu überzeugen gewesen, betont der Bürgermeister. Für ihn sprachen auch die Näh­e des Weilers – rund drei Kilometer von der neu gebauten Volksschule – und die bessere Ausstattung dort für die Auflassung. Auch gebe es nur einen Kindergarten, der von allen Kindern besucht wird.

Die Schülerzahlen in Kappl würden zudem sinken. „Im kommenden Schuljahr gibt es nur 25 Erstklässler“, weiß die Direktorin der Volksschul­e Kappl, Alexandra Wechner. Für sie ist die Entwicklung daher auch nachvollziehbar. Der Schulbesuch der jungen Holder­nacher in Lochau klapp­e bisher gut – „es gibt keine negative Stimmung“. Das Arbeite­n in der neuen Schule sei sehr angenehm.

Bis auf Kappl gibt es im Bezirk heuer keine Schulschließungen, berichtet Pflichtschulinspektor Bernhard Frischmann. Zuletzt war 2018 die Volksschule Lafairs in Pfunds ruhend gestellt worden. Weitere Kleinschulen seien derzeit nicht in Gefahr. „Die Schülerzahlen im Bezirk Landeck entwickeln sich sehr gut. In Fließ, wo es mehrere Kleinschulen gibt, gibt es derzeit überall Zuzug. Da ist der Bürgermeister sehr dahinter.“ Und auch in anderen Gemeinden stehe derzeit nichts an. „Auch nicht in den nächsten Jahren“, so Frischmann.




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