Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 25.04.2019


Osttirol

,,Neu beginnen“: Einladung für Geschiedene in Sillian

Im Mai finden in Sillian vier „Neu beginnen“-Seminare der Diözese Innsbruck statt.

Anno Schulte-Herbrüggen, Birgitte Wasle-Kaltenegger und Hermann Wasle (v. l.) begleiten vier „Neu beginnen“-Seminare in Sillian.

© Christoph BlassnigAnno Schulte-Herbrüggen, Birgitte Wasle-Kaltenegger und Hermann Wasle (v. l.) begleiten vier „Neu beginnen“-Seminare in Sillian.



Von Christoph Blassnig

Sillian – In der Kirche beginnt ein Wandel im Umgang mit Menschen und Paaren, die nach Scheitern und Brüchen einen Neubeginn wagen wollen. Bischof Hermann Glettler hat dazu am 25. Jänner die Initiative „Neu beginnen“ im Haus der Begegnung in Innsbruck vorgestellt. Im Mai finden vier Abendveranstaltungen für Betroffene in Osttirol statt.

„Da seid’s 20 Jahre zu spät“, höre er oft, erklärte der Sillianer Dekan Anno Schulte-Herbrüggen bei einem Pressegespräch in Lienz. „Stimmt. Das ist so“, sagt der Geistliche. Gerade bei Mitmenschen, die Scheitern, Zerbrechen, Krise und Schmerz durchlitten hätten, habe die Kirche durch ihr Ausschließen zusätzlich eine Verwundungsgeschichte produziert. „Es war falsch von uns zu sagen, das ist das Ideal, und die Menschen danach zu be- und zu verurteilen.“ Die Diözese gehe neue Wege in der Begleitung von Menschen, die sich nach einer Scheidung wieder für eine Beziehung öffnen oder noch einmal geheiratet haben. „Wir legen einen bescheidenen Start hin, suchen bei Verletzten um Verzeihung an und wollen neue Verletzungen vermeiden lernen“, erklärte der Sillianer Dekan weiter. „Die Kirche wandelt sich von der lehrenden hin zu einer lernenden. Und das ist gut so. Dieser Prozess beginnt gerade und wird bleiben.“

Niemand sei vor dem Scheitern sicher, berichteten Brigitte Wasle-Kaltenegger und Hermann Wasle. Gemeinsam mit Schulte-Herbrüggen halten die beiden im Mai in Sillian vier Abendseminare für Betroffene ab. Hermann Wasle war Witwer, seine Frau Brigitte hatte nach 15 Jahren Ehe die Flucht nach vorne angetreten und war dann lange Zeit allein, bis sie Hermann traf. In einer Kirche in Salzburg wurde dem Paar eine Segnung schroff verweigert. Ein befreundeter Diakon in Bayern hat sie dann in seiner Kirche gegenseitig ein Versprechen abgeben und den göttlichen Segen erbitten lassen. „Wir haben selbst erlebt, was solche Enttäuschungen bedeuten, und wie man zu neuem Mut finden kann“, sprechen beide aus Erfahrung.

Die Treffen finden dienstags, am 7., 14., 21. und am 28. Mai, im Widum in Sillian statt, jeweils in der Zeit von 19.30 bis 21.30 Uhr. Anmeldung für Paare oder Einzelpersonen unter 04842/6319 oder pfarre.sillian@dibk.at.