Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 27.04.2019


Osttirol

Freiwillige setzen die Linderhütte wieder instand

Orkanartige Stürme haben im Oktober des Vorjahres das Blechdach der Linderhütte weggerissen. Architekten planen den Wiederaufbau.

Nach den Sturmnächten im vergangenen Oktober war die Linderhütte ohne schützendes Blechdach und dem hochalpinen Winter folglich schutzlos ausgeliefert.

© Markus HuberNach den Sturmnächten im vergangenen Oktober war die Linderhütte ohne schützendes Blechdach und dem hochalpinen Winter folglich schutzlos ausgeliefert.



Von Christoph Blassnig

Lienz – Unscheinbar schmiegt sich die Linderhütte, erbaut in den Jahren 1883 und 1884 vom Lienzer Bäckermeister Ignaz Linder, an den Fels des Spitzkofelgrades. Knapp 16 Quadratmeter beträgt die Fläche des Schutzbaus im Inneren. Nach Süden gibt es ein Fenster und eine Tür. Schon einmal, im Kriegsjahr 1942, riss ein Sturm das Dach hinunter ins Hallebachtal. Erst 1958, also 16 Jahre später, konnte die Renovierung der bis zur Ruine verfallenen Hütte damals fertiggestellt werden. So lange soll es diesmal nicht dauern. Die plattform architektur & osttirol arbeitet an der Neuerrichtung des Hüttendaches sowie des Innenausbaus, nachdem im Oktober des Vorjahres orkanartige Stürme das Dach weggerissen haben und nur noch die Innenvertäfelung übrig­ließen.

„Die Linderhütte ist ein alpinhistorisches Kleinod“, sagt Hans Peter Falkner, Vertreter der Sektion Lienz des Österreichischen Touristenklubs ÖTK. „Der Bau reicht zurück in die Anfänge des Tourismus, dabei hat die Hütte ihr ursprüngliches Erscheinungsbild bis heute bewahrt. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal im gesamten Ostalpenraum.“ Auch bauhistorisch sei die Linderhütte wohl ein einzigartiges Juwel, erklärt Paul Mandler, mit Philipp Glanzl und Georg Steinklammer einer jener Architekten, die sich der planerischen Komponente angenommen haben. Man werde getreu einer schlichten und funktionalen Ästhetik einen neuen hölzernen Innenraum schaffen. Das umgebende Gemäuer, zuletzt im Zuge einer Sanierung im Jahr 1994 mittels Betoninjektionen und Thermoputz gefestigt, wird einen Betonkranz erhalten. Den Wetterschutz soll wieder ein Blechdach gewährleisten. Es wird weiterhin auf eine technische Ausstattung verzichtet. Der Holzofen, den Ignaz Linder einst allein bis zur Hütte getragen hat, soll als Museumsstück an Ort und Stelle verbleiben, aus Sicherheitsgründen jedoch funktionslos gemacht werden.

„Freiwillige werden die Hütte zu Fronleichnam und über das Pfingstwochenende entkernen, wenn es die Witterung zulässt“, schildert Falkner die nächsten Schritte. Die Architekten sind mit heimischen Unternehmern in Kontakt getreten. „Die Baumaterialien müssen wir kaufen, dafür sind wir auf Spendengelder- und Sponsorensuche“, erklärt Steinklammer. Einige Firmen hätten bereits eine kostenlose Arbeitsleistung zugesichert. „Die Unterbringung und Verpflegung der Handwerker, die notwendigen Hubschrauberflüge, das wird aufwändig und auch logistisch eine Herausforderung“, ergänzt Glanzl. „Eine wohlüberlegte Planung ist besonders in einer so exponierten Lage essenziell, damit die unterschiedlichen Gewerke in einem Rutsch arbeiten können.“ Wie bei allen bisherigen Maßnahmen zum Erhalt der historischen Unterstandshütte liege wiederum vieles am Idealismus eines jeden Einzelnen.

Wenn alles nach Plan läuft, könnte die Linderhütte im September des heurigen Jahres wiederhergestellt sein.

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