Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 06.05.2019


Exklusiv

Der Halter und sein Hund: Eine besondere Verantwortung

Für aggressive Hunde kann die Behörde Auflagen verhängen, den Amstierarzt-Empfehlungen folgen aber oft Gegengutachten der Tierbesitzer. Die Hälfte der untersuchten Tiere ist auffällig.

Auch in Freilaufzonen müssen die Hundehalter darauf achten, dass ihr Tier nicht zur Gefahr für andere wird, und müssen es unter Umständen sogar an die Leine nehmen.

© iStockAuch in Freilaufzonen müssen die Hundehalter darauf achten, dass ihr Tier nicht zur Gefahr für andere wird, und müssen es unter Umständen sogar an die Leine nehmen.



Von Michaela S. Paulmichl

Innsbruck – Er ist ein treuer Begleiter auf vier Pfoten und gilt als „bester Freund des Menschen“. Nicht jedem ist aber die große Verantwortung klar, die er mit der Haltung eines Hundes übernimmt. Das zeigen nicht nur immer wieder Vorfälle auf, bei denen es zu gefährlichen und teils auch tödlichen Attacken kam, sondern auch die Briefe und E-Mails Betroffener, die regelmäßig beim Ombudsteam eintreffen. In seiner Glosse hat Michael Motz unter dem Titel „Warten, bis der Hund zubeißt?“ die Ohnmacht von Biss­opfern oder auch von besorgten Nachbarn angesprochen. „Wer sich selbst bedroht oder seinen eigenen Hund durch einen anderen gefährdet fühlt, sollte aber die Gelegenheit wahrnehmen, seine Bedenken bei der Gemeinde zu melden“, sagt Josef Oettl, Amtstierarzt in der Bezirkshauptmannschaft Innsbruck.

Zuständig ist der jeweilige Bürgermeister, der dem Besitzer des betreffenden Tieres vorschreiben kann, seinen Hund beim Amtstierarzt vorzuführen. Oettl: „Wir schauen uns dann das Tier auf dem Hundeplatz an. Dabei wird der Grundgehorsam geprüft – wie der Hund auf ,Sitz‘ und ,Platz‘ reagiert – oder wie er sich anderen Hunden gegenüber verhält.“ Auch die Reaktion in Stresssituationen wird getestet, indem der zuständige Prüfer zum Beispiel auf den Boden stampft. Bei der Untersuchung geht es darum, den Gefährlichkeitsindex festzustellen, bei dem es fünf Stufen gibt: vom normalen Tierrisiko über geringes, mittleres, hohes bis zu einem beträchtlichen Risiko. Oettl: „Je nach Ergebnis fällt dann unsere Empfehlung aus: ob das Tier zur Hundeschule soll, angeleint sein und einen Maulkorb tragen muss.“ Im schlimmsten Fall wird zur Euthanasie geraten.

Die Empfehlung des Amtstierarztes wird zurück an den zuständigen Bürgermeister geleitet. Im vergangenen Jahr wurden im Bezirk Innsbruck-Land 40 Hunde vom Amtstierarzt untersucht, die Hälfte hat sich dabei als auffällig erwiesen.

Immer wieder kommt es allerdings vor, dass Tierbesitzer danach ein Gegengutachten in Auftrag geben, das dann auch von der Gemeinde akzeptiert wird. „Wenn der Hundehalter der Meinung ist, dass bei der Untersuchung durch den Amtstierarzt nicht alle Aspekte berücksichtigt wurden, hat er diese Möglichkeit“, bestätigt der dazu befragte Zirler Bürgermeister Thomas Öfner, der den Eindruck hat, „dass der allergrößte Teil der Hundehalter sich seiner Pflicht sehr wohl bewusst ist, aber es immer auch einige gibt, die manches nicht verstanden haben oder auch nicht verstehen wollen“. Da sich immer mehr Menschen einen Hund zulegen, entstehen viele Konflikte mit Familien mit Kindern beim Spaziergang, mit Joggern und Radfahrern, aber auch mit Landwirten.

In der Marktgemeinde Zirl herrscht mit Ausnahme von Freilaufzonen eine Leinenpflicht, aber auch dort hätten Hundehalter die Pflicht, darauf zu achten, dass ihr Tier für andere nicht zur Gefahr wird, und müssten es unter Umständen sogar an die Leine nehmen. Gerade dann, wenn sie davon ausgehen müssen, dass eine Situation eskalieren könnte, weil ihr Hund sich schon öfters aggressiv verhalten hat. Das hätten viele leider noch nicht verstanden, sagt Öfner, der an die „ganz besondere Verantwortung“ der Tierbesitzer appelliert. „Es geht um ein gutes Miteinander. Das ist gerade jetzt wichtig, da mit Frühlingsbeginn wieder alle hinaus in die freie Natur wollen.“

Wenn für ein Tier bestimmte Auflagen wie eine Leinen- oder Maulkorbpflicht gelten, sich der Hundebesitzer aber nicht daran hält, begeht er eine Verwaltungsübertretung und kann dafür mit einer Geldstrafe bis zu 360 Euro belangt werden. Der Bürgermeister kann als zuständige Behörde aber auch die Abnahme eines Hundes veranlassen. Öfner gibt allerdings zu bedenken, dass eine Kontrolle schwierig sei. In Zirl sollen ab Mai jedenfalls Mitarbeiter des Österreichischen Wachdiensts ÖWD zu mehr Sicherheit beitragen.

Das sagt das Gesetz

Tiere sind so zu beaufsichtigen oder zu verwahren, dass durch sie Dritte nicht gefährdet oder über das zumutbare Maß hinaus belästigt werden.

Die Behörde hat das Halten von Tieren in einer Wohnung einschließlich deren Nebenräumen, wie Keller- und Dachbodenräumen, unbeschadet der sonst hiefür geltenden Rechtsvorschriften zu verbieten, wenn dadurch Dritte gefährdet oder über das zumutbare Maß hinaus belästigt werden.

Die Behörde kann eine Gefährdung oder eine über das zumutbare Maß hinausgehende Belästigung Dritter durch Tiere mit geeigneten Maßnahmen, wie die Abnahme oder Sicherstellung von Tieren, beenden. Die Behörde hat für die vorläufige Verwahrung und Betreuung eines abgenommenen oder sichergestellten Tieres zu sorgen. Der Tierhalter hat der Behörde die während der vorläufigen Verwahrung für das Tier aufgewendeten Kosten zu ersetzen.

Quelle: Landes-Polizeigesetz, 2. Abschnitt, §6 bis §8, Schutz vor Gefährdungen und Belästigungen durch Tiere