Letztes Update am Sa, 04.05.2019 22:14

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Protestantismus

Evangelischer Wahlmarathon endete mit Bischof Michael Chalupka

Der 58-jährige Grazer Michael Chalupka ist von der Synode am Samstag in Wien zum neuen Evangelischen Bischof gewählt worden. Er tritt Anfang September die Nachfolge von Michael Bünker an.

Michael Chalupka.

© APAMichael Chalupka.



Wien – Die evangelische Kirche A.B. hat mit Michael Chalupka einen neuen Bischof. Bis die Nachfolge des aus Altersgründen ausscheidenden Michael Bünker geklärt war, brauchte es aber nicht weniger als zwölf Wahlgänge in der Synode. Wären nicht im letzten Moment ein paar Unterstützer seiner Gegner umgekehrt, hätte der gesamte Prozess neu gestartet werden müssen.

Drei Bewerbungen um das höchste Amt der evangelischen Kirche Augsburger Bekenntnis (A.B.) waren eingegangen. Neben Chalupka trauten sich die Bünker-Nachfolge auch Kärntens Superintendent Manfred Sauer und Pfarrer Andreas Hochmeir aus Oberösterreich zu, der sich als Kandidat der Mitte positioniert hatte. Letzterer erwies sich schließlich als der härtere Kontrahent.

Schon in den ersten Wahlgängen war Sauer, der als Bischof versöhnte Verschiedenheit lebbar machen wollte, deutlich abgeschlagen. Doch erst als er auf fünf Stimmen herunterplumpste, gab er nach Wahlgang sechs auf. Da war das ganze Prozedere schon rund neun Stunden im Laufen.

Manfred Sauer trat als Kandidat zurück

Das Sauer-Lager neigte schließlich deutlich Chalupka zu. Im zwölften und damit vorletzt möglichen Wahlgang schaffte es der langjährige Direktor der Diakonie, der sich über Jahrzehnte als Wortgewaltiger Sozialexperte profiliert hatte, die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit zu erzielen. Hätte diese am Samstag kein Kandidat geschafft, wäre die gesamte Wahl neu aufgesetzt worden und bei Bünkers Abtritt im September hätte der dienstälteste geistliche Oberkirchenrat interimistisch übernehmen müssen.

Dazu kam es dann aber doch nicht. Der 58-jährige gebürtige Steirer nahm seine Wahl dankend an und fand – für einen Sieger nicht untypisch – versöhnliche Worte. Er habe die Wahl nicht als „Pferderennen“ betrachtet, sondern als „geistlichen Akt“, und ein solcher sei sie auch geworden, verkündete das neue Oberhaupt von knapp 280.000 evangelischen Christen.

Gleichzeitig machte Chalupka klar, dass er die zuletzt von der Diskussion über die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften irritierte Kirche wieder zusammenführen will: „Mir ist es wichtig, auf die Einheit zu achten, aufeinander zuzugehen, Brücken zu bauen, das ist uns allen aufgetragen.“(APA)

Manfred Sauer zog seine Kandidatur am Samstag zurück.
Manfred Sauer zog seine Kandidatur am Samstag zurück.
- APA

Zur Person Michael Chalupka: Experte für „Gott und die Welt“

Dass Michael Chalupka (58) die nötigen Voraussetzungen für das evangelische Bischofsamt mitbringen würde, war unbestritten – vor allem in Zeiten eines strengen politischen Kurses in der Sozialpolitik. Der gebürtige Grazer war 24 Jahre lang Direktor der Diakonie. In seiner Kolumne in der Kronen Zeitung präsentiert sich der medienaffine Pfarrer als Experte für „Gott und die Welt“.

Dass sich Chalupka regelmäßig zu Themen wie Armut, Asyl, Arbeitslosigkeit und Pflege äußert, gehört zur Natur eines Diakonie-Direktors. Und doch war er zumeist eine Spur schneller und schärfer als seine Pendants bei der katholischen Caritas. Chalupka gilt als ehrgeizig, seine Wortwahl ist unverblümt. Dies ist wohl auch seiner Ausbildung als evangelischer Theologe in Wien und Zürich geschuldet, die er 1983 mit seiner Sponsion abschloss.

Ein Herz für Migranten schlägt in Chalupka auch aufgrund seiner Familie: Sein Vater stammt aus der Vojvodina und machte in Österreich Karriere als Beamter. Heute wäre dies wohl so nicht mehr möglich, betont dessen Sohn immer wieder im engen Kreis. Geboren wurde Chalupka am 21. Juli 1960 in Graz, seine Mutter arbeitete als Lehrerin – auch er war zwei Jahre lang als Religionslehrer in Wien tätig.

Nach einem zweijährigen Italienaufenthalt als Studienleiter am Centro Ecumenico d‘Agape in Prali arbeitete Chalupka in der evangelischen Seelsorge, seine Ordination zum Pfarrer erfolgte 1991. Stationen seines Berufslebens waren unter anderem Vikar in Hallein sowie Fachinspektor für den evangelischen Religionsunterricht in der Steiermark. 1994 wurde er zum Direktor der Diakonie Österreich bestellt.

1995 war Chalupka Mitinitiator der Armutskonferenz. Dementsprechend trat er während seiner Amtszeit als Diakonie-Chef und darüber hinaus wortgewaltig für die schwächsten Bevölkerungsgruppen ein. Ende August 2018 übergab er seine Aufgabe als Direktor der evangelischen Pfarrerin Maria Katharina Moser. Zeitgleich übernahm er die zweite Geschäftsführung der Diakonie Eine Welt und führt derzeit auch die Geschäfte der Diakonie Bildung.

Chalupka gilt als belesen und interessiert an Kunst und Architektur. Auch die Kulinarik zählt zu seinen Hobbys. Er ist verheiratet und Vater einer Tochter.