Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 08.05.2019


Gesellschaft

Vorsorge für dürre Jahre

Der Hitzesommer 2018 war ein Weckruf für viele Bauern: Nach ernsten Ausfällen bei der Heuernte suchen sie vor allem im Oberland vermehrt um Bewässerungen an.

Auf den Wiesen (l.) von Paul Köhle in Pfunds wurde 2018 ein Teil der neuen Bewässerungsanlage verlegt. Die Luzerne (r.) könnte künftig ein wichtiges Futtermittel werden.

© Köhle, PeerAuf den Wiesen (l.) von Paul Köhle in Pfunds wurde 2018 ein Teil der neuen Bewässerungsanlage verlegt. Die Luzerne (r.) könnte künftig ein wichtiges Futtermittel werden.



Von Theresa Mair

Innsbruck – „Es ist schon ein kleiner Wasserkrieg ausgebrochen.“ Harald Walch, Leiter des Fachbereichs Siedlungswasserwirtschaft am Baubezirksamt Imst, erinnert sich, dass er im vergangenen Sommer zwei Wochen lang im Bezirk herumgefahren ist, um sich die Nöte der Landwirte anzuhören, und auch, um zu schlichten. Es hat zu wenig geregnet, die Felder waren trocken, es gab Ertragseinbußen.

Davon kann Martin Köhle ein Lied singen. Der Musiker und Nebenerwerbsbauer war im Sommer zwei Wochen unterwegs und konnte sich nicht um die Bewässerung seiner Wiesen im Pfundser Weiler Hinterkobl kümmern. Danach war die Mahd zu vergessen. „Der letzte Regentag war im Juni, dann hat es erst wieder im Herbst richtig geregnet.“

Die vor gut 45 Jahren erbaute Bewässerungsanlage ist für Außenstehende schwierig zu handeln. Denn die sperrigen Rohre müssen für die Beregnung ständig versetzt werden. Dauernd müsse man dafür auch durch das stehende Gras gehen. Bei seinem Bruder Paul lief es besser. Bei ihm war die moderne, so genannte Kleinflächenberegnung großteils installiert. „Man hat den Unterschied genau gesehen.“ Köhle ist Obmann der Wassergenossenschaft Hinterkobl.

Die fünf Hinterkobler Bauern mit cirka 15 Hektar Wiesen haben sich vor drei Jahren für das neue Bewässerungssystem entschieden. 2018 konnten sie mit der Installation beginnen, 70 Prozent sind inzwischen abgeschlossen. Für die Köhles liegen die Vorteile auf der Hand: „Es ist wassersparender, viel gezielter und mit weniger Aufwand.“ Jetzt könne man auch den Nachbarn bitten, einfach den Wasserhahn aufzudrehen. Dank der feineren Berieselung aus kleinen Düsen könne man gerade auch im stets trockenem Frühjahr, mit dem Schneewasser aus dem Bach, sanfter bewässern. „Mit der alten Bewässerung mit ihren großen Düsen hat das kalte Wasser eher geschadet. Die feinen Gräser vertragen das nicht“, schildert Paul Köhle.

Die Pfundser sind nicht die Einzigen, die sich jetzt für trockene Jahre wappnen. „Es ist ein massiver Aufbruch“, berichtet Walch. Vor allem in den so genannten inneralpinen Trockenlagen des Oberlands mit ihren exponierten Südhängen und viel Wind bestehe Handlungsbedarf.

Aus den Bezirken Imst und Landeck seien Anfragen für die Neuerrichtung bzw. Sanierung von Bewässerungsanlagen für insgesamt 500 bis 700 Hektar Fläche eingegangen. Die Anlagen werden vom Land in unterschiedlichem Ausmaß gefördert.

„Letztes Jahr war extrem. In den Futterbaubetrieben war die Situation bereits alarmierend. Der zweite Schnitt ist oft ausgefallen. Bauern mussten Futter zukaufen oder haben Vieh verkauft“, sagt Lukas Peer, Bio- und Grünlandreferent bei der Landwirtschaftskammer Tirol. Solche extremen Jahre habe es zwar immer schon gegeben, die Daten der ZAMG verdeutlichten aber, dass sie sich seit 1980 mehren. „Die Tiroler dürfen nicht schlafen. Wir brauchen das Grünland ganz maßgeblich, weil wir hauptsächlich Rinderhalter sind“, sagt Peer.

Die LK berät in Kursen Landwirte, die Vorsorge treffen möchten. Ende April veranstaltete sie einen Bewässerungstag in Imst. „Es gibt genug Wasser in Tirol. Das Problem ist, wie wir es von den Bächen auf die Felder bringen“, ist Peer von der Nachhaltigkeit der modernen Sprinklertechnik überzeugt. Die Anlagen kosten aber auch: Mit 5000 bis 8000 Euro pro Hektar müsse man dafür rechnen und das „Behördenverfahren ist nicht ohne“. Die Bauern müssen Genossenschaften bilden, um das Wasserrecht ansuchen, einen genauen Bewässerungsplan einhalten etc.

Neben der Bewässerung gibt es aber auch noch andere Möglichkeiten, um sich gegen die Dürre zu wappnen, wie z. B. trockenresistentes Saatgut und die Luzerne als Futtermittel. „Die Luzerne ist ein trockenresistenter Tiefwurzler und Teil der Fruchtfolge. Wir haben damit gute Erfahrungen, aber die Konservierbarkeit ist schwieriger.“ Zunächst sei es jetzt aber wichtig, dass in den durch die Trockenheit aufgerissenen Wiesen rasch nachgesät und Lücken geschlossen werden, damit sich kein Unkraut ansiedelt und das Vieh nicht auf dem Trockenen sitzen muss.