Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 08.05.2019


Bezirk Reutte

Aussichtsplattform am Seebensee in der Behördenschleife

Das Gebiet um Seebenalm, -fall und -see zählt 250.000 Besucher im Jahr. Eine umstrittene Aussichtsplattform über der Seebenwand soll noch mehr anlocken. Der Bescheid dazu lässt auf sich warten.

© ZirknitzerDas Gebiet um Seebenalm, -fall und -see zählt 250.000 Besucher im Jahr. Eine umstrittene Aussichtsplattform über der Seebenwand soll noch mehr anlocken. Der Bescheid dazu lässt auf sich warten.



Egal wie lange das Verfahren dauern wird, die spektakuläre Aussicht von der Felskante am Seebensee in den Talkessel ist nicht gefährdet — mit und ohne Aussichtsplattform. Der TVB Tiroler Zugspitz Arena als Bauherr der Kanzel, sollte sie genehmigt werden, kann noch nicht sagen, wie die Behörde in Sachen naturschutz- und wasserrechtlichem Verfahren als letztes fehlendes Puzzle entschieden hat. TVB-Obmann Thomas Schennach: „Leider gibt es noch keinen Bescheid. Wir hatten alle von der Behörde nachgeforderten Unterlagen prompt nachgereicht und warten seither. An uns liegt es nicht." Im September 2018 hatte es die erste, von einer Demonstration begleitete Verhandlung im Gemeindeamt von Ehrwald gegeben. Nach Einsprüchen und nachzureichenden Unterlagen folgte Ende Oktober dann die zweite. Seither warten TVB wie die Gegner der Plattform — und davon gibt es nicht wenige — auf den Bescheid der BH.

Für die Projektgegner stellt vor allem das Wasserschongebiet der Immenquellen ein „No-Go" für die Plattform dar. Gerhard Bader, ein Sprecher der Gruppe „Pro Seebensee", findet, „dass die lange Verfahrensdauer durchaus positiv zu werten ist, da die Qualität der Ergebnisse steigt. Schlagfertig begründete Gegenargumente zwingen auch Experten, jedes Detail genau zu prüfen, das braucht seine Zeit. Wäre der Bescheid unbedenklich, wäre er schon längst ergangen."

Bezirkshauptfrau Katharina Rumpf spielt den Ball jedenfalls an den Bauwerber zurück. „Unterlagen waren noch ausständig und es dauerte ein halbes Jahr, bis sie nachgereicht worden sind. Jetzt ist alles in der Begutachtung und die Sachverständigen sind am Zug. Es handelt sich um ein komplexes Verfahren und es wird sicher noch eine Weile dauern." Nämlich bis der Bescheid hinausgehen kann.

Die Bauverhandlung wurde im Sommer 2018 abgeführt und das Projekt diesbezüglich genehmigt. Vier Jahre dauert nun schon der Vorlauf, weiß Schennach. Der Ehrwalder glaubt, die Vorleistungen zu 100 Prozent erfüllt zu haben: „Schon vor dem offiziellen Start hatten wir alle notwendigen Gutachten eingeholt. Alle waren positiv." (hm)