Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 08.05.2019


Bezirk Landeck

Unterschriftensammlung gegen Strommasten in Ried

In Ried hat sich eine Bürgerinitiative gegen die geplante 110-kV-Leitung gebildet – sie sammelt Unterschriften gegen das Projekt.

Eine Bürgerinitiative wehrt sich gegen neue Hochspannungsmasten in Ried.

© ReichleEine Bürgerinitiative wehrt sich gegen neue Hochspannungsmasten in Ried.



Von Matthias Reichle

Ried – „Wir wollen keinen Hickhack im Dorf, wir wollen gemeinsam vorgehen“, erklärt Markus Raich. Seit rund dreieinhalb Wochen sammeln er und mehrere andere in der Gemeinde Ried in diesem Sinne Unterschriften gegen die geplante 110-kV-Leitung, die die Tinetz vom Tal hinauf nach Fiss bauen soll, die TT berichtete.

Das Projekt hatte für einigen Wirbel gesorgt. Dass die Freileitung vom Dorf aus gut sichtbar sein würde, wurde etw­a scharf kritisiert. Durch Gespräche untereinander hab­e sich dabei ein­e lose Gruppe gebildet, so Raich. Man sei überparteilich: „Wir sehen uns als Bürger­initiative“, erklärt er.

In ihrer Petition wendet sich diese nun an Landeshauptmann Günther Platter, die Landesregierung und den Landtag – die Initiatoren „fordern die Tinetz auf, die Stromkabel der neuen 110-kV-Leitung nach Fiss in höchstmöglichem Ausmaß in den Boden zu verlegen bzw. die geplante Trasse so zu ändern, dass die Verschandelung der Natur auf ein Minimum reduziert wird“, wie es im Text heißt.

Raich schätzt, dass bisher 400 unterschrieben haben. Bis auf wenige Ausnahmen seien alle Rieder mit Hauptwohnsitz in der Gemeinde. Bis Samstag werde weitergesammelt und auch wenn man keine Parteistellung hat, hofft er, dass „400 bis 500 Leute nicht politisch weggewischt, sondern gehört werden“. Ihm sei klar, dass die Leute Strom brauchen, man möchte das aber bitte verträglich machen. Dass auch Bürgermeister Elmar Handle die Petition unterstütze, sei wichtig, so Raich. Diesem war im Gemeinderat von der Opposition unter anderem vorgeworfen worden, nicht genug gegen das Projekt gekämpft zu haben. In einem einstimmigen Beschluss hatten sich die Mandatare dann gegen das Projekt ausgesprochen. „Es ist ein Appell an die Behörden, die Interessen der Bevölkerung wahrzunehmen“, so Handle zur Petition. „Ich bin nicht dagegen, dass das Plateau Strom bekommt – aber nicht auf diese Art und Weise mit den Masten. Das hat der Gemeinderat klar zum Ausdruck gebracht.“

Die Tinetz hatte bereits zu Erdkabeln Stellung genommen. Geschäftsführer Thomas Rieder betonte zuletzt, dass es nicht möglich sei, die 110-kV-Leitung unter die Erde zu verlegen. Er sprach von Grabungen in labilen Hängen und Rutschungen, die die Kabel gefährden würden. In den Behördenverfahren sei außer Streit gestanden, dass das keine Option sei.

Zuletzt hatte die Gemeinde Beschwerde gegen den naturschutzrechtlichen Bescheid für das Projekt erhoben. Seither liegt der Fall beim Landesverwaltungsgericht.