Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 09.05.2019


Innsbruck

Erster Rikscha-Dienst für Tiroler Pflegeheimbewohner startet

Den Fahrtwind im Haar, ein Lächeln im Gesicht. In Innsbruck startet Tirols erster Rikscha-Dienst für Pflegeheimbewohner.

null

© Tatjana Weiler



Innsbruck – Ältere Menschen mit all ihren Sinnen zu aktivieren, sie die frische Luft und den Fahrtwind im Haar spüren zu lassen – das ist das Ziel des Projekts „Frischluftbrise“: Kommende Woche startet in Innsbruck dieser tirolweit erste Rikscha-Dienst für Bewohner von Pflegeheimen.

Die Bewegung „Cycling without age“ ist international aktiv, Teil davon ist auch der Verein „Radeln ohne Alter Österreich“. „Und in Tirol sind wir nun die Ersten, die daran andocken“, freut sich Tatjana Weiler, Obfrau des Vereins „Schenk ein Demenzlächeln“. Vorbild sei Vorarlberg: Auch dort begann das Projekt „mit einer Rikscha an einem Ort“, inzwischen wird der Dienst fast flächendeckend an sieben Standorten angeboten.

Die Erfahrungswerte seien sehr gut, berichtet Weiler: Die Heimbewohner würden die Belebung und die Abwechslung durch den Ortswechsel genießen, zugleich würden Hemmschwellen zwischen Generationen sowie zwischen Betroffenen und Gesunden abgebaut – und nicht zuletzt Pflegekräfte entlastet.

In Innsbruck fahren die Freiwilligen künftig mit je zwei Senioren knapp zwei Stunden aus. Die erste – dank Sonnen- und Regendach wetterfeste – E-Rikscha wurde von der Stadt Innsbruck gesponsert. „Alle städtischen Wohn- und Pflegeheime wollen mitmachen“, berichtet Weiler, dafür habe man derzeit aber noch zu wenige Fahrer. Das Projekt startet daher vorerst in drei Heimen: Pradl, Reichenau und Innere Stadt. Von Mittwoch bis Freitag wird jeden Nachmittag ein anderes Heim angefahren.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Mit an Bord sind bisher (inklusive der Vereinsobfrau selbst) sieben Fahrer, von Studierenden über einen engagierten Asylwerber bis hin zum Jungpensionisten, dazu zwei weitere Freiwillige in der Organisation. Die Fahrer erhalten eine kurze Einschulung, was die Bedienung der E-Rikscha angeht. Zudem werden sie mit Grundwissen zum Thema Demenz ausgestattet – über das Projekt „Demenz-Buddy“ samt Zertifikat, das der Verein auch unabhängig von diesem Projekt anbietet.

Der Rikscha-Dienst stehe allen Bewohnern (mit oder ohne Demenz) offen, erklärt Weiler, „die Auswahl überlassen wir den Heimen“. Klienten und Fahrer sind über „Radeln ohne Alter“ versichert. „Gewährleistet muss nur sein, dass die Person für die Dauer der Rundfahrt nicht pflegerisch betreut werden muss.“

Eine Ausweitung der Rikscha-Dienste ist das Ziel, weitere Freiwillige daher herzlich willkommen (Kontakt über die Homepage schenk-ein-demenzlaecheln.com oder das Freiwilligenzentrum Tirol Mitte, das als Kooperationspartner fungiert). Künftig können sich auch Studierende der SOB – Schule für Sozialbetreuungsberufe die Fahrtätigkeiten als Praktikum anrechnen lassen, ergänzt Weiler. Interessierte können sich zudem morgen Freitag direkt bei der Eröffnungsfeier des Projekts melden – im Wohnheim Pradl (10 bis 11.30 Uhr), Reichenau (13.30 bis 15 Uhr) und Innere Stadt (15.30 bis 17 Uhr). Gesucht werden aber auch Sponsoren für weitere E-Rikschas – künftig möchte man mit zwei gleichzeitig ausfahren. (md)