Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 10.05.2019


Bezirk Landeck

Kliens letzte Chronik über treffsichere Pfundser

Vor 450 Jahren wurde die Pfundser „Schießgesellschaft“ erstmals erwähnt. Der verstorbene Robert Klien hat die Geschichte aufgearbeitet.

Schon von Jugend an wird fleißig geschossen, wie hier beim Landesjungschützenschießen 2017.

© ZangerlSchon von Jugend an wird fleißig geschossen, wie hier beim Landesjungschützenschießen 2017.



Von Matthias Reichle

Pfunds – „Mein Vater hat bis zuletzt daran gearbeitet – als er bereits sehr krank war“, betont Robert Günter Klien. Die Veröffentlichung seines letzten Werks hat Prof. Robert Klien nicht mehr miterlebt. Der bekannte Bezirkschronist, an dessen Forschungen keiner vorbeikommt, der etwas über die Geschichte des Oberlands wissen will, ist im Mai 2018 verstorben. Ein Jahr später ist das Werk nun fertig und wurde in Pfunds, der Heimatgemeinde des Historikers, präsentiert.

Seine letzte Chronik erzählt die Geschichte der Schützengilde Pfunds, deren Vorgängervereinigung, die Pfundser Schießgesellschaft, erstmals 1569 schriftlich erwähnt wurde – vor genau 450 Jahren.

Robert Günter Klien (M.), Landesschützenmeister Julius Vorhofer (r.) und Lois Kaltenböck (Athesia-Tyrolia) präsentierten die Chronik.
Robert Günter Klien (M.), Landesschützenmeister Julius Vorhofer (r.) und Lois Kaltenböck (Athesia-Tyrolia) präsentierten die Chronik.
- Reichle

„Sein Spezialgebiet war es, die Geschichte lebendig zu machen“, betonte sein Sohn, der das Buch fertig gestellt hatte und stellvertretend präsentierte. „Es ist ein spannender Bogen von Beginn der Schießgesellschaft in Pfunds über die Neugründung als Schützengilde 1966 bis zu den sportlichen Erfolgen von heute.“

Treffsicher und gut bewaffnet sollen die Pfundser schon immer gewesen sein, erzählt Klien in der Chronik. Daran dürften auch die Engadiner Kriege ihren Anteil gehabt haben. Mit ihren unmittelbaren Nachbarn lagen die Pfundser seit 1499 immer wieder in Streit. „Es ist äußerst bemerkenswert, dass Pfunds schon 1569 mit einem Schießstand und einer Schießgesellschaft urkundlich genannt wird“, so Klien. Von denen gab es nämlich nur 16 in Tirol – vor allem in den Städten und Bezirksorten. Dort trainierten die Männer ihr Können. Landesfürstin Claudia von Medici belohnte die Schützen damit, dass sie Adlerflaum am Hut tragen durften. „Das zeugt von der Wehrbereitschaft der Pfundser“, betonte Robert Günter Klien.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden Schießstände und Schießgesellschaften verboten – 1966 gründete man die Pfundser Schützengilde neu. Heute zählt sie unter Oberschützenmeister Ernst Dangl rund 70 Mitglieder. „Erstmals wissen wir über die Anfänge der Gilde, die jahrhundertelange Geschichte und die besonderen Taten der Gildenmitglieder“, erklärte dieser. „Es gibt wenige Gilden, die eine eigene Chronik haben“, freute sich auch Landesschützenmeister Julius Vorhofer für die Pfundser.