Letztes Update am Fr, 10.05.2019 07:53

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


“Luisa ist hier“

„Luisa“ hilft Frauen ab sofort auch im Innsbrucker Nachtleben

„Luisa ist hier“ ist ein Hilfsangebot insbesondere für Frauen im Nachtleben, die diskret aus einer unangenehmen Situation heraus möchten. In Deutschland gibt es das Projekt schon länger, Innsbrucker Clubbetreiber holten „Luisa“ jetzt nach Österreich.

Bürgermeister Georg Willi stellte das Projekt gemeinsam mit Fred Lordick ("Luisa"-Co-Initiator und Mitbetreiber des "Dachsbau"), Katharina Hölbing (Verein "Frauen gegen VerGEWALTigung"), Gemeinderätin Barbara Neßler und Vizebübermeister Franz Gruber vor.

© IKM/DullniggBürgermeister Georg Willi stellte das Projekt gemeinsam mit Fred Lordick ("Luisa"-Co-Initiator und Mitbetreiber des "Dachsbau"), Katharina Hölbing (Verein "Frauen gegen VerGEWALTigung"), Gemeinderätin Barbara Neßler und Vizebübermeister Franz Gruber vor.



Innsbruck — „Ist Luisa hier?" Mit dieser einfachen Frage sollen Betroffene von sexualisierter Gewalt im Nachtleben in Innsbrucker Clubs und Lokalen ab sofort direkt und diskret Hilfe erhalten. Gestern stellten die Projektpartner Details zur Initiative — die von Stadt und Land mit je ca. 7000 Euro unterstützt wird — vor.

Im Nachtleben werde die Verantwortung oft auf die Frauen übertragen, „es heißt, sie sollen selber aufpassen", erklärte GR Barbara Neßler, die sich für das Sozialprojekt „Luisa ist hier" starkgemacht hat. „Viele Frauen verlassen nach Übergriffen einfach den Club, werden mit sexueller Gewalt oft alleingelassen." Dabei handle es sich hier um „kein Frauenproblem, sondern ein gesellschaftliches Problem". Daher sei „Luisa" ein Schritt in die richtige Richtung.

Wenn Frauen in einer unangenehmen Situation sind, können sie sich mit der „Code-Frage" ans Barpersonal wenden und erhalten sofortige, unkomplizierte Hilfe, ohne sich lang erklären zu müssen. Die Frauen werden in einen „Safe Room" gebracht, die konkrete Hilfe durch das (geschulte) Personal hängt dann vom jeweiligen Kontext ab — ein Taxi rufen, den Notruf betätigen, störende Gäste entfernen lassen etc. Zudem steht für Betroffene Infomaterial bereit, etwa zu Opferschutzeinrichtungen wie dem Tiroler Frauenhaus (mit der 24-h-Notrufnummer 0512-342112).

Nähere Infos

„Sexuelle Gewalt betrifft jede dritte Frau", erklärt Katharina Hölbing (Verein „Frauen gegen VerGEWALTigung"). Zwar erfolgen die meisten Übergriffe im persönlichen Umfeld, „aber es kommen auch viele Frauen zu uns, die in Bars belästigt werden oder denen gar Substanzen verabreicht wurden". Der einfache Code diene hier als niederschwelliges Werkzeug, um auch in Schocksituationen „handlungsfähig zu bleiben".

In Deutschland gebe es „Lui­sa ist hier" bereits in über 60 Städten, berichtet Co-Initiator Fred Lordick vom Club „Dachsbau", in Österreich ist Innsbruck die erste teilnehmende Stadt. „Dachsbau" und p.m.k. haben zur Umsetzung den „Club Commission" gegründet, der für Lokalbetreiber kostenlose Schulungen anbietet (auch in Zusammenarbeit mit der Drogenarbeit Z6).

Alle Lokale, die am „präventiven Sicherheitsprojekt" (so Vize-BM Franz X. Gruber) teilnehmen, sind am „Luisa"-Schild am Lokaleingang zu erkennen, zudem weisen Aufkleber auf den Damentoiletten auf das Angebot hin.

Vertreter von rund 15 Innsbrucker Clubs und Lokalen wurden bereits geschult, nach der gestrigen offiziellen Präsentation werde man weiter aktiv auf die Lokale zugehen, so Lordick. Ein Infoschreiben der Stadt ist ebenfalls geplant. Interessierte können sich aber auch selbst unter info@luisa-ist-hier.at anmelden. (md)