Letztes Update am Fr, 10.05.2019 14:45

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Life Ball

Das „Fest des Lebens“ geht zu Ende: Keszler verkündete Life Ball-Aus

2018 feierte er sein 25-jähriges Bestehen, 2019 wird der Life Ball zum letzten Mal stattfinden. Die Veranstaltung sei nicht mehr finanzierbar, wie Gründer und Organisator Gery Keszler bekannt gab.

Organisator Gery Keszler bei der Eröffnung des Life Balls 2018.

© ReutersOrganisator Gery Keszler bei der Eröffnung des Life Balls 2018.



Wien – Das „Fest des Lebens“ geht zu Ende: Am 8. Juni wird der Life Ball zum letzten Mal stattfinden. Organisator Gery Keszler verkündete am Freitag offiziell das Aus des Charity-Events. Fehlende Gelder lassen die Veranstaltung nicht mehr finanzieren. „Es ist nun Zeit, dieses Projekt zu einem guten Abschluss zu bringen,“ sagte Keszler.

Es sei es in letzter Zeit immer schwieriger geworden, Sponsoren und Spender für den Ball gewinnen zu können, sagte Keszler. „Das Bewusstsein ist heute einfach ein anderes. Dem tragen wir nun auch Rechnung.“ 26 Jahre nach dem ersten Life Ball sei es an der Zeit, neue Wege zu gehen. „Die Rahmenbedingungen und Umstände haben sich über die letzten Jahre sehr verändert“, sagte Keszler.

„Im Kampf gegen Aids haben wir viel erreicht. Aids hat sich von einem Todesurteil zu einer chronischen Krankheit gewandelt. Durch diesen Erfolg ergibt sich die paradoxe Situation, dass die Zahl der Verbündeten für Aids-Hilfsprojekte international und national abnimmt.“ Große Herausforderungen gäbe es dennoch – vor allem in Afrika: „Wir werden mit dem Reingewinn des 26. Life Ball unsere Energie jenen Regionen widmen, wo das Problem noch immer akut ist und wir Leben retten können. In Österreich wird von den Organisationen und der öffentlichen Hand hervorragende Arbeit geleistet. Daher wird es Verständnis für unsere Entscheidung geben, dass wir in der Unterstützung heuer auf internationale Projekte fokussieren.

„Werden weiter gehen Ausgrenzung Flagge zeigen“

Der Verein „Life+“, der für die jährliche Ausrichtung des Balles verantwortlich zeichnet, werde weiter bestehen, so Keszler. „Wir werden weiterhin leidenschaftlich gegen Stigma und Ausgrenzung aufstehen und Flagge zeigen.“ In den vergangenen Jahren hatte der Life Ball knapp 30 Millionen Euro Spenden für nationale und internationale Aids-Hilfsprojekte lukrieren können.

Keszler dankte an die Anfänge des Life Balls erinnernd allen voran der Stadt Wien und dem damaligen Wiener Bürgermeister Helmut Zilk, der das Event ins Rathaus holte. Direkt an den 2008 verstorbenen Bürgermeister gewandt sagt Keszler: „Es waren Deine Kraft und Fantasie, die uns den Rücken gestärkt haben, dieses Projekt anzugehen. Du warst ein unermüdlicher Botschafter für ein offenes und tolerantes Wien, und der Life Ball ist dafür ein weltweit sichtbarer Leuchtturm.“

Als größter privater Geldgeber für heimische Organisationen rangiert „Life+“ international auf Platz 16 der wichtigsten Fundraiser für HIV/Aids: In den vergangene 27 Jahren konnte der private Trägerverein über den Life Ball knapp 30 Millionen Euro für 170 nationale und internationale AIDS-Hilfsprojekte erwirtschaften. Erfolgreich war der Ball den Organisatoren zufolge auch als Wirtschaftsfaktor für die Stadt Wien: Allein in den vergangenen zehn Jahren wurden einer Studie des IHS zufolge über den Ball eine Brutto-Wertschöpfung von 106 Millionen Euro für Wien erzielt und rund 28 Millionen Euro an Steuern und Sozialversicherung gezahlt. Diesen Effekten „stand eine jährliche Unterstützung der Stadt Wien in der Höhe von rund 800.000 Euro gegenüber“.

Die Stadt Wien dankte am Freitag Life Ball-Organisator Keszler. Dieser habe das Bild Wiens als Stadt der Toleranz und Weltoffenheit hinausgetragen, hieß es in einer Aussendung. „Die Nachricht, dass der Life Ball 2019 der letzte sein wird, stimmt mich traurig“, zeigte sich Finanzstadtrat Peter Hanke (SPÖ) über das Aus wenig erfreut. Erst kürzlich wurden die Subventionen für heuer und – auch schon für 2020 – beschlossen. Dem Trägerverein „Life+“ wurden jährlich jeweils 900.000 Euro an Förderungen zuerkannt.

Mit jedem Jahr aufwendiger und pompöser

Der erste Life Ball ging am 29. Mai 1993 über die Bühne. Für das Event brachte Gery Keszler, der früher als Visagist tätig war, Stardesigner Thierry Mugler nach Wien. Schon damals konnte sich die Gästeliste sehen lassen: Helena Christensen und Vivienne Westwood waren ebenso gekommen wie heimische Prominente, zum Beispiel Chris Lohner und Alfons Haider, der den Ball als „schwulen Aufschrei“ bezeichnete. Ab der „Wiederholung“ 1994 war der Hype nicht mehr aufzuhalten. Karten für das Fest waren binnen Minuten vergriffen, die Spendensummen wurden immer höher. Mit der fünften Ausgabe am 10. Mai 1997 mauserte sich der Life Ball zum Megaevent. „Queen of Punk“ Vivienne Westwood kam erneut nach Wien, als Mitternachtseinlage sang Falco im Rathaus.

Mit jedem Jahr wurde das Fest aufwendiger und pompöser, die Eröffnungszeremonie samt Modeschau auch für Zaungäste im Rathausplatz geöffnet. Auch die Gästeliste wurde immer prominenter: Elton John, Neil Tennant, der Sänger der Pet Shop Boys, Schauspielerin Charlize Theron, Song Contest-Gewinnerin Conchita Wurst, „Jeannie“ Barbara Eden, Ex-Spice-Girl Emma Bunton, Liza Minelli, Heidi Klum, Sharon Stone, Milla Jovovich, Topmodel Naomi Campell, Antonio Banderas, Sean Penn, Whoopi Goldberg, die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit, der Geiger David Garrett oder sogar der ehemalige US-Präsident Bill Clinton - alle kamen sie zu dem Fest.

2015 war der vielleicht persönlichste Ball von Organisator Gery Keszler, der unerwartet in seiner Rede davon berichtete, sich selbst in Australien in seinen 20ern mit dem HI-Virus infiziert zu haben. Danach gab Keszler bekannt, dass der Ball 2016 nicht stattfinden würde, um sich „neu zu erfinden“. 2017 fand die Neuauflage statt. Zwei Jahre später ist Schluss.

Zum letzten Life Ball, der ein Zirkus-Szenario bietet, werden zahlreiche prominente Persönlichkeiten erwartet, darunter Hollywood-Star und amfAR.Botschafterin Katie Holmes, Golden Globe-Gewinnerin Keala Settle und Burlesque-Künstlerin Dita Von Teese. Andy Warhol-Muse Dianne Brill und Conchita werden durch das Finale führen. Missoni wird nach fast 20 Jahren nochmals die Modeschau am Rathausplatz ausrichten – auf persönlichen Wunsch von Keszler aufgrund des starken Engagements der Modedynastie. (APA)