Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 13.05.2019


Osttirol

Senioren werden zu “Clowndoktors“: Denn Lachen ist die beste Medizin

Zehn Senioren des Wohn- und Pflegeheimes Matrei verwandelten sich mit Unterstützung von Rote Nasen Clowndoctors zu Zirkusakteuren. Die bunte Künstlergruppe begeisterte Bewohner und Angehörige.

Die stärksten Frauen der Welt leben ebenso im Wohn- und Pflegeheim in Matrei...

© Daniela AguDie stärksten Frauen der Welt leben ebenso im Wohn- und Pflegeheim in Matrei...



Von Daniela Agu

Matrei i. O. – Dieses Muttertagswochenende wird im Wohn- und Pflegeheim in Matrei noch lange in Erinnerung bleiben. Ein Team der Rote Nasen Clowndoctors hatte mit zehn Bewohnern ein zauberhaftes Zirkusprogramm einstudiert. An drei Tagen fanden die Vorbereitungen statt, bevor zur großen Aufführung geladen wurde. Im Publikum saßen Hausbewohner und Angehörige, die das bunte Schauspiel sichtlich genossen.

Christian Moser hat die regionale Programmleitung der Rote Nasen Clowndoctors für Osttirol und Kärnten inne. Im Interview erklärt er die Herangehensweise: „Unser Programm muss so konzipiert sein, dass nichts schiefgehen kann. Mit Hilfe der Pflegekräfte lernen wir die Bewohner kennen und wählen dann geeignete Personen aus, mit denen wir arbeiten können.“ Demenz, Gesundheitszustand oder Mobilität spielten keine Rolle. „Jeder kann etwas beitragen, niemand wird bloßgestellt.“ Das Wichtigste sei die Freude am Tun, denn Lachen sei die beste Medizin.

... wie talentierte Schlangenbeschwörer und Zauberer, wie eine Zirkusaufführung bewies.
... wie talentierte Schlangenbeschwörer und Zauberer, wie eine Zirkusaufführung bewies.
- Daniela Agu

Nach einer kurzen Aktivierung, in der die Künstlerinnen und Künstler mit Schirmchen und Blumen in flotte Bewegungen gerieten, folgte eine Zaubershow. Artistinnen mussten dafür Seidentücher in einen Beutel stecken. Danach sprach „Herr Florian“ einen Zauberspruch – und die Tücher waren miteinander verknotet. Schließlich gab der Zauberer noch ein Lied von Clara in der Sahara zum Besten.

Aus Tausendundeiner Nacht hatten die Roten Nasen eine Schlange mitgebracht, die mit Hilfe von indischer Pungi-Musik zu Kunststücken beschworen wurde. Die Schlange war aus Plüsch und hing an einer Angel. So schwebte niemand ernstlich in Gefahr. Es folgte eine Fakir-Einlage: Ein Nagelbrett wurde auf einem Sessel platziert. Nachdem die Zuschauer sich überzeugt hatten, dass die Nägel darin echt waren und der Zirkusdirektor Gerd beim Probesitzen offensichtlich große Schmerzen ertrug, setzte sich „Herr Klaus“ darauf und schaffte die Übung mit Bravour.

Lachen ist die beste Medizin.
Lachen ist die beste Medizin.
- Daniela Agu

Nicht einmal Franz Webhofer, der Leiter der Osttiroler Wohn- und Pflegeeinrichtungen, konnte beim nächsten Programmpunkt überzeugen und eine (rohe) Kartoffel in seiner Hand zerdrücken. „Power-Lisl“ schaffte das dagegen mit nur einem Griff. Die Knolle gab nach und zerfiel in ihrer Hand. Dabei soll niemand behaupten, Lisls Erdapfel wäre weichgekocht gewesen.

„Frau Martha“ übte sich im Gewichtheben. Die Last, die der Zirkusdirektor und seine bezaubernde Assistentin herangeschafft hatten, schien immens zu sein. Doch Martha stemmte wie einst Vinzenz Hörtnagl die Stange ganz nach oben. Sie verdiente sich dadurch das Attribut „stärkste Frau der Welt“.

Robert Grießner, Marianne Hechenblaikner, Pflegedienstleiter Christian Wibmer, Marlies Franz und Barbara Thonhauser haben die Aufführung möglich gemacht.
Robert Grießner, Marianne Hechenblaikner, Pflegedienstleiter Christian Wibmer, Marlies Franz und Barbara Thonhauser haben die Aufführung möglich gemacht.
- Daniela Agu

Auch eine Erotikeinlage fand großen Anklang beim Publikum. „Frau Paula“ saß hinter einem Vorhang und warf zum Song „Teach me Tiger“ von Marilyn Monroe Wäschestücke hinter einem Vorhang hervor. Nach einiger Zeit und viele Wäschestücke später wurde der Vorhang gelüftet und ihr Gesicht steckte in einem lebensgroßen Bild der weltberühmten Sängerin. Nach dem Abschlussapplaus für die Darsteller Theresia, Loise, Renzl, Elisabeth, Paula, Klaus, Lisl, Martha, Rosa und Florian lud die Pflegeleitung noch zu einem Imbiss.

Die Roten Nasen sind ein österreichweiter Verein, der sich durch Spenden finanziert. „Wir besuchen in erster Linie Kinder im Krankenhaus“, sagt Christian Moser. Der Verein erhalte keine Zuschüsse aus öffentlicher Hand und werde auch nicht von Kliniken mitfinanziert. Die Ausbildung zum Rote-Nasen-Clown dauert zwei Jahre. „Die Kandidaten müssen Feingefühl für die Menschen mitbringen.“

Zirkus im Altenwohnheim Matrei.
Zirkus im Altenwohnheim Matrei.
- Daniela Agu