Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 14.05.2019


Exklusiv

Anrainer fühlt sich belästigt: Videoblick auf Spielplatz in Kundl regt auf

Sachbeschädigungen und Lärm treiben einen Kundler Spielplatz-Anrainer zur Weißglut. Er installierte jetzt an seinem Haus eine Kamera, die auch die öffentliche Fläche mitfilmt. Das gefällt aber nicht allen Eltern.

Der Spielplatz Am Rain sorgt für Aufregung in Kundl. Anrainer haben genug von lärmenden Jugendlichen.

© HaunDer Spielplatz Am Rain sorgt für Aufregung in Kundl. Anrainer haben genug von lärmenden Jugendlichen.



Von Wolfgang Otter

Kundl – Alexander Wolf reicht es. Drohungen, Lärmerregung, Sachbeschädigung, so zählt der Kundler auf, stünden Tag und Nacht für ihn als Anrainer an den Spielplatz „Am Rain“ auf der Tagesordnung. „Ich habe nichts dagegen, wenn da Kinder spielen und es lustig haben“, beteuert er gegenüber der TT. Aber was „Halbstarke“ auf dem Platz täglich mit Musikboxen treiben, sei einfach zu viel.

Wolf hat nun eine Videokamera an seinem Haus installiert, „die auch so weit wie notwendig den Spielplatz miteinbezieht“. Dabei gehe es um Prävention und den Schutz seiner Familie und seines Eigentums. „Wenn die Polizei kommt, fragen die ja auch danach, wer das gemacht hat“, erläutert er die Gründe.

Die Initiative des Kundlers bleibt aber nicht ohne Reaktion: „Bei allem Verständnis für den Anrainer, dass ihn lärmende Jugendliche abends stören, kann es nicht sein, dass Videoaufnahmen von Kindern angefertigt werden und von Steuermitteln finanzierte Spielgeräte nicht genutzt werden dürfen. Den Spielplatz gab es doch auch schon, bevor der Anrainer gebaut hatte … Warum lässt die Gemeinde das zu?“, meint eine Person anonym auf dem Webportal „Bürgermeldungen“ der Gemeinde Kundl.

Wolf sieht sich aber im Recht. So sei ihm laut dem neuen Datenschutzgesetz die Aufnahme zum Schutz erlaubt, wenn diese „nicht über die Liegenschaft hinausreicht, mit Ausnahme einer zur Zweckerreichung allenfalls unvermeidbaren Einbeziehung öffentlicher Verkehrsflächen“, so Wolf.

Aber laut dem Kundler VP-Ersatzgemeinderat wäre das Problem einfach zu lösen: Eine Einzäunung des Spielplatzes samt Beschränkung der Öffnungszeiten von 9 Uhr bis 17 Uhr statt wie derzeit von 7 Uhr bis 21 Uhr würde helfen. „Solche Öffnungszeiten gibt es sonst nirgends“, glaubt Wolf, der auch davon ausgeht, dass von den „Mopedrennen rund um den Platz die ganze Siedlung gestört wird“.

Er habe bereits x Vorschläge gemacht. Die Gemeind­e sei sehr lasch, „weil ich als Anraine­r nicht derselben Partei angehöre wie der Bürgermeister“, beschwert sich Wolf.

Bürgermeister Anton Hoflacher (SPÖ) erinnert an den von der Gemeinde beauftragten Security-Dienst, „der ab 21 Uhr auch die Spielplätze überprüft“. Der zuständige Familien- und Sozialausschuss werde sich aber noch intensiv mit dem Problem auseinandersetzen. Dass per Kamera öffentliche Plätze gefilmt werden, „sehe ich als absolut negativ an“. Ob man dagegen vorgeht, werde noch beraten.

Die Gemeinde empfiehlt übrigens als Antwort auf die Bürgermeldungen allen, die sich von der Filmerei gestört fühlen, dies an die Österreichische Datenschutzbehörde zu melden.