Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 17.05.2019


Innsbruck/-Land

Feuerwehren in Innsbruck und Umgebung sollen zukunftsfit werden

Vom Tag der offenen Tür bei der Innsbrucker Hauptfeuerwache bis zum großen Jugendbewerb in Telfs: Die heimischen Wehren zeigen in den kommenden Wochen ihr Können. In die Infrastruktur wird kräftig investiert.

Allein im Bezirk Innsbruck-Land sind über 5000 aktive Feuerwehrmitglieder einsatzbereit – im Bild ein Stadelbrand in Hatting 2018.

© zeitungsfoto.atAllein im Bezirk Innsbruck-Land sind über 5000 aktive Feuerwehrmitglieder einsatzbereit – im Bild ein Stadelbrand in Hatting 2018.



Innsbruck

Innsbruck — Die Liste ist lang — und die gesamten Investitionen werden in den kommenden drei, vier Jahren Millionen kosten. Allein heuer fließen in die Innsbrucker Feuerwehren 1,6 Millionen Euro für neue Fahrzeuge. Dazu stehen nicht nur bei der Hauptfeuerwache Bauarbeiten an. Alles, um das „sehr hohe Level" der Einsatzkräfte auch in den kommenden Jahren halten zu können, wie Branddirektor Helmut Hager gestern betonte.

So muss demnächst die Einfahrt der Berufsfeuerwehr umgebaut werden. Die modernen Fahrzeuge werden immer breiter und dies mache die Umbauarbeiten (wohl über eine halbe Million Euro teuer) notwendig. Vermutlich werden die Garagentore dabei nach vorne verlegt. Die Detailplanungen laufen hier genauso wie bei den Zubauten der Feuerwehrhäuser in Vill und Hötting. Beides möchte Vize-BM Franz Gruber, zuständig für die Feuerwehren in der Stadtregierung, bis 2021

22 umsetzen. Darüber hinaus soll es auf der Hungerburg (wohl auf derselben Fläche) einen kompletten Neubau geben. Eine gesamte Kostenschätzung wollten Gruber und Hager dafür dann nicht nennen. Zu viele Eisen seien derzeit „im Feuer", zu viele Projekte noch nicht endgültig finalisiert oder konkretisiert.

„Wir hatten im ersten Quartal des Jahres insgesamt 1120 Einsätze. Das sind fast zehn pro Tag. Da braucht es für die Sicherheit der Menschen in der Stadt, aber auch für die Sicherheit unserer Mitarbeiter, entsprechende Ausrüstungen", sagte Hager. So koste etwa ein Drehleiterfahrzeug mittlerweile 750.000 Euro. Wenn man hier nicht auf dem aktuellen Stand bleibe, dann „sinkt die Verfügbarkeit rapide ab" und auch die Instandhaltungskosten würden drastisch steigen, erklärte der Branddirektor. Tanklöschfahrzeuge seien nach 20 bis 25 Jahren am Ende ihrer Lebensdauer angekommen.

Gruber lobte das „duale System" zwischen Berufsfeuerwehr und den zehn Freiwilligen Feuerwehren in der Stadt. „Wir müssen beide Einheiten stärken", sagte der Vize-Bürgermeister. Man ­gehe sehr sorgsam mit den Betriebsmitteln um. Zukunftsfit sollen die Frauen und Männer der Innsbrucker Feuerwehren auch am Ausbildungssektor gemacht werden. Zum wiederholten Male gab es ein Spezialtraining für Tunnel­einsätze in der Schweiz. Man will vor allem für Einsätze im Brennerbasistunnel gerüstet sein.

Morgen Samstag zeigt man bei einem Tag der offenen Tür von zehn bis 17 Uhr auf der Hauptfeuerwache in der Hundoldstraße, was man so kann. Darüber hinaus gibt es für Schaulustige ein buntes Programm — ganz besonders für Kinder. Erstmals wird ein Tauchcontainer bei der Leistungsschau präsentiert.

Innsbruck-Land

Rum — „Gott sei Dank eher unspektakulär" sei das Feuerwehrjahr 2018 im Bezirk Innsbruck-Land verlaufen, meint Bezirks-Feuerwehrkommandant Reinhard Kircher. Im Vorfeld des Bezirks-Feuerwehrtages — am Sonntag im FoRum in Rum — zog er im TT-Gespräch Bilanz.

Insgesamt 2623 Einsätze hatten die 76 Wehren des Bezirks 2018 zu bewältigen (2017: 2983). Da große (Unwetter-)Katastrophen jedoch ausblieben, gab es speziell bei den technischen Einsätzen einen klaren Rückgang (von 1701 im Jahr 2017 auf 1343) — dazu zählen ja z. B. auch das Freilegen und Säubern von Straßen, das Auspumpen von Kellern oder das Beseitigen umgestürzter Bäume. Auch die Brandeinsätze gingen leicht zurück, von 506 auf 441. Wobei die (nach wie vor ungeklärten) Brandstiftungen im Oberland für die betreffenden Feuerwehren natürlich eine große — auch nervliche — Belastung gewesen seien, so Kircher.

Eine Herausforderung ganz anderer Art bot die Rad-WM — von komplexen Verkehrskonzepten bis hin zur Straßenaufsicht. Zumal es für Feuerwehrmitglieder ja „nicht immer einfach sei", für solche Aufgaben frei zu bekommen. Dafür sei man aber bald „von der Euphorie angesteckt worden", freut sich Kircher.

Nicht nur der Bezirkskommandant selbst wurde im Vorjahr wiedergewählt, auch auf Orts- und Abschnittsebene fanden Neuwahlen statt, über ein Drittel der Funktionen wurde neu besetzt. Dennoch sei der Übergang „nahtlos" gelungen, betont Kircher: „Alle waren ja vorher schon in Stellvertreter- oder Ausschusspositionen tätig, Quereinsteiger gab es keine."

Sehr stabil sei auch der Personalstand: Per 31.12.2018 lag die Gesamtmitgliederzahl im Bezirk bei 7375 (2017: 7398). Ein leichtes Minus bei den aktiven Mitgliedern (von 5140 auf 5085) sei „mit dem Übertritt einiger Kameraden in den Reservestand zu erklären". Grund zur Beunruhigung gebe es aber keinen, stellt Kircher klar, im Gegenteil: Er verweist auf einen „erfreulichen Anstieg" bei der Feuerwehrjugend, von 268 auf 287 Mitglieder.

Apropos Jugend: Absolutes Highlight im Jahreslauf ist heuer der erste „Feuerwehrjugend-Leistungsbewerb der Alpenregionen". Als Veranstalter tritt zwar der Landesfeuerwehrverband auf, das Großereignis findet aber im Bezirk Innsbruck-Land statt, genauer gesagt vom 28. bis 30. Juni in Telfs. 3000 Feuerwehrjugendmitglieder aus Tirol, Südtirol, dem Trentino und Bayern werden erwartet. „Das gab es in dieser Art noch nie", sagt Kircher, der ein „einmalig buntes Bild" erwartet. Voll gefordert seien dabei natürlich die Feuerwehr und der Abschnitt Telfs. Der Bezirksverband selbst organisiert unter anderem eine große Fahrzeugschau. (mw, md)