Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 21.05.2019


Innsbruck Land

Wohnbauvorhaben in Zirl: Beschwerden von Nachbarn abgewiesen

Im Streit um einen privaten Wohnbau in der Zirler Morigglgasse sind Anrainer mit ihren Beschwerden beim Landesverwaltungsgericht abgeblitzt.

Ein privates Wohnbauvorhaben im Ortskern von Zirl wird von Nachbarn bekämpft.

© DomanigEin privates Wohnbauvorhaben im Ortskern von Zirl wird von Nachbarn bekämpft.



Zirl – Dass ein Nachbarschaftsstreit derart hohe Wellen schlägt wie jener um ein privates Wohnbauvorhaben in der Zirler Morigglgasse (die TT berichtete), ist selten. Zumindest rechtlich scheint der medial breit transportierte Konflikt nun aber entschieden.

Der hitzige Streit dreht sich um zwei Liegenschaften, die in einer Grundstückszeile liegen. Anrainer Herbert Kluibenschädl, der 2007 auf dem östlichen Grundstück gebaut hatte, brachte gemeinsam mit einem weiteren Nachbarn insgesamt zwölf Einsprüche und Beschwerden gegen den Baubescheid für den westlich geplanten Neubau ein. Die Vorwürfe lauteten sinngemäß u. a., dass durch den geringen Abstand Wohnqualität und Wert der bestehenden Liegenschaft massiv gemindert oder dass Brandschutzbestimmungen verletzt würden.

Seit einigen Wochen liegt nun die Entscheidung des Landesverwaltungsgerichts Tirol (LVG) vor: Kluibenschädls Beschwerden wurden als unbegründet ab-, jene des zweiten Nachbarn mangels Parteienstellung als unzulässig zurückgewiesen.

„Experten stellten fest, dass alle Brandschutz- und Abstandsbestimmungen eingehalten werden“, fasst Bauwerber Josef Suitner zusammen. Auch sei es für das Gericht „nicht erkennbar gewesen“, warum bei zwei räumlich zusammenhängenden Grundstücken – seinem und Kluibenschädls – „unterschiedliche Bebauungsbestimmungen festgelegt werden sollten“. Eine Beschwerde gegen die Nichtzuerkennung einer aufschiebenden Wirkung durch den Baubescheid hatte das LVG schon zuvor abgewiesen.

Bauherr Suitner legt Wert darauf, auch die Vorgeschichte darzustellen: Zusammen mit seiner Gattin wolle er sich im Ortskern von Zirl ein barrierefreies „Altenteil“ schaffen. Als man ein brachliegendes Grundstück in der Morigglgasse erwerben konnte, sei man von guten Voraussetzungen ausgegangen – schließlich sei die Revitalisierung des Ortskerns ja auch ein zentrales Anliegen der Gemeindepolitik. Und der Bebauungsplan für die Kernzone habe schon seit 1975 die Errichtung von zwei Vollgeschoßen und einem Dachgeschoß vorgesehen.

Schon vor dem Beschluss des neuen Bebauungsplans im Gemeinderat habe man mit den Nachbarn das Gespräch gesucht, so Suitner weiter. Dabei habe man Kluibenschädl u. a. vorgeschlagen, auf einen Meter der Terrasse zu verzichten und eine Lärm- und Sichtschutzwand zu errichten. Damals habe sich dieser „froh über die gute Lösung“ gezeigt. Erst nach Ende der Einspruchsfrist habe er in einem Schreiben an die Gemeinde plötzlich Bauherr und Planer „verunglimpft“: „Seither war die Situation vergiftet.“

Klare Erkenntnis des LVG sei jetzt, „dass alle Nachbarrechte gewahrt wurden“. Suitners Appell: „Nachdem nun Recht gesprochen wurde, sollte man das auch zur Kenntnis nehmen, deeskalieren und zu einem ordentlichen Miteinander im Alltag zurückfinden.“

Noch habe man nicht entschieden, ob man den Weg einer außerordentlichen Revision versuchen werde, sagt Kluibenschädl zur TT. Und: „Die Möglichkeit für ein gutes Miteinander hätte Herr Suitner von Anfang an gehabt, wenn er mit seinem Neubau um fünf Meter abgerückt wäre.“ (md)