Letztes Update am Mo, 20.05.2019 15:33

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Missbrauch

Umfrage: Mehrheit der Polen für Rücktritt der Bischöfe

Fast jeder zweite erwachsene Pole sah - zumindest ausschnittsweise - die Missbrauchs-Dokumentation über die polnische Kirche.

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Warschau – Angesichts der Missbrauchskrise haben sich in einer Umfrage 54 Prozent der Polen für einen Rücktritt der katholischen Bischöfe des Landes ausgesprochen. 20 Prozent lehnten dies hingegen ab, wie eine laut Kathpress von polnischen Medien veröffentlichte Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Pollster ergab. Die restlichen 26 Prozent trauten sich demnach noch keine Aussage zu.

Ein vor gut einer Woche im Internet veröffentlichter polnischer Dokumentarfilm über sexuellen Kindesmissbrauch durch Priester und die Vertuschung solcher Verbrechen durch die katholische Kirche hatte in Polen Entsetzen ausgelöst. 54 Prozent der befragten rund 1100 Erwachsenen gaben demnach an, der Kirche nicht zu vertrauen. Vertrauen genieße die Kirche nur bei 33 Prozent, hieß es. 84 Prozent sind den Angaben zufolge für die Einsetzung einer von der Kirche unabhängigen Kommission, die den Kindesmissbrauch durch Geistliche aufklären soll.

Mit versteckter Kamera

Fast jeder zweite erwachsene Pole (45 Prozent) sah laut einer anderen Umfrage die Missbrauchs-Doku „Nur sag es niemandem“ bereits ganz oder teilweise. Die Dokumentation, die teilweise mit versteckter Kamera gedreht wurde, zeigt Begegnungen von Opfern pädophiler Priester mit ihren einstigen Peinigern. Einige inzwischen sehr alte Priester gestehen den Missbrauch, bitten um Vergebung und bieten manchmal finanzielle Entschädigung an.

60 Prozent gaben die Schuld für den Kindesmissbrauch nicht nur dem einzelnen Priester, sondern auch der Kirche als Institution, heißt es in der Studie des Instituts Kantar (Montag). 34 Prozent machten dagegen nur die einzelnen Geistlichen für ihre pädophilen Taten verantwortlich. Kantar befragte im Auftrag der Zeitung Gazeta Wyborcza, dem Online-Portal gazeta.pl und dem Radiosender TOK FM rund 1000 Bürger. (APA)