Letztes Update am Di, 21.05.2019 19:13

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Japan

„Stopp“-Schrei bei Knopfdruck: Grapscher-App hilft Opfern in Tokios U-Bahn

In Tokios U-Bahn gehört Belästigung von Frauen zum bitteren Alltag. 2017 wurden 900 Fälle gemeldet – die Dunkelziffer ist vermutlich viel höher. Eine App soll Opfern beiseite stehen und Angreifer verschrecken. Ihr Erfolg deutet auf das wahre Ausmaß des Problems hin.

Auf bestimmten U-Bahn-Linien in Tokio gibt es bereits Abteile nur für Frauen.

© ReutersAuf bestimmten U-Bahn-Linien in Tokio gibt es bereits Abteile nur für Frauen.



Tokio – Eine Smartphone-App der Polizei von Tokio gegen Grapscher ist in Japan zum Riesenerfolg geworden: Mit der App können Opfer von unsittlichen Berührungen in den notorisch überfüllten U-Bahnen auf ihre Lage aufmerksam machen, ohne sich selbst äußern zu müssen. Mit Aktivierung der App ertönt entweder ein „Stopp“ in höchster Lautstärke – oder auf dem Display erscheint die Notrufmeldung „Es gibt einen Angreifer, bitte helfen“, welche die Opfer anderen Passagieren dann zeigen können.

Nach Polizeiangaben wurde die App bereits mehr als 237.000 Mal heruntergeladen. Dies sei eine ungewöhnlich hohe Download-Zahl für eine App des öffentlichen Dienstes. „Dank der Beliebtheit steigt die Zahl jeden Monat um rund 10.000“, sagte Polizeivertreterin Keiko Toyamine.

Haft- und Geldstrafen möglich

Die Opfer seien oft zu schüchtern, um laut um Hilfe zu bitten, sagte Toyamine. Mit der App könnten sie nun andere Passagiere auf ihre Lage aufmerksam machen, ohne sich selbst äußern zu müssen.

Der jüngsten Statistik zufolge wurden 2017 900 Fälle von Belästigungen in Zügen in Tokio gemeldet. Die Dunkelziffer wird aber deutlich höher geschätzt. Den Tätern drohen bis zu sechs Monate Haft oder Geldstrafen von umgerechnet bis zu 4000 Euro. Bei Drohungen oder Gewalt sind bis zu zehn Jahre Haft möglich. Inzwischen gibt es auf bestimmten Linien bereits Abteile nur für Frauen sowie Überwachungskameras. (AFP)




Kommentieren


Schlagworte