Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 29.05.2019


Tirol

Richard Piock im Zeitzeugen-Gespräch: Lieber Trommler als Schüler

Der Südtiroler Unternehmer Richard Piock erzählte im Zeitzeugen-Gespräch im Haus der Musik von Schützenumzügen, Exporten in den Irak und Inkjet-Technologien.

Im Gespräch mit Bernhard Aichner kramte Zeitzeuge Richard Piock in seinen Erinnerungen.

© Foto TT/Rudy De MoorIm Gespräch mit Bernhard Aichner kramte Zeitzeuge Richard Piock in seinen Erinnerungen.



Von Verena Langegger

Innsbruck – In der Schule war er „nicht so erfolgreich“, erklärte der – dann als Unternehmer doch sehr erfolgreiche – Südtiroler Richard Piock am Montagabend im Zeitzeugen-Gespräch mit Bestsellerautor Bernhard Aichner im Haus der Musik. Der Grund für seine Probleme mit den „Englischen Fräulein“ in der Schule in Meran war seine Begeisterung für die Schützen. „Anstatt für die Schule bei einer Prozession mitzugehen, wollte ich lieber als Trommler bei der Meraner Schützenkompanie mitmarschieren“, erzählte Piock. Seine Lehrerinnen seien daraufhin ziemlich verärgert über den damals 12-jährigen Richard gewesen.

Der langjährige Chef der Südtiroler Firma „Durst Phototechnik“ mit Standorten in Brixen und Lienz hatte eigentlich einen anderen Berufswunsch: Er wollte an der BOKU in Wien Lebensmittelchemie studieren. Der Grund war pragmatisch: „Lebensmittelprüfungen wird es immer geben“, Lebensmittelprüfer sei also ein sicherer Job. Piock hatte aber nur das „kleine Latinum“ abgelegt und wurde daher nicht aufgenommen. Also entschied er sich für Welthandel und promovierte 1971.

Nach der Zeit beim Militär startete Piock beruflich durch. Als Geschäftsführer der Euroclima AG baute er die Exportabteilung auf. „1975 bekamen wir Anfragen nach Luftreinigern aus dem Irak“, erzählte der 71-Jährige. Was mit Luftbefeuchtern für zwei Textilfirmen im Irak begann, sollte schließlich ein Drittel des Exportvolumens der Euroclima AG betragen. Piock reiste etliche Male in den Irak, auch während des ersten Golfkrieges von 1980 bis 1988. Angst hatte er keine, „ein mulmiges Gefühl“ habe er im Irak aber immer gehabt: „Spannend war schon die Landung, alles war dunkel, so merkte man, dass etwas nicht in Ordnung war.“

1984 wurde Piock von Durst Phototechnik abgeworben und sanierte das Unternehmen. Während er bereits in Osttirol lebte, war er zudem sechs Jahre lang Landeskommandant des Südtiroler Schützenbundes. Piock machte Durst in zwei Jahrzehnten zum führenden Hersteller industrieller Ink­jet-Technologien. Und auch nach seinem Ausstieg 2016 blieb Piock umtriebig. Seither leitet er die Osttiroler Betriebsansiedlungsgesellschaft Innos GmbH und unterstützt Start-ups.

Nachzuhören ist das Zeitzeugen-Gespräch von Autor Bernhard Aichner mit Richard Piock am 16. Juni in der Sendereihe „Trommelfell“ von Radio Tirol. Im nächste Zeitzeugen-Gespräch am 1. Juli ist Evelyn Haim-Swarovski zu Gast im Haus der Musik bei Bernhard Aichner.

Richard Piock (M.) mit Licht-ins-Dunkel-Koordinator Bernhard Triendl (ORF), Starautor Bernhard Aichner (v. l.), Hermann Petz (Vorstandschef Moser Holding) und Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (v. r.).
Richard Piock (M.) mit Licht-ins-Dunkel-Koordinator Bernhard Triendl (ORF), Starautor Bernhard Aichner (v. l.), Hermann Petz (Vorstandschef Moser Holding) und Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (v. r.).
- Foto TT/Rudy De Moor



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