Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 29.05.2019


Osttirol

Die Notarzt-Versorgung im Iseltal wackelt

Mit dem Rückzug des Notarztverbandes Osttirol sollte vieles besser werden. Übergangslösung vor dem Aus.

Dem bodengebundenen Notarztverband Osttirol von Gernot Walder wurde die Verantwortung im Iseltal entzogen.

© Vanessa Weingartner / TTDem bodengebundenen Notarztverband Osttirol von Gernot Walder wurde die Verantwortung im Iseltal entzogen.



Von Christoph Blassnig

Matrei i. O. – Der Landtagsabgeordnete Markus Sint (Liste Fritz) fand in einem Pressegespräch in Lienz zuletzt deutliche Worte: „Gernot Walder hat man aus dem Iseltal gekickt, ohne eine bessere Lösung anbieten zu können. Walder und sein Notarztverband wurden einem politischen Deal zwischen dem Matreier Bürgermeister Andreas Köll und dem Gesundheitslandesrat Gernot Tilg geopfert.“ Man möge zu Walder persönlich und zu seinem Modell der gemeinschaftlichen Organisation der medizinischen Versorgung durch mehrere niedergelassene Ärzte stehen, wie man will, doch „solange man kein mindestens gleichwertig funktionierendes Rezept hat, darf man das bestehende System nicht einfach zerschlagen“, sagte Sint. Der Landesrat habe ein Gerangel um Kompetenzen nicht in den Griff bekommen. Tilg war für eine Stellungnahme bis Redaktionsschluss nicht erreichbar.

Im Rahmen eines runden Tisches am 2. Mai zur künftigen Organisation der medizinischen Versorgung im Bezirk hat Tilg Gernot Walder von seiner Verantwortung im Iseltal enthoben. Tags darauf habe Walder Verträge für das Defereggental und das Pustertal unterschrieben, erklärte Andreas Köll, Gemeindeverbandsobmann des Bezirkskrankenhauses Lienz, auf Nachfrage der TT. „Diese Verträge lagen seit September des Vorjahres vor“, berichtete Köll. Die Notarzt-Dienstvergabe im Iseltal sollten sich von nun an Cornelia Trojer, Inhaberin des seit zwanzig Jahren bestehenden Ärztezentrums in Matrei, und Marcus Mairinger, ehemals wie auch Trojer tätig im Notarztverband Walders und seit September mit einer Praxis im Matreier Gemeindehaus ausgestattet, je zur Hälfte teilen.

Cornelia Trojer erklärt sich jetzt außerstande, diese ihr mündlich übertragene Verantwortung länger zu übernehmen. „Es gibt bis heute keinen Werkvertrag oder Ähnliches zu meiner Tätigkeit. Mairinger hat keinen Dienst übernommen und will auch keinen übernehmen. Ich bin alleine und hänge in der Luft.“ Köll verweist auf die beiden Mediziner Torsten Ruf aus Mittersill und Leo Lang aus Virgen, die Trojer derzeit unterstützen würden, räumt aber ein, dass die derzeitige Situation nicht anders sei als jene, wie sie seit September unter Gernot Walder war. „Walders System hat funktioniert, solange genügend niedergelassene Ärzte vorhanden waren. Das ist aktuell nicht mehr der Fall.“

Eine Diensteinteilung für die Monate Juni, Juli und August sei unmöglich, warnt unterdessen Trojer eindringlich. „Kollege Ruf kann den ganzen Juni über nicht aushelfen, Kollege Lang ist meist im BKH Lienz gebunden. Ich bin alleine.“ Köll sagt, er habe Lang mündlich zur Dienstübernahme im Iseltal ermächtigt. Der Matreier Bürgermeister setzt auf eine Stationierung des Knaus-Notarzthubschraubers samt Ärzten ab 1. Juli. Verträge dazu gibt es noch nicht.