Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 31.05.2019


Bezirk Schwaz

Ernst Brandl und das Penicillin V

Preisträger Norbert Köpfle (mit Urkunde) mit Sandoz-CEO Mario Riesner, BH Michael Brandl und Vizerektor Bernhard Fügenschuh (v. l.).

© HintnerPreisträger Norbert Köpfle (mit Urkunde) mit Sandoz-CEO Mario Riesner, BH Michael Brandl und Vizerektor Bernhard Fügenschuh (v. l.).



„Er war eine der profiliertesten Persönlichkeiten unseres Landes." (BH Michael Brandl) „Er war ein unglaublich menschlicher Chef, Tausende verdanken ihm ihren Arbeitsplatz." (Leopold Sigl, 93) Das sind nur zwei Zitate, die einem besonderen Mann gelten: Prof. Ernst Brandl, der heuer seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte. Er ist der „Vater" des Penicillin V, also des Penicillins in Tablettenform.

Vom Geld, das Ernst Brandl seine Arbeit einbrachte, profitieren über eine Stiftung seit 1990 kirchliche und soziale Einrichtungen. Es sind dies das SOS-Kinderdorf Imst, die Lebenshilfe Tirol, der Sozialfonds der Stadt Schwaz, der Franziskanerkonvent Schwaz sowie die Schwazer Pfarren Maria Himmelfahrt und St. Barbara. Außerdem können sich Jung-Wissenschafter um den Ernst-Brandl-Wissenschaftspreis bewerben. Im Rahmen eines Festaktes im SZentrum wurde zum 29. Mal dieser Preis vergeben. Empfänger ist Norbert Köpfle vom Institut für Physikalische Chemie an der Uni Innsbruck, der von Vizerektor Bernhard Fügenschuh vorgestellt wurde. Köpfle selbst lieferte Einblicke in seine Arbeit, bei der es um die Recycelbarkeit von Methangas und Kohlendioxid geht. „Mithilfe der Methan-Trockenreformierung ist es möglich, Methan und Kohlendioxid in nützliches Synthesegas umzuwandeln", präzisierte er.

Die Stadt Schwaz würdigt ihren am 11. Juni 1997 verstorbenen Ehrenbürger mit einer neuen Ausgabe der „Schwazer Kostbarkeiten", die bei dem Festakt von Auto­r Peter Hörhage­r vorgestellt wurde. Bei der Präsentation erzählten der eingangs erwähnte Leopol­d Sigl und Heinrich Scherfler von ihren gemeinsamen Jahren mit Ernst Brandl. Außerdem wurde die Veranstaltung durch die Anwesenheit Mario Riesners, derzeitiger CEO von Sandoz, ausgezeichnet.

Buchpräsentation: Heinrich Scherfler, Ernst Brandls Witwe Monika Brandl-Knapp, BM Hans Lintner und Autor Peter Hörhager (v. l.).
Buchpräsentation: Heinrich Scherfler, Ernst Brandls Witwe Monika Brandl-Knapp, BM Hans Lintner und Autor Peter Hörhager (v. l.).
- Hintner

Wie in dem Buch nachzulesen ist, hat Ernst Brandl im Jänner 1952 bei der Biochemie Kundl nach intensiven Versuchen eine Substanz entdeckt, die säurestabil war. Am 10. Februar desselben Jahres gelang Brandls Freund Hans Margreiter die Isolierung dieser Penicillin-V-Säure. Die Sensation war perfekt. Das „neue" Penicillin erwies sich bei oraler Einnahme als resistent gegen die Magensäure und konnte somit als Tablette oder Sirup verabreicht werden.

Dank der Entdeckung der zwei Tiroler entwickelte sich die Biochemie Kundl, in der beim Eintritt von Ernst Brandl nur eine Handvoll Leute gearbeitet hatten, zu einem Pharma-Unternehmen von Weltgeltung. 1965 wurde die Biochemie eine Tochtergesellschaft der Sandoz AG, 1996 verschmolzen Sandoz und Ciba-Geigy zu Novartis, 2003 wurde die Tiroler Biochemie GmbH in Sandoz GmbH umbenannt. (TT)