Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 31.05.2019


Bezirk Landeck

Seelsorger spricht offen von Überlastung

Der beliebte Pfarrer Augustin Kouanvih verlässt nach elf Jahren den Seelsorgeraum Oberes Stanzertal. Zuletzt sei er „über seine Grenzen“ gegangen.

Pfarrer Augustin Kouanvih verabschiedet sich vom Seelsorgeraum Oberes Stanzertal.

© SchranzPfarrer Augustin Kouanvih verabschiedet sich vom Seelsorgeraum Oberes Stanzertal.



St. Anton am Arlberg – Pfarrer Augustin Kouanvih, seit elf Jahren Leiter des Seelsorgeraumes Oberes Stanzertal, tritt im September seine neue Stelle im Stubai an. Der 57-Jährige verlässt das Oberland auf eigenen Wunsch.

Den Hintergrund seiner Entscheidung beschreibt der aus Togo stammende Priester so: Er sei gerne Seelsorger im Stanzertal gewesen. Aber „wegen einiger Erlebnisse in den vergangenen Jahren“ fehle ihm „die innere Motivation und die Energie“. Sein Körper gebe ihm Signale, „die ich ernst nehmen muss, bevor es zu spät ist. Ich bin zuletzt öfters an meine Grenzen und darüber hinausgegangen und habe gemerkt, dass das nicht gut ist.“ Es mache ihn traurig, sich von Menschen zu verabschieden, „die mich mögen und schätzen und die mich elf Jahre lang kräftig unterstützt haben“. Dankesworte und Anregungen, die Entscheidung nochmals zu überdenken, seien ihm sehr zu Herzen gegangen.

Augustin hatte sein Theologie- und Philosophiestudium in Togo begonnen und an der Universität Innsbruck abgeschlossen. Nach Tätigkeiten bei den Kreuzschwestern in Hall und in der Pfarre Rum/Neu-Rum übernahm er am 1. September 2008 die Leitung des neugegründeten Seelsorgeraumes Oberes Stanzertal mit den Pfarreien St. Anton, St. Jakob, Pettneu, Schnann und Flirsch sowie die Kaplanei St. Christoph. 2015 nahm er die österreichische Staatsbürgerschaft an.

Pfarrer Augustin ist aufgrund seiner humorvollen, geradlinigen Art bei der Bevölkerung im Stanzertal sehr beliebt. Zum 10-Jahr-Jubiläum im Vorjahr erntete er Dankesworte und viel Lob. „Du hast im wahrsten Sinne des Wortes Farbe in unsere Kirchengemeinden gebracht“, meinte der St. Antoner Bürgermeister Helmut Mall. Der Seelsorger aus Afrika war bestens integriert und u. a. Mitglied bei der Feuerwehr, Bruderschaft und beim Ski­club. „Ski fahren oder langlaufen habe ich trotz mehrerer Anläufe leider nicht gelernt“, blickt er zurück.

Über seine Nachfolge im Oberen Stanzertal ist noch nichts bekannt. Die Diözese teilte dazu mit, dass Gespräche im Gang seien. (psch)