Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 03.06.2019


Bezirk Kufstein

Pläne für Hunde-Pension in Wörgl bringen Grüne zum Knurren

Im Wörgler Lahntal soll eine Unterkunft für Vierbeiner entstehen. Die Grünen stoßen sich an der dafür notwendigen Widmungsänderung.

Die geplante Tierpension soll Platz für 15 Hunde bieten.

© iStockDie geplante Tierpension soll Platz für 15 Hunde bieten.



Von Jasmine Hrdina

Wörgl – Ein längerer Krankenhausaufenthalt oder eine unerwartete Reise, die für den Hund nur Stress bedeuten würde. Gründe, seinen Vierbeiner temporär jemand anderem anvertrauen zu müssen, gibt es viele. Aber nicht jeder hat geeignete Hundesitter im Umfeld. Wohin also mit dem „besten Freund“? Geht es nach den Plänen von Teresa und ihrem Vater Klaus Felderer, könnte es in Wörgl schon bald eine Antwort darauf geben: Die ausgebildete Hundepsychologin und Biologin will im Ortsteil Lahntal eine Hundepension errichten. Bis zu 15 Tiere könnten auf dem 2400 Quadratmeter großen Grundstück aufgenommen werden. Doch das Ansinnen der Tiroler Hundeexpertin lässt die Wörgler Grünen die Zähne fletschen. Dabei geht es weniger um das Projekt an sich, vielmehr stoßen sich GR Richard Götz und seine Fraktionskollegen an einer dafür notwendigen Änderung im Flächenwidmungsplan sowie im örtlichen Raumordnungskonzept.

Aus der landwirtschaftlichen Freihaltefläche würde nämlich eine Fläche mit Sondernutzung Tierpension. Und das würde weiteren Bauprojekten mitten im Naherholungsgebiet (und neben dem Biotop Filz) Tür und Tor öffnen, kritisiert Götz. Der Antrag wäre bereits am 21. Mai zur Abstimmung in den Gemeinderat gekommen – wurde jedoch aufgrund eines fehlenden Naturschutzgutachtens wieder von der Tagesordnung genommen.

„Wir fragen uns, ob in Zukunft jeder Landwirt das Recht auf Umwidmung haben wird, wenn Töchter oder Söhne den Wunsch haben, ein Gewerbe zu gründen“, ätzt der grüne Gemeinderat.

Das schließt BM Hedi Wechner (Liste Hedi Wechner) kategorisch aus, da „die angrenzenden Flächen im Grünzonenplan des Landes (Filz etc.) enthalten sind. Das Areal, auf dem die Hundepension umgesetzt werden soll, ist im Grünzonenplan hingegen nicht enthalten“, teilt die Stadtchefin auf Anfrage der TT mit.

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Zudem seien der Bedarf und damit das für eine Widmungsänderung notwendige „öffentliche Interesse“ gegeben. Konkrete Zahlen oder Fakten, um dies zu untermauern, gibt es aus dem Stadtamt allerdings nicht. Ausschussarbeiten seien nicht öffentlich, daher dürfe man diese Auskunft nicht erteilen, heißt es von Seiten der Pressestelle.

Hundepensionen dieser Art gibt es Recherchen zufolge im Bezirk Kufstein bereits in Kirchbichl und Thiersee, daneben auch in St. Johann, Kitzbühel und Innsbruck sowie in Salzburg und Rosenheim. Allein in Wörgl sind aktuell 444 Hunde gemeldet.

Der Naherholungsbereich sei durch den dortigen Steinbruch und den Schießstand ohnehin schon lärmgeplagt, „noch eine zusätzliche Lärmquelle hinzuzufügen, finden wir genauso unverantwortlich wie die nochmalige Verschärfung der jetzt schon untragbaren Verkehrssituation im Bereich Lahntal“, ärgern sich die Grünen.

Mehr Verkehr sei nicht zu erwarten, man wolle die Hunde bei ihren Besitzern zu Hause abholen und wieder hinbringen, „und Besucher gibt es ja keine“, meint Klaus Felderer. Zudem befinde sich die Anlage nicht „mitten im Grünen“, sondern in Randlage. „Das Haus würde schalldicht gebaut und so situiert werden, dass möglichst wenig Lärm in die angrenzende Siedlung dringen kann“, erklärt der Grundeigentümer. Außerdem gebe es auf der Anlage großzügige Grünflächen, um den Vierbeinern Auslauf zu gewähren.

Die Grünen werden dem Antrag jedenfalls nicht zustimmen. Man müsse ihrer Ansicht nach die verbleibenden Naherholungsbereiche im Inntal schützen.