Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 08.06.2019


Gesellschaft

Landärzte aus Leidenschaft

Die Somavillas stellen seit Generationen die ärztliche Versorgung in Fulpmes sicher. Mit der Pensionierung von Hansjörg Somavilla wird aus der Familien- eine Gemeinschaftspraxis, zwei Ärztinnen treten seine Nachfolge an.

Matthias Somavilla (l.) übernahm 2014 die Kassenstelle seines Vaters Kurt (M.) in der Hausarztpraxis in Fulpmes. Sein Onkel Hansjörg Somavilla (r.) hatte gestern Freitag nach 40 Jahren als Hausarzt seinen letzten Arbeitstag.

© Michael KristenMatthias Somavilla (l.) übernahm 2014 die Kassenstelle seines Vaters Kurt (M.) in der Hausarztpraxis in Fulpmes. Sein Onkel Hansjörg Somavilla (r.) hatte gestern Freitag nach 40 Jahren als Hausarzt seinen letzten Arbeitstag.



Von Denise Daum

Fulpmes – Die bunten Kinderzeichnungen mit Zuneigungsbekundungen und Danksagungen in der Praxis der Somavillas sind Sinnbild für die vertraute Beziehung, die Hansjörg, Kurt und Matthias Somavilla zu ihren Patienten haben. Seit fast 100 Jahren heißen die Hausärzte in Fulpmes Somavilla. Zu ihnen kommen nicht nur Fulpmer und Stubaier, sie haben dank ihres ausgezeichneten Rufs Patienten aus ganz Tirol.

Gestern Freitag ging mit der Pensionierung von Hansjörg eine Ära zu Ende. Seine Stelle als Kassenarzt teilen sich ab 1. Juli Cornelia Danzl und Alexandra Seewald. Die beiden Ärztinnen machen Gebrauch von der von Tiroler Gebietskrankenkasse und Ärztekammer geschaffenen Möglichkeit des Jobsharings. Durch das Teilen einer Vertragsstelle soll der Beruf des Hausarztes vor allem für Frauen attraktiver werden. Damit wird aus der seit Generationen geführten Familien- nun eine Gemeinschaftspraxis.

Am Freitag hatte Hansjörg Somavilla nach 40 Jahren seinen letzten Arbeitstag. „Ich habe bis zum Schluss sehr gern gearbeitet“, sagt der 65-Jährige. „Das Schöne an dem Beruf ist, dass wir Menschen vom Säugling bis zum Senioren betreuen.“ Besonders freue ihn die Wertschätzung, die er vor allem in den letzten Monaten von seinen Patienten erfahren habe. Viele sind noch einmal gekommen, um sich von „ihrem Hansjörg“ zu verabschieden. Das Loslassen bereite ihm nun trotz allem keine Probleme. „Ich freue mich auf die viele Freizeit“, sagt Hansjörg Somavilla.

Kurt Somavilla hat seine Kassenstelle bereits im Jahr 2014 an seinen Sohn Matthias übergeben, der schon als Kind Medizin studieren wollte und seit 2004 in der Ordination arbeitet. Kurt Somavilla denkt trotz Pensionierung nicht an die Aufgabe des Arztberufs. Vier Tage die Woche ist der engagierte Mediziner nach wie vor in der Ordination und macht nach Terminvereinbarung vor allem Gesundenuntersuchungen und planbare Eingriffe. Ist Not am Arzt, springt Kurt Somavilla auch für den normalen Ordinationsdienst ein.

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Nachdem sowohl sein Onkel als auch sein Vater nun nicht mehr als Hausärzte tätig sind, ist Matthias Somavilla der letzte Landarzt seiner Familie. Für ihn ist besonders wichtig, dass auch in Zukunft die ganztägigen Ordinationszeiten gehalten werden können. „Wir sind den ganzen Tag von in der Früh bis Abend für unsere Patienten da. Bei uns gibt es auch keine Urlaubsunterbrechung“, betont Matthias Somavilla.

Alexandra Seewald und Cornelia Danzl freuen sich jedenfalls auf ihre Aufgabe. Beide arbeiten bereits seit rund einem Jahr in der Ordination, um eine geregelte Übergabe sicherzustellen. Das Jobsharing ermöglicht es den Medizinerinnen, Beruf und Familie zu vereinbaren.

Von den Patienten bekommen Danzl und Seewald sehr positives Feedback. „Auch vom Ordinationsteam wurden wir gut aufgenommen. Wir fühlen uns sehr wohl“, sagt Seewald. Am Beruf der Landärztin schätzt sie vor allem die unmittelbare Nähe zum Patienten. „Das ist sehr bereichernd.“ Dem kann ihre Kollegin nur beipflichten. „Die Vielfalt an medizinischen Fällen macht den Beruf sehr spannend“, erklärt Danzl.

eine Stelle teilen sich fortan Cornelia Danzl (rechtes Bild, l.) und Alexandra Seewald. Die beiden Ärztinnen haben sich bereits in den vergangenen Monaten in der Ordination gut eingearbeitet.
eine Stelle teilen sich fortan Cornelia Danzl (rechtes Bild, l.) und Alexandra Seewald. Die beiden Ärztinnen haben sich bereits in den vergangenen Monaten in der Ordination gut eingearbeitet.
- Michael Kristen