Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 09.06.2019


Vatertag

Papas in der Zeitfalle zwischen Büro und Kinderspielplatz

Moderne Väter wechseln Windeln und gehen in Karenz. Doch nur die wenigsten reduzieren ihre Arbeitszeit. Eine Bestandsaufnahme anlässlich des heutigen Vatertages.

Genießen gemeinsam die Zeit im Hofgarten: Papa Dragos Calmuc, die Zwillinge Ella und Leon (die nächste Woche 2 Jahre alt werden) und der große Bruder Arne (6 Jahre, rechts).

© Thomas Boehm / TTGenießen gemeinsam die Zeit im Hofgarten: Papa Dragos Calmuc, die Zwillinge Ella und Leon (die nächste Woche 2 Jahre alt werden) und der große Bruder Arne (6 Jahre, rechts).



Von Beate Troger

Innsbruck — Wenn der Papa am Abend nach Hause kommt, werden selbst die müdesten Kinder noch einmal munter. Kuscheln, Spielen und Toben steht zwischen Abendessen und Gutenachtritual auf der Tagesordnung. Denn in den meisten Tiroler Familien reduzieren die Mütter ihre Arbeitszeit, die Väter können sich in der Früh oder erst am Abend nach dem Vollzeitjob ins Familienleben einbringen.

"Der Wunsch von Vätern nach mehr Zeit mit den Kindern ist in Österreich außerordentlich stark ausgeprägt", sagt Norbert Neuwirth (Ökonom, ÖIF).
"Der Wunsch von Vätern nach mehr Zeit mit den Kindern ist in Österreich außerordentlich stark ausgeprägt", sagt Norbert Neuwirth (Ökonom, ÖIF).
- ÖIF

Wie aus einer aktuellen bundesweiten Erhebung der AK Oberösterreich hervorgeht, würden 45 Prozent der Väter gerne ihre Arbeitszeit reduzieren, um mehr Zeit mit den Kindern verbringen zu können. Wunsch und Wirklichkeit klaffen aber weit auseinander. In Tirol arbeiten laut Zahlen aus der Landesstatistik nur knapp zehn Prozent der Männer tatsächlich in Teilzeit — ob unfreiwillig oder aus eigenem Antrieb zugunsten der Kinder ist nicht erhoben.

Mit Karenz, Kinderbetreuungsgeld und dem Papamonat gibt es für Väter mit Kindern im Babyalter bereits gesellschaftspolitische Instrumente, die den Papas Zeit für den Nachwuchs ermöglichen sollen. Doch sind die Kinder den Windeln entwachsen, bleiben die Väter weiter in der Zeitfalle gefangen. Denn die Lohnkluft zwischen Männern und Frauen ist Schuld daran, dass hauptsächlich die Väter weiter voll im Berufsleben stehen (müssen).

„In Österreich ist der Wunsch der Väter nach mehr Zeit für Kinderbetreuung außerordentlich stark ausgeprägt", erklärt Norbert Neuwirth, Ökonom vom Österreichischen Institut für Familienforschung (ÖIF). Laut einer Erhebung stimmen 81 Prozent der befragten Papas der Aussage zu, dass Kinder leiden würden, wenn sie zu wenig Zeit mit ihren Vätern verbringen könnten. Damit sei Österreich im Europavergleich Spitzenreiter. „Erklären lässt sich dieser hohe Wert wohl dadurch, dass die Realität eine andere ist und die Väter zu wenig Zeit haben", analysiert Neuwirth.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Im Familienzeit-Monitor des Instituts habe man klare Veränderungen über Generationen festhalten können. Obwohl die Erwerbsquote der Frauen von 51 Prozent im Jahr 1975 auf 75 Prozent zuletzt 2015 gestiegen sei, legte auch die Teilzeitquote von 23 auf 49 Prozent zu. In Tirol sind sogar 53 Prozent der Frauen weniger als 35 Stunden berufstätig.

„Es hat sich aber die Aufteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit in den Familien verschoben", führt Neuwirth aus. Laut dem Monitor ist zwischen 1992 und 2015 die Zeit, die Frauen im Haushalt aufwenden, um 75 Minuten pro Tag gesunken. Männer arbeiten jeden Tag 20 Minuten mehr im Haushalt mit und bringen sich auch täglich um 43 Minuten mehr bei der Kinderbetreuung ein.

Am Innsbrucker Hofgarten-Spielplatz zeigt eine unrepräsentative Befragung, dass Papas selbst kreativ sein müssen, um sich Zeit für die Kinder freizuschaufeln.

Dank Gleitzeit starten die einen schon um 7 Uhr in den Arbeitstag, um früher nach Hause gehen zu können. Andere stecken um 16 Uhr den Laptop in die Tasche und erledigen abends, wenn die Kinder schlafen, die übrige Arbeit. Und wieder ein anderer häuft jeden Tag Überstunden an, um einen Nachmittag pro Woche ganz zuhause sein zu können. Doch alle Papas geben glaubwürdig zu Protokoll: Die Arbeitszeit zu reduzieren, könne sich die Familie nicht leisten.




Kommentieren


Schlagworte