Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 09.06.2019


Tirol

Innsbrucker Wirt: „Rauchverbot ist machbar“

Ein Augenschein in Innsbrucks Bars zeigt, die Wirte halten den Wandel zum Nichtraucherlokal für machbar. Im Freien müsse Rauchen möglich sein.

Bozidar Trisic (li.) sieht ein Problem für Zigarrenraucher. Erlkönig-Chef Matthias Eder (re.) bleibt gelassen. In der Gastronomie werden die Tschick bald ausgetötet.

© Plank, EderBozidar Trisic (li.) sieht ein Problem für Zigarrenraucher. Erlkönig-Chef Matthias Eder (re.) bleibt gelassen. In der Gastronomie werden die Tschick bald ausgetötet.



Von Alexandra Plank

Innsbruck – Niemand kann den Betreibern der Bar „Erlkönig“ in Innsbruck vorwerfen, dass sie es sich in Sachen Rauchen leicht gemacht hätten. Freiwillig war die trendige Location in der Meranerstraße einige Monate eine Nichtraucher-Bar. Als wir den langgestreckten Raum betreten, riecht es dezent nach Rauch, es stehen wieder Aschenbecher auf den Tischen.

Geschäftsführer Matthias Eder erklärt, dass er wieder umgestellt habe, da das Rauchverbot einen Geschäftsrückgang von 60 Prozent gebracht habe. „Es ist auch so, dass Nichtraucher in einer Bar nicht so viel Geld ausgeben wie Raucher.“ Dennoch fürchtet er das Rauchverbot, das nun wohl von SPÖ und ÖVP beschlossen wird, nicht: „Im Innenhof möchten wir einen Gastgarten machen, dort und vor dem Lokal kann man dann rauchen.“ Eder betont auch die soziale Komponente des Rauchens. „Bei Feiern ist es nicht angenehm, wenn ein Teil der Gesellschaft immer wieder hinausgehen muss.“ Schon bisher habe er die Belastung für die Mitarbeiter niedrig gehalten, er habe in einen guten Abzug investiert, der Filter werde jedes Monat ausgetauscht.

Das „Schindlers“ befindet sich in zentraler Lage im ersten Stock. Es gibt einen Barbereich, der durch eine Tür vom Restaurant getrennt ist, wo geraucht werden darf. Diese Variante machte als „österreichische Lösung“ Schlagzeilen. Schwer vorstellbar, dass die Raucher für eine Zigarette hinuntergehen und dann wieder heraufkommen. Charlie Topic reagiert auf das drohende Verbot mit Gelassenheit: „Wir werden das schaffen, andere Länder wie Italien haben das ja auch.“ Österreich war bisher eine der letzten Raucher-Hochburgen in Europa.

Die Bar „Plansch“ nahe dem Zeughaus setzt seit drei Jahren einen Akzent im Viertel. Die Einrichtung ist gemütlich, Bücher und ausgewählte Spirituosen zeigen, hier wird Lebenslust zelebriert. Wirt Heval Özkan hält in einer Holzschatulle auf der Theke auch Rauchutensilien für seine Besucher bereit. „Manche wollen nur gemütlich eine Zigarette zu einem Drink rauchen, obwohl sie sonst nicht qualmen. So müssen sie nicht betteln“, erklärt er. Ein Stammgast kommt her, weil er hier genüsslich seine Zigarre rauchen kann. Daheim ist ihm das untersagt. „Es gibt eine Zigarrenlobby, die versucht, eine Ausnahme vom Rauchverbot zu erwirken. Mit einer Zigarre kann man sich im Winter nicht ewig vor die Tür stellen“, sagt er. Özkan schätzt ein Rauchverbot für seinen Betrieb als bewältigbar ein, es müsse gesichert werden, dass ein Ausweichen auf die Straße möglich sei. „Ich habe Bedenken, dass wir in dieser ruhigen Gegend Probleme mit den Nachbarn wegen des Lärms bekommen.“

Bozidar Trisic hat das Plansch zum zweiten Wohnzimmer erklärt. Er arbeitet in einer Trafik und fand die bisherige Regelung gut: „Man konnte bestimmen, in welches Lokal man geht. Es wäre sinnvoll gewesen, bessere Abzüge vorzuschreiben.“ In den sozialen Medien kommt bei manchem Gastronom ob des zu erwartenden Verbots das Blut in Wallung. „Türkis und Rot bekommen die Rechnung bei den Wahlen präsentiert“, heißt es. Zu einem Statement ist man nicht bereit. Da muss man plötzlich nicht überall dabei sein, wo der Rauch aufgeht.