Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 07.06.2019


Osttirol

Osttiroler Schüler lernen mit dem 3D-Drucker

Welche Möglichkeiten die Digitalisierung bietet und wie Schulkinder im Unterricht davon profitieren, war Gegenstand zweier Projekttage an der NMS Egger-Lienz.

Stefanie Jäger unterstützt Denise Preßlaber bei der Bedienung der Formbox.

© Christoph BlassnigStefanie Jäger unterstützt Denise Preßlaber bei der Bedienung der Formbox.



Von Christoph Blassnig

Lienz – Von einer Idee ganz schnell zu einem Produkt, das man in der Hand halten, von allen Seiten betrachten und sofort ausprobieren kann, diese Technologie nutzen Forscher und Anwender in unterschiedlichsten Bereichen. Ganz neu ist diese Möglichkeit an der Neuen Mittelschule (NMS) Egger-Lienz. Direktorin Gabriele Schwab zeigt sich begeistert: „Unsere Lehrpersonen vermitteln Wissen nun auch mithilfe eines 3D-Druckers, den uns die Firma Micado Smart Engineering aus Oberlienz gesponsert hat.“ Micado-Inhaber Edwin Meindl ist überzeugt, dass Kinder die praktischen Möglichkeiten der Digitalisierung früh kennen lernen sollten. „Aus diesem Grund habe ich der Schule das Gerät gerne zur Verfügung gestellt.“ Rund 1500 Euro kostet der Drucker, der aus einem Kunststofffaden im Schmelzschichtverfahren Modelle und Objekte herstellt, die vorher von den Schülern erdacht und dann am Computer für den Druck konstruiert werden.

Meindl erklärt, dass die Konstrukteure in seiner Firma auch dieses Verfahren nutzen: „Der Techniker entwirft am Vormittag das Bauteil, und wenn er von der Mittagspause zurückkommt, ist es bereits hergestellt und kann praktisch getestet werden.“ Auch wenn später nur einzelne Schüler den Mechatronik-Standort Osttirol für ihre berufliche Laufbahn entdecken, habe sich die Investition gelohnt, sagt der Micado-Chef.

 Darin entsteht ein Kunststoffprisma für das Handydisplay zur Anzeige von Hologrammen.
Darin entsteht ein Kunststoffprisma für das Handydisplay zur Anzeige von Hologrammen.
- Christoph Blassnig

Dieser Tage erhielt die NMS Egger-Lienz auch Besuch von Stefanie Jäger vom Institut für Zoologie der Universität Innsbruck. Jäger ist im Auftrag des Vereines klasse!forschung in sieben Modellschulen in Tirol unterwegs, um die praktische Anwendung der Digitalisierung vorzustellen. Die Lehrer an den Schulen absolvieren bereits im Vorfeld Kurse, um die Techniken selbst zu erlernen. Einer Formbox-Vorrichtung entnehmen die Schüler zum Beispiel Prismen aus dünnem, durchsichtigem Kunststoff. Auf einem Handydisplay abgelegt entsteht durch die Lichtbrechung aus einem speziellen Video ein Hologramm. „Die Kinder lernen Zusammenhänge kennen und das räumliche Vorstellungsvermögen wird gefördert“, erklärt die Wissenschafterin. Sie selbst forscht im Bereich der Bionik, wo es um das Übertragen von Wirkungen in der Natur auf die Technik geht. „Kinder sind voller Phantasie, wissbegierig und haben tolle Ideen“, sagt Jäger. Mit dem neuen 3D-Drucker der NMS Egger-Lienz haben die Schüler Modelle einer tierischen und einer pflanzlichen Zelle gedruckt. „Der direkte Vergleich macht die Theorie greifbar.“ Auch ein Deckel für Getränkedosen ist entstanden.

Edwin Meindl (l.) übergab den 3D-Drucker an NMS-Direktorin Gabriele Schwab, mit im Bild Lehrer Christoph Pitterle und die beiden Schüler Nina Unterguggenberger und Alexander Lugger.
Edwin Meindl (l.) übergab den 3D-Drucker an NMS-Direktorin Gabriele Schwab, mit im Bild Lehrer Christoph Pitterle und die beiden Schüler Nina Unterguggenberger und Alexander Lugger.
- NMS Egger Lienz

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