Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 08.06.2019


Osttirol

121 Personen aus Bergnot gerettet

Noch nie mussten die Bergretter zu so vielen Einsätzen mit Suizidhintergrund ausrücken wie im vergangenen Jahr.

Bezirksleiter-Stellvertreter Christoph Schneider, Bezirksleiter Peter Ladstätter, die Sanitäter Verena Blaßnig und Ludwig Wiedemayr und Landesarzt Josef Burger (v.l.) berichteten der Hauptversammlung.

© Christoph BlassnigBezirksleiter-Stellvertreter Christoph Schneider, Bezirksleiter Peter Ladstätter, die Sanitäter Verena Blaßnig und Ludwig Wiedemayr und Landesarzt Josef Burger (v.l.) berichteten der Hauptversammlung.



Von Christoph Blassnig

Lienz – Das Thema Suizid werde nach wie vor tabuisiert, mahnte Peter Ladstätter, Bezirksleiter der Bergrettung in Osttirol, bei der Jahreshauptversammlung. Noch nie wurden die freiwilligen Helfer zu so vielen Sucheinsätzen mit Suizidhintergrund gerufen wie im letzten Jahr. „Die Belastung ist für unsere Leute schon groß. Wie sehr haben Freunde, Angehörige und Verwandte erst zu leiden?“ Eine Stütze sei der Zusammenhalt unter den Rettern. „Wir pflegen ein Miteinander wie eine Familie“, lobte Ladstätter. „Das gilt in unserem Bezirk für alle Einsatzorganisationen.“

Nach wie vor haben die Bergretter starke Unterstützung durch Ärzte. „Es gibt fast keinen Einsatz, bei dem nicht zumindest ein Telefonkontakt zu einem Doktor hergestellt wird“, erklärte Ladstätter. Ärzte-Leiter Josef Burger, seit einem Jahr auch Landesarzt der Bergrettung Tirol, zählt derzeit neun aktive Kollegen zu seinem Team in Osttirol, fünf weitere Mediziner sind Anwärter. „Und jedes Jahr kommen ein, zwei Leute dazu“, schilderte Burger.

An Bedeutung gewonnen habe die medizinische Schulung der Bergretter, Alpin Medic genannt. In der Grundausbildung absolvieren die angehenden Helfer einen dreitägigen Alpin-Medic-Basiskurs. Über zusätzliche Module können sich die Retter zum Alpin Medic fortbilden. Die beiden Sanitäter Verena Blaßnig und Ludwig Wiedemayr werden für die Bergretter im Bezirk Auffrischungskurse halten.

Josef Burger verwies auch auf ein medizinisches Forschungsprojekt, das in Zusammenarbeit mit der Universität Wien eine Wiederbelebung im Tal mit einer Reanimation in großer Höhe vergleichen wird. Noch im Juni sammeln die Mediziner in der Einsatzstelle Lienz und in der Folge auf der Adlersruhe Daten für diese Studie.

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Die Hundestaffel der Bergrettung besteht aus neun Führern. Insgesamt sind im Vorjahr 121 Menschen im Gelände verunfallt. Ein Drittel der Einsätze wurde nicht verrechnet. Darüber entscheidet jede Ortsstelle selbst.